Am Limit

Ergänzend zum kürzlich erwähnten Aussterben der Menschen – siehe hier. Man kann beide Artikel auch für erbaulich halten, it all depends.

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Kiki denkt über ihre Arbeitsprozesse nach.Das ist immer gut, ich liebe das auch. Vielleicht sogar mehr als das Arbeiten. Schlimm.

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Beim Podcast von Patricia und Marcus, ich hänge etwas hinterher, geht es um Whatsapp. Ja, man stöhnt schon bei der Erwähnung. Ja, es ist dennoch interessant.

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Neulich habe ich das Kartoffeltobinamburpilzgulasch wieder gekocht, das hier vor Jahren schon einmal vorkam. Es ist immer noch ein gutes Rezept und es gibt jetzt ein neues, überaus verblüffendes Feature – die Söhne essen das beide auch. Wer rechnet denn mit so etwas! Dies jedenfalls als Tipp, falls Sie Kinder haben, das schmeckt im Grunde hauptsächlich und ziemlich heimelig nach Gulasch.

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Zu meinen musikalischen Vorlieben, die sicher nicht mehrheitsfähig sind, gehört Chip Taylor, den kennen viele nicht. In seinen biographischen Angaben findet man immer zwei auffällige Details: Er ist der Onkel von Angelina Jolie und er hat zwei sehr bekannte Songs geschrieben, Angel of the morning und Wild thing, die kennt praktisch jeder – aber nicht von ihm. Neuerdings kommt er, bzw. kommen Songs von ihm wohl in der Serie Sex Education vor, entnehme ich gerade frischen Youtube-Kommentaren, die Serie habe ich aber nicht gesehen. Ich hatte im Blog schon einmal sein “Fuck all the perfect people” vor einiger Zeit, das war dieses hier, Sie erinnern sich vielleicht:

In Ergänzung dazu habe ich noch etwas gefunden – die Sache mit dem letzten Video:

Oder hier, ohne Video, nur mit dem knappen Text dabei, so etwa zwei Minuten pure Traurigkeit, das muss man dann allerdings auch abkönnen:

Auf Spotify findet man viel von ihm, ein interessantes Spätwerk.

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Am Hauptbahnhof hängen große Werbeplakate, die wollen die Passantinnen für eine Hörbuch-Plattform begeistern. Ich habe glatt schon wieder vergessen, wie die heißt, von wegen Werbung wirkt. Egal, die wirbt jedenfalls mit “Hören ohne Limit”, und der mich gerade begleitende Sohn II lacht hämisch auf, als er das liest: “Ha! Von wegen!”

Das ist ja interessant, denke ich mir, haben also meine zahlreichen Vorträge über die Refinanzierung von Internetdiensten, über die besondere Sprache des Marketings und über das Reinfallen auf haltlose Versprechen am Ende doch einen Sinn gehabt, wenn er mit solch gepflegtem Zynismus den Wahrheitsgehalt dieses Slogans en passant anzweifelt. “Ohne Limit! Von wegen!”, sagt der Sohn und ich habe zwar keine Ahnung, worauf er eigentlich abhebt, freue mich aber schon einmal über das Kind, denn Werbung anzuzweifeln, das ist immer gut und richtig, finde ich, außerdem liegt es heutzutage geradezu im Erziehungsauftrag. “Nichts ist ohne Limit”, sagt der Sohn düster, “gar nichts.” Und dann erklärt er mir, dass er sein ganzes Taschengeld für einen Hörbuchservice ohne Limit ausgeben würde, denn er lässt sich ausgesprochen gerne von vorgelesenen Geschichten unterhalten, aber dass es so etwas ohne Limit ja nicht geben kann. Nie! Ich frage ihn, was er eigentlich meint, er sagt: “Dich.”

Ich lasse mir das genauer erklären und lebe jetzt mit der etwas irritierenden Erkenntnis, in meiner Rolle als Vater ein ausgesprochen störendes Hörbuchlimit zu sein, denn ich erinnere ihn ja dauernd daran, dass er zur Schule muss, zu Bett oder zu Tisch oder zum Reiten, dass er schon wieder irgendwas machen muss, ich hindere ihn also permanent – “Immer und immer wieder!” – am unbegrenzten Hörbuchgenuss und wenn er das irgendwo wegkaufen könnte, also das würde er wohl wollen, echtjetztma. Aber nix is’. “Ohne Limit! Ha!”

Er geht wutschnaubend weiter, ein leidenschaftlicher Verächter des Werbeblas, ein genauer Leser und Selberdenker. Es ist ein wahrer Traum und ich bin zwar nur ein blödes Limit, aber dennoch irgendwie stolz.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, heute natürlich für Sohn II, ganz herzlichen Dank!