Vereinfachungen

Auf dem Arbeitsweg am Dienstag liegen wieder Bücher am Straßenrand, anspruchsvoll sind sie diesmal: Homo ludens von Huizinga und eine Einführung in die Logik. Daneben ein Kochbuch über „Fisch in der Küche“, denn auch spielende Logiker haben ab und zu Hunger. Aber jetzt wurde das alles aussortiert, Schluss mit Spiel und Logik und danke für den Fisch, alles muss raus. Homo ludens jedenfalls habe ich nie gelesen, aber es gab doch eine Zeit, da haben das alle gelesen, ich erinnere mich. Im öffentlichen Bücherschrank vor der Kirche sehe ich die paar Regalbretter durch und nehme Gabriele Wohmann und Somerset Maugham mit. Die sind beide etwas aus der Mode gekommen, das schadet ihren Texten aber nicht zwingend. Da ruhig mal reinsehen, denke ich mir und schiebe die Bücher zufrieden in meinen Rucksack. Ich mag diesen öffentlichen Bücherschrank sehr, eine Begrenzung der Auswahl ist oft sinnvoll im Leben.

Ich achte auf dem weiteren Weg auf Laternenpfähle. Das muss man hier neuerdings tun, denn an einigen von denen hängen jetzt laminierte Zettelchen in DIN A4, die weisen auf eine neue Maskenpflicht hin, die an dieser Stelle ab sofort besteht. Wo genau, das steht da allerdings nicht, so ungefähr da eben, und überhaupt sehen die Zettel weder besonders offiziell noch besonders ernstgemeint aus, sie sind eine höchst merkwürdige Form der staatlichen Kommunikation und etwaige Ordnungshüter sehen angestrengt weg, wenn jemand sich nicht an diese Anordnung hält.

Die Söhne müssen seit Montag auch während des Unterrichts Maske tragen. Das macht ihnen nichts aus, bzw. das haben mehrere Kinder in den Klassen eh schon die ganze Zeit gemacht, weil man auch hinter einer Maske ganz gut abtauchen kann. So praktisch, die Dinger.

In der Corona-App habe ich sieben Begegnungen mit geringem Risiko. Sieben auf einen Streich! Einmal durch den Lidl, einmal durch den Edeka, so etwas kommt von so etwas.

Ich höre verspätet einen Podcast mit Erklärungen zu Halloween, darin kommt ein Wort für die Betteltour der Kinder vor, das mir bisher nicht bekannt war: „Heischegang“. Das ist ein herrlich altmodisch klingendes Wort, sofort möchte man es in den Büroalltag übernehmen und die Gehaltsrunden ab sofort so nennen, Herr X ist auf seinem Heischegang. Damit es alles stimmig ist, können wir dann bitte künftig alle Gehaltsverhandlungen Richtung Halloween verschieben, dann ist das auch bundesweit immer zu einheitlicher Zeit und ein insgesamt herrlich absehbarer Prozess.

Überhaupt wäre ich gut darin, alles wesentlich zu vereinfachen, stelle ich zum wiederholten Male fest. Man hat so Begabungen, die kann man nie zur Gänze austoben. Schade.

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