Verschwende deine Stunde

Ich habe lange darauf gewartet, jetzt ist es endlich, endlich einmal passiert, nach all den Wochen, wenn nicht sogar Monaten. Drei Familienmitglieder hatten tatsächlich gleichzeitig Termine außer Haus, oder nein, sagen wir lieber, sie hatten irgendwelche Vorhaben. Termine, das ist so ein Wort aus der Vergangenheit. Man sagt das zwar noch so, aber es ist eigentlich Unsinn. Es gibt keine Termine mehr da draußen. Jedenfalls aber waren sie alle nicht da, die Herzdame nicht und die Söhne nicht, und ich war alleine, ganz alleine. Es war wunderschön. „Jetzt sind sie weg“, so sang ich lauthals und tanzte etwas im Wohnzimmer, „und ich bin wieder allein, allein.“ Es hörte und sah ja keiner.

Und wissen Sie, was ich dann mit dieser ungeheuer kostbaren Stunde, was ich mit diesem exotischen Stundenjuwel gemacht habe? Mit dieser einzigen Fürmichstunde weit und breit, mit dieser finest quality time? Gar nichts! Ha! Ich habe sie hemmungslos und in voller Absicht verschwendet, vertändelt und vertan. Fast achtlos habe ich sie gänzlich ungenutzt vorbei und zum Fenster hinaus ziehen lassen, ganz so, als kämen da noch mehr, noch viel mehr Stunden. Ganz so, als hätte ich einen ungeheuerlichen Reichtum an solchen Stunden, die nur mir exklusiv zur Verfügung stehen, zur gänzlich freien Verfügung, versteht sich, ohne alle Zuständigkeiten für irgendwas  mit Home- davor. Als sei ich Stundenmillionär, genau so habe ich mich benommen. Denn ich dachte mir, nur so wird es sich halbwegs fürstlich anfühlen. Hau raus die Zeit, verprass sie. Verschwende deine Stunde. Ich habe, und wer hat, lebt angenehm.

Das war schön.

Okay, und kurz war es auch.  Aber schön.

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