Weiterhin nichts

Am Abend sehen wir mit der ganzen Familie eine weitere Folge von „Der Doktor und das liebe Vieh“. Mittlerweile wirkt die Titelmelodie schon familiär euphorisierend, hurra, Sofasitzen und Gucken im Rudel. Haben wir also auf den letzten Metern der Kindheiten doch noch erfolgreich gemeinsames Fernsehen als Erlebnis etabliert, das war knapp.

Wir sind in der Serie mittlerweile weit fortgeschritten und ich finde es zunehmend verstörend, dass die drei Tierärzte niemals eine Angabe zur Dosierung der Medikamente machen. Sie geben den Bauern dauernd Flaschen mit Flüssigkeiten in verstörenden Farben mit und Pulver und Salben, sie sagen: „Nehmen Sie das“ oder „Geben Sie ihr davon“, sie zeigen auf das Schwein oder auf die Kuh – und dann ist alles klar. Die Bauern sehen die Flaschen oder Dosen sinnend an, nicken und ziehen zufrieden ab. Keine Beipackzettel, keine weiteren Informationen, gar keine, nicht ein einziges Mal. Wenn man erst einmal darauf achtet – es macht einen irre. Wieso hat das damals keinen gestört, es ist doch offensichtlicher Unsinn?

Außerdem tragen in dieser Serie alle Männer permanent Pullunder und ich merke, wenn die Läden jetzt geöffnet wären, ich würde eventuell nach einem gucken. Aus modischer Solidarität zu mir sympathischen fiktiven Figuren, manchmal reagiert man doch wirklich seltsam und ja, man muss aufpassen, was man guckt. Literatur wirkt nicht so auf mich und ist also viel ungefährlicher. Ich meine – Pullunder. Ich muss doch bitten.

Ansonsten sind wir ausreichend damit beschäftigt, beim Zusehen immer wieder zu überlegen, wer in dieser Familie eher Siegfried, Tristan, James oder einem der verschrobenen Bauern ähnelt, das fällt hier jetzt unter Gesellschaftsspiel. Man braucht dringend etwas Entertainment, nicht wahr.

Ich lese am Morgen zunächst beflissen die Beschlüsse der MPK nach, allerdings ähneln diese so sehr einer vertrackten Textaufgabe, dass ich nicht bis zum Ende komme, die Aversion gegen so etwas ist in den letzten Wochen einfach zu groß geworden. Und es ist auch egal, ich nehme ohnehin an, dass es vorerst besser und auch einfacher ist, weiterhin nichts zu machen, auch wenn es mich, wie vermutlich die meisten, allmählich wirklich drängt, etwas zu machen, etwas zu erleben. Text dazu an anderer Stelle in Kürze, fällt mir gerade ein, bevor ich den hier noch einmal schreibe.

Im Laufe des Tages stand ich heute einmal im Flur und wusste auf einmal nicht mehr, was ich wollte. Das ist nicht originell, aber es dauerte unangemessen lange, bevor mir auf die schlichte Frage „Wer bin ich und was mache ich hier?“ endlich eine halbwegs plausible Antwort einfiel, und die schien mir dann auch noch zweifelhaft. Daraus wurde dieser Tweet:

Mir fiel zu diesem Tweet noch – apropos seitliche Bewegungen – ein Lied der Smothers Brothers ein, die Ballade von Hermann and Sally, ein bewegendes Lied, gar keine Frage, Sie kennen es vielleicht nicht. Die Smothers Brothers, das noch eben als Empfehlung, sind sowieso interessant, ruhig mal nachlesen, nachsehen, nachhören. Wichtige Humorgeschichte, bis hin zu ihrer Version von The impossible dream, man kann sie auf Youtube finden.

Die Söhne haben übrigens nach wie vor Ferien, die Herzdame hat jetzt auch Urlaub. Ich werde morgen früh als last man standing mein Notebook mit besonders erlesener Bitternis im Herzen aufklappen und noch einen letzten langen Tag arbeiten. Und ich werde das aus lauter Gemeinheit in der Küche tun und alle verbellen, die da nach dem genüsslichen Ausschlafen hineinwollen um zu frühstücken oder was auch immer zu tun: „Ich habe einen Call! Raus! Wichtig!“

Sollen sie sich doch Kuchen kaufen, wenn sie Hunger haben.

Ab morgen Abend bin ich dann eventuell besser gelaunt, vielleicht sogar eine ganze Woche lang.

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