Eine ganze Stunde

Im Krankenhaus kann man in der aktuellen Situation niemanden besuchen, auf keiner Station. Man gibt Sachen, die man mitgebracht hat, am Empfang ab und die landen dann auf einem großen Rollwagen, der unter all den Koffern und Taschen seltsam nach Urlaub und Hotel aussieht, von dem aus werden sie dann irgendwann verteilt. Wir fahren durch Regen, durch Hagel und Schnee wieder nach Hause, sogar über eine frischweiße und also tatsächlich glatte Straße, das habe ich mangels Winter in Hamburg lange nicht mehr erlebt. Wir sind so etwas nicht mehr gewohnt, ein Wetter, das einen irgendwie einschränken möchte. Es geht nur langsam voran, die halbe Stadt spielt Stop and Go und da stellen wir nebenbei auch fest, dass es auf allen großen Straßen normal voll ist, also richtig voll. Von wegen Lockdown, von wegen Einschränkung der Mobilität und der Kontakte. Aber bestimmt fahren die alle nur im Kreis und treffen gar keine anderen Menschen, das wird es sein. Oder sie bringen alle nur Zeug in die Krankenhäuser, so wie wir.

In der Home-School geht es um Schall, um Fastentücher von Misereor (die kannte ich nicht, ich lerne auch etwas dabei), um eine Personenbeschreibung und in Mathe um etwas, das enorm kompliziert aussieht, aber gottseidank von mir nicht verstanden werden muss, weil das, so sagt der zuständige Sohn, doch easy sei. Gut dem Dinge! Dann noch die Zahlen von 1 bis 100 auf Französisch. Die spinnen, die Franzosen. Aber wir natürlich auch, mit unserer selten dämlichen Nennung der Einerstelle zuerst, das ist schon auch sensationell blöd.

Am Vormittag habe ich unverhofft eine ganze Stunde ohne Störung und Ablenkung. Ich arbeite konzentriert, zügig und mit vorzeigbarem Ergebnis und erinnere mich dunkel, dass es das früher öfter gab und dass es manchmal ganz schön war, einfach arbeiten können, sogar bei Routinearbeit. Mein pflichtgemäßes Ding machen und durcharbeiten können, solange ich eben brauche! Auch das gab es einmal, und ich habe tatsächlich etwas Sehnsucht danach. So läuft es also mit der Verklärung. Im nächsten Schritt spreche ich dann mit bebender Stimme vom Großraumbüro, ist klar. Na, wir wollen nicht übertreiben.

Hier noch ein paar Links, warum auch nicht.

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Über den Wert geistiger Arbeit

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Ach, es fühlt sich überhaupt nichts richtig an.

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Eltern sind der letzte Rest

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Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel. Merci!