Take what you need

Sonntagabend. Um 21 Uhr, exakt zu Beginn der Hamburger Ausgangssperre also, fährt ein Auto an unserem Haus vorbei. Aus dem Auto kommt laute Musik, es sind Liedzeilen, die man kennt: „You must leave now, take what you need …“ Das scheint mir nicht passend zu sein. Ich überlege, eine Ausgangssperrenplaylist anzulegen, verwerfe den Gedanken aber aus Zeitgründen wieder, ich kann mich auch nicht um alles kümmern. Wobei sich das „I’m going home“ aus der Rocky Horror Picture Show um viertel vor neun schon anbieten würde, nicht wahr. Ich sehe aus dem Fenster, es ist kein Mensch mehr auf der Straße zu sehen.

Am frühen Montagmorgen sitze ich am Schreibtisch und frage mich, warum heute alles noch trüber als sonst wirkt, noch bedrückender und düsterer. Dann fällt es mir auf, ich habe die Jalousien nicht hoch- und das Licht nicht angemacht. Manchmal ist es ja einfach.

Ich mache die Jalousien hoch, der Himmel ist blau. Also schwach blau. So ein grau eingefasstes Immerhinblau ist das, ich will hier nichts beschönigen. Der Himmel ist geradeebenblau und es ist nach wie vor zu kalt da draußen, ich merke es, als ich mich kurz aus dem Fenster lehne. Nein, so geht Frühling nicht. „In Norddeutschland setzt sich Meeresluft polaren Ursprungs durch und gestaltet das Wetter unbeständig.“ Ich dagegen, ich sitze am Schreibtisch bei gleichbleibender Raumtemperatur und gestalte alles beständig.

Muss ja.

Zwischendurch telefoniere ich wegen der einigermaßen unklaren Lage meiner Mutter mit Behörden, lande schließlich beim Infektionsschutz und höre dort lange – sehr lange – die Warteschleifenmusik. Dort läuft, es ist kein Scherz: „You left me just when I needed you most.”

Ansonsten: Es ist alles ein riesiger Fuck-up. Bis zur Pandemie schleichend und jetzt steht alles kurz vor dem tatsächlichen Kollaps.

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