Noch ein Arztbesuch. Im Wartezimmer sitzend höre ich aus dem Behandlungsraum das Lachen mehrerer Personen. So ein Lachen, das schnell zum Gelächter wird, aufbrandende Heiterkeit der ausgelassensten Sorte. Man kriegt sich da gar nicht mehr ein. Man kriegt auch kaum noch Luft, so klingt es jedenfalls. Unwillkürlich stellt man sich da als Zuhörer vor, wie man sich hinter der Tür die Bäuche hält, auf die Schenkel schlägt, die Lachtränen trocknet etc.
Als Zuhörer vor der Tür verbleibt man ebenso pointen- wie ratlos, aber so ist es ja oft im Leben.
Welche Diagnose mag wohl die lustigste sein, die man bekommen kann? Mir fällt in diesem Wartezimmer keine ein, die ich auch nur milde erheiternd finden würde. Aber das liegt vielleicht nur wieder an meiner regulären Januarverstimmung.
Beim Zahnarzt wiederum, ich komme gerade etwas herum, arbeitet man jetzt gekonnt mit Cliffhangern, das war mir auch neu. Nach der Behandlung und während noch der Stuhl hochgefahren wird, teilt man mir wie nebenbei noch eben die Notwendigkeit eines weiteren Termins mit, denn, so heißt es ohne weitere Aufklärung, man habe da an zwei Stellen etwas gesehen … und dann schweigt man beredt erst einmal einen Moment und guckt bedeutungsschwer … na, das werde man dann schon noch genauer besprechen.
Beim nächsten Mal.
Ich stelle mir daraufhin vor, dass es sicher längst Menschen gibt, die in dieser Hinsicht Seminare für Zahn- und andere Ärztinnen anbieten. Attraktive Weiterbildungsmöglichkeiten zu den interessanten und besonders zeitgemäßen Themen Spannungsaufbau, Storytelling und Kundenbindung. Am Ende ist auch das ein weiterer Markt.
Das Problem ist nur, merke ich nach einer Weile, während ich auf dem Heimweg weiter darüber nachdenke, dass ich es mir etwas zu gut vorstellen kann. So dermaßen gut, realistisch und detailreich kann ich es mir vorstellen, dass sich der intendierte satirische Aspekt zügig verliert, schließlich ganz auflöst und bald einem fatalistischen Abnicken der vermutlich längst eingetretenen Sachlage weicht. Es ist ein wenig schade.
Aber so geht es vielen von uns immer öfter, glaube ich, es ist ein Kennzeichen der Gegenwart: Man findet kaum noch etwas, das man vernünftig parodieren kann. Es ist alles längst allzu wahr und vor allem auch allzu ernst gemeint.

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Apropos Vorstellungskraft. Im Hamburger Hafen legt ein besonders großes Schiff an. Es kann, so lese ich beim NDR, mehr als 24.000 Standard-Container transportieren. Und hier gilt auf einmal das Umgekehrte: Ich kann es mir nicht vorstellen. Ernsthaft nicht.
Nein, es kann doch – also bitte, echtjetztmal! – kein Schiff geben, auf das mehr als 24.000 Container passen. Wer soll das denn glauben, wie groß soll das sein? Kampfstern-Galactica-Format müsste das doch sein, und als ob so etwas dann in die Elbe passen würde.
Es kann sich bei diesen Mengenangaben nicht mehr einfach nur um ein weiteres Schiff handeln. Selbst nachzählen müsste ich diese Container, um diese absurd anmutende Mengenangabe wirklich zu glauben. Um sie mit einem sicheren Gefühl glauben zu können, mit Wirklichkeitsbezug und vernünftiger Absicherung.

Man würde allerdings eine Weile brauchen, denke ich, um 24.000 Container mit einer Strichliste vor Ort und also an Bord nachzuzählen. Sicher aber würde man wesentlich länger brauchen, als ich zwischen meinen To-Dos und Terminen in absehbarer Zeit Gelegenheiten für dergleichen finden könnte. Es ist wohl wie mit dem unendlichen Universum: Man muss die Größe einfach so hinnehmen.
Aber leicht fällt es mir nicht.
„Und die Container, die fallen
Unter grandiosem Gepolter
In den hungrigen Bauch
Eines uralten Frachters
Und mein Herz, es poltert auch.
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Zum Thema – habe KI befragt ‚ derzeit sind Schiffe mit über 24.000 TEU Standard, wobei MSC Irina mit 24.346 TEU als eines der größten gilt.
Schiffe sind etwa 400 meter lang, über 61 Meter breit und können 25 Containerstapel hoch sein!
einen beruhigten Nachmittag!
Hat mich auch interessiert.