Es wird viel passieren

Christian macht Musik (mit lesenswerten Linernotes hier – ich  muss noch darüber nachdenken, warum Kattegat der Song meiner Wahl ist) und Kiki schreibt sowohl darüber als auch über die notwendige Bandenbildung. Christian macht Musik, Kiki macht Kunst, ich mache nur so Texte.  Die Herausforderungen ähneln sich in der heraufziehenden KI-Welt.

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Phasenweise neblig-trüb, so beschreibt es ansonsten die Wetter-App und benennt dabei äußere wie auch innere Umstände. Die Wege bleiben uns verschneit und vereist. Je nach Nässe und Gefrierstatus tappen Menschen im Pinguingang über die Straße vor der Haustür, und nicht weit von hier liegen auch schon zwei auf dem Rücken. An der Kombination aus vereistem Kopfsteinpflaster und Büroschuhen sind sie gescheitert, und zappelnd liegen sie nun da, wie Gregor Samsa am frühen Morgen nach besonders unruhigen Träumen.

Der Brunnen auf dem Hansaplatz, leicht verschneit

Wesentlicher Smalltalk-Inhalt in dieser Stadt ist jetzt, dass man dazu nun aber keine Lust mehr habe. Überall hört man das, sowie auch die stets mitgelieferte Zusatzinformation, dass es einfach eklig sei. Dass das alles da eklig sei, wobei man dann vage in Richtung Fenster oder Tür zeigt, manchmal auch zum lichtgrauen Himmel, aus dem alles Mögliche heute noch kommen kann und auch wird. Man sagt auch, da wird es dann tiefsinnig und fast schon gelassen, seelenruhig alles akzeptierend: Januar eben erst, ne. Wozu noch der sich im nächsten Satz anschließende Glaubenssatz gehört: Da kommt aber noch was.

Ein Steg an der Außenalster, mit leerer Außengastro-Bestuhlung vor vereister Kulisse

Ja, da kommt wohl noch was, und nicht nur beim Wetter. Marienhofmusik im Hintergrund, es wird viel passieren. Wir kennen das.

Ein Steg an der Außenalster, ins Eis ragend

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In diesem Sinne sah ich am Wochenende auf meine Liste von zu besuchenden Lokalen (was bitte haben Sie denn gedacht, selbstverständlich habe ich eine Liste, ein System und alles, soweit sollten Sie mich doch mittlerweile kennen), wählte aus der ansprechend gut gefüllten Rubrik „Café“ etwas aus und lenkte meine Spazierschritte dann so, dass ich schließlich dort vor der Tür landete. Es handelte sich um ein Café in Elbnähe, auf Instagram gekonnt mit Bildern beworben, in denen man gerne wohnen möchte.

Allerdings landete ich trotz einwandfreier Zielgenauigkeit keineswegs plangemäß direkt vor der Tür des Cafés, das wäre ohne Rüpelei auch gar nicht möglich gewesen. Denn dort standen schon etwa zwanzig Menschen vor mir. In der Kälte. In einer ordentlichen, geradezu britisch anmutenden Schlange aufgereiht. Vor einem Café, wie ich mir dann etwas entgeistert wiederholte, mit angemessenem Erstaunen in der Stimme.

Was ich mir eine Weile kopfschüttelnd besah, um dann frierend, fluchend und unverrichteter Dinge weiterzuziehen. In irgendeinen gewöhnlichen Coffeeshop einer beliebigen Kette in der Nähe. Gar nichts Besonderes war dieser Notfall-Coffeeshop, keine interessante Location von der Liste. Aber ich kam dort anstandslos rein, ich fand sofort einen freien Platz und auch einen heißen Latte Macchiato. Und dachte dann beim Trinken erneut: „Schlangestehen vor Cafés? Echt jetzt?“

Was ich mir aber lediglich mit weiterem Kopfschütteln beantworten konnte. Man findet nicht immer gleich die richtigen Worte, um seiner Verwunderung Ausdruck zu verleihen.

Und manchmal findet man sie auch gar nicht.

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2 Kommentare

  1. @Cafe Sowas von absurd. Genau das ist der Grund, warum ich keine Lust mehr habe, nördlich der Elbe etwas in Hamburg zu unternehmen.

  2. „Es wird viel passieren!“ Danke für den Marienhof-Ohrwurm! (Er hat Nervigeres vertrieben.) 😀 😉

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