Zunächst ein kleines Anhängsel an die letzte Ausgabe der Linksammlung. Dort kam die Hannah-Arendt-Doku auf arte vor (hier zu finden noch bis 24.2.). In Ergänzung dazu gab es für mich noch einen weiteren Walther-Ziegler-Vortrag, er kam mir gerade noch passend unter die Finger:
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Gesehen habe ich einmal wieder einen Film, wozu ich meist nicht komme. Und zwar „Aviator“, ebenfalls auf arte, verfügbar bis 1. März. Den Scorsese-Film über Howard Hughes also, mit Leonardo DiCaprio und Cate Blanchett, Kate Beckinsale etc. ausgezeichnet besetzt. Mit der berühmten Szene, in der das manische Händewaschen so bemerkenswert inszeniert wird, dass sie vermutlich noch viele Jahre lang als Standard-Bildmaterial dienen wird, wo immer es um die Erläuterung von Zwangsstörungen geht. Wobei die Ableitung der Störung aus dem Lebenslauf allerdings flacher als flach ausfällt und diese Blockbuster-Welt ansonsten eher nicht meine ist, wie ich beim Sehen wieder gemerkt habe. Ich sehe zwar ein, dass z. B. die Flugzeugabstürze toll gemacht sind, es geht alles in großer Kunstfertigkeit kaputt, aber es interessiert mich eher nicht. Ich sehe lieber leisere, unauffälligere Filme.
Wie auch immer, nach dem Ende habe ich Howard Hughes in der Wikipedia nachgelesen, eh klar.
Da ich annehme, dass viele gerade diesen Film sehen oder gesehen haben, möchte ich noch eine passende Empfehlung zum Hintergrund anlegen. Denn die in diesem Film eine wichtige Rolle als Partnerin von Howard Hughes spielende Katharine Hepburn hatte, wie man vermutlich weiß, eine mehr oder weniger geheime und außerordentlich lange Beziehung zu Spencer Tracy.
Diese wird auf arte hier dokumentiert, in der ohnehin schönen Reihe „Legendäre Liebespaare des Kinos“.
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Noch einen anders gearteten Film sah ich. Einen über die Grundausstattung meiner Komfortzone, nämlich Charly Hübners Film über Element of Crime: „Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin“. Nur noch verfügbar bis 27.2. Es wird überall knapp mit der Zeit, aber so geht der Februar schnell vorbei. Und das ist sicher auch okay.
Zum Film muss ich nichts erläutern, man ist Fan von EoC oder nicht, ich bin es. Die schönste Stelle für mich war wohl die großartige Live-Aufnahme des sich so angenehm norddeutsch anfühlenden Edelherzschmerzliedes „Vier Stunden vor Elbe 1“ (bei 1:02).
Hach.
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Eine Lange Nacht habe ich in der ARD-Audiothek gehört, und zwar zunächst mit etwas falscher Erwartungshaltung. Es ging um „Atheismus – Mensch ohne Gott“ (160 Minuten), und ich rechnete, erst einmal nur auf den Titel sehend, mit einem aktuellen philosophischen Abriss und erwartbaren Abstechern in die gängigen, halbwegs spirituellen Lifestyle-Fragen der Moderne. Geboten wurde aber – und es war dermaßen interessant und lehrreich für mich – eine geschichtliche Darstellung des Atheismus und seiner Vertreter. Die mir teils vollkommen unbekannt waren.
Etwa jemand, der aus Oldenswort auf der Halbinsel Eiderstedt stammte, wo ich gefühlt schon tausendmal durchgefahren bin. Nicht ahnend, dass ein derart aufrechter Denker aus diesem Ort kam: Matthias Knutzen, aus dem 17. Jhdt. Wie es in der Wikipedia heißt:
„Er ist der erste namentlich bekannte Atheist in der europäischen Geistesgeschichte der Neuzeit.“
So etwas kann man doch ruhig wissen, finde ich, das ist doch eine Leistung. In anderen Blogs wird gerade über das „harte Nachdenken“ getextet (hier z. B. bei Felix) – wie hart, unerbittlich und mutig muss man aber nachgedacht haben, um mit so etwas wie bekennendem Atheismus der Erste weit und breit zu sein?
Mit der Formulierung „hart nachdenken“ kann ich ansonsten wenig anfangen, aber man wird sicher leicht nachweisen können, schon anhand durchschnittlicher Meeting-Längen, dass „lange nachdenken“ in sämtlichen Kontexten, allein oder in Teams, gründlich aus der Mode gekommen ist in den letzten Jahren. Was auch so einiges erklärt.
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Ebenfalls gehört: „Freiheit deluxe“ von Jagoda Marinic mit dem Gast Marietta Slomka (1:12).
Dann noch – ich war krank, ich hatte etwas mehr Zeit, pardon – ein Zeitzeichen über Roger Willemsen (13 Min.) und ein kurzes Interview mit seiner Nachlassverwalterin Insa Wilke (4 Min. nur).
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Anke Gröner schrieb erfreulich lang über ihr berufliches Thema, die Provenienzforschung.
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Mek schrieb etwas überraschend novembrig: „alleine sterben“ .
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Der Kaffeehaussitzer schrieb über Timothy Snyders Buch „Über Tyrannei“. Das kam hier im Blog zwar schon vor und steht auch längst in meinem Regal, aber man kann ruhig ab und zu an das Buch und die Thesen oder Aufforderungen darin erinnern, denke ich.
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Eine weitere Sendung beim Deutschlandfunk Kultur hörte ich noch, über ethnische Nischen im Arbeitsmarkt. 30 Minuten über solche Nischen, die wohl die meisten von uns in ihren Gemeinden und Städten wahrnehmen können, auch wenn sie von Ort zu Ort verschieden ausfallen können. Manchmal ist die Deutlichkeit, mit der solche Nischen gleichartig besetzt oder erobert werden, je nach Betrachtung, einigermaßen krass in der Ausprägung. So ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschen, die in unserem Viertel nach dem Ende der Öffnungszeiten Läden, Cafés, Kneipen etc. reinigen, eine Migrationsgeschichte haben, die auf Afrika verweist, sicher bei über 90 %.
Was auch einen Wandel darstellt. Denn es ist noch nicht so lange her, dass die Herkunft dieses Personals mehrheitlich eher in der Türkei zu verorten war und die beteiligten Personen meist erheblich älter waren.
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Zum Schluss noch etwas Musik. Zuerst diese ansprechende Cover-Version eines Liedes von Abba, das ohnehin ausgesprochen gut zu covern ist, wie schon verschiedentlich bewiesen wurde.
Pulp mit einer weiteren Version von „The day before you came”:
Und dann war da noch Fortuna Ehrenfeld, die haben auch ein neues Video herausgebracht. Es gibt sich nennenswert gechillter, als die Jahreszeit es uns vorgibt.
„Warm strung empathy
versus right wing policy“
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