Was ich diesen Monat bereits erreicht habe

Es stellte sich also heraus, man ist mit diesem pandemiebekannten Virus gar nicht garantiert nach einer Woche fertig – oder es nicht mit einem, wie man es nimmt. Beim Sonntagstestspaziergang kam mir die Luft um die Alster herum schon verdächtig sauerstoffarm vor, und am Montagmorgen wog ich dann merkwürdig müde und seltsam schwunglos vor dem Arbeitsnotebook sitzend kurz ab, kannste heute, kannste eher nicht … und fand dann nach ausreichend Bedenkzeit, während der ich allerdings mehrfach fast wieder einschlief, dass ich nicht konnte.

Durch erneut einsetzenden Schnee ging ich zur Ärztin und sah: Die anderen konnten auch alle nicht. Denn die standen da alle vor mir und warteten auch. Na, vielleicht nicht alle, aber jedenfalls enorm viele von ihnen. Damit war ich also wieder beim mehr oder weniger tröstlichen, stets trendbegleitenden Ringelnatz-Zitat: „Nie bist du ohne Nebendir.“

Ich legte mich nach erfolgter Krankschreibung wieder hin und staunte im weiteren Laufe des Tages darüber, welche Uhrzeiten ich alle verschlafen konnte. Hauptsache, man kann sich ab und zu noch beeindrucken, nicht wahr. Es ist doch gelegentlich wichtig für die positive Beziehung zum Selbst.

„Was haben Sie in diesem Monat erreicht?“

„Ich habe ganz neue Uhrzeiten verschlafen.“

„Stark, Herr Buddenbohm, wirklich stark!“

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Ein Herz und das Wort Liebe, mit Kreide an eine Mauer gemalt

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Nebenbei hörte ich Musik aus der Richtung, die ich gestern am Ende des Textes erwähnt habe. Lieder von der alten Liebe und von alternden Liebenden im weitesten Sinne. Ich finde Musik nahezu immer und bei allem hilfreich. Und zwar in diesem Fall zur Abwechslung mit ausschließlich deutschsprachigen Texten, mir war gerade so.

Das ergab dann zwanglos eine Playlist von vorläufig 44 Titeln, die ich auch auf YouTube versammelt habe.

Diese Playlist hier auch als Link.

Es sind alles Lieder, bei denen jeweils mindestens zwei, drei Zeilen einen Aspekt beschreiben, der auch für mich im Moment hinzukommen scheint. Zumindest nach Tages- oder sogar nur Stundenform, denn die Kurse fallen und steigen in diesen Fragen wie an der Börse. Ich gebe mich emotionsfluid, auch wenn Google das Wort nicht kennt.

Sogar mein berühmter Nachbar kommt in dieser Playlist vor. Der bald achtzig Jahre alt wird und dessen Musik, pardon, ich sonst eher gar nicht höre, das ist leider fast alles nicht mein Fall. Aber seine Version der „Sachlichen Romanze“ von Kästner, die ist doch in Ordnung: Udo Lindenberg.

Und sonst gibt es da mehr von Malediva (Wikipedia-Link), als ich angenommen hätte, aber die kann man ohnehin mal wieder hören. Diese Gruppe tritt leider nicht mehr auf und produziert auch keine neuen Stücke mehr. Wenn Sie sie nicht kennen sollten, fast möchte man es in diesem Fall hoffen, haben Sie einige schöne Entdeckungen vor sich, äußerst ansprechende Texte hatten die nämlich.

Und manche Zitate aus den Songs auf dieser Liste kann man ohnehin öfter verwenden, wie etwa die folgende Weisheit von Hildegard Knef, die hier auch schon einmal vorkam, aus dem Lied „17 Millimeter“:

„Dass es gut war, wie es war, das weiß man hinterher

Dass es schlecht ist, wie es ist, das weiß man gleich.“

Man kann es sich auch auf Kissen gestickt vorstellen. Aber gut, das müsste ein ziemlich großes Kissen sein.

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4 Kommentare

  1. Kästner ist so desolat, wieärchen zu positiv sind. Die Geschichte geht doch weiter! Die letzten Zeilen bei Kästner, wo sie schließlich weint und er „dabei“ sitzt, da gibt es viele Interpretationsmöglichkeiten. Z. B. so, dass die eine Person gerade nicht (re)agieren kann, sich selbst und ihre Liebe zu sich nicht sieht – wenn das wieder gelingt und die andere Person Geduld hat, findet man sich zusammen wieder. Manchmal inniger, manchmal klarer mit eigener Richtung. Wenn man Glück hat, hat man den Anderen damit ein- oder abgeholt oder die Person hat gewartet und läuft aufs Neue mit. Es ist alles eine Phase, finde ich.

    Alles Gute und gute Besserung!

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