Was man sieht, hört und hinterfragt

Ein bemerkenswertes Timing. Während Felix und die Kaltmamsell über KI-generierte Inhalte stolpern und sich berechtigt darüber ärgern, erlebe ich einen ähnlichen Effekt. Mit einem anderen Video und im beruflichen Kontext, ein wenig anders gelagert. Denn ich sehe da einen Film, an dem zwar klein, aber immerhin noch halbwegs gut lesbar dransteht, dass dabei etwas made with AI sei. Aber ich weiß dadurch noch nicht, was genau die Software erzeugt, verändert oder verbessert hat.

Da hält jemand einen kurzen Vortrag in diesem Film, mehr passiert gar nicht. Aber wurde nun vielleicht nur sein aufgesagter Text durch eine KI generiert? Oder sind es seine Mundbewegungen und die ganze Mimik, sogar die Gestik? Hatte er diesen Anzug bei der Aufnahme gar nicht an? Wurde, das sieht man jetzt ja öfter, z. B. auch bei Instagram, lediglich sein Englisch künstlich erzeugt, war es also nur das elegante Tricksen für jemanden, dessen Muttersprache nicht das Englische ist?

Man kann immer weiter fragen. Ist der Mensch denn überhaupt tatsächlich bei diesem Vortrag gefilmt worden oder wurde er nur vorher einmal fotografiert und der komplette Rest wurde dann animiert? Oder ist er am Ende nicht einmal fotografiert worden, ist also alles von vorne bis hinten nur ein technisch gelungenes Recycling? Nein, eher ein Upcycling irgendwelcher alter Vorlagen aus den Archiven, was auch immer?

Was sehe und was höre ich da.

Das kann ich nicht wissen. Antworten dazu werde ich auch nicht finden können, und wir sind vielleicht längst so weit, dass man hartnäckige Fragen in diese Richtung etwas anstrengend finden könnte.

Dieser Vortrag im Film muss mich dennoch interessieren. Weder Sie noch ich werden auf Dauer alles wegignorieren können, was uns da in dieser Form begegnen wird. Aber ich sehe und höre diesen Film mit einer neuen, mit einer klar 2026er Version der Irritation und der nachhaltigen Unzufriedenheit. Denn die Fragen gehen mir nicht aus dem Kopf.

Ich kann mir daher gut vorstellen, um erneut auf den weiter grassierenden, globalen Trend der Analognostalgie zurückzukommen, dass im Umkehrschluss Live-Veranstaltungen aller Art, bei denen einigermaßen zweifelsfrei alles echt und überprüfbar, anfassbar und gegenwärtig ist, wieder angesagter und entsprechend besser besucht sein werden. Und zwar viel angesagter.

Der Herr Knüwer hat da gerade eine interessante und passende Vorhersage, die ich nicht abwegig finde: „Die Nutzung Generativer KI wird in der Öffentlichkeit zu dem, was mal Fake-Hugo-Boss-Sweathirts oder Fuchsschwänze waren: ein Ausweis sozial niedriger Schichten.

Und zu dem eben erwähnten Globaltrend übrigens hat Herr Montag noch etwas Unterfütterung zu bieten, sehe ich. Inklusive der Verstärkung durch Byung-Chul Han und Hartmut Rosa. Falls Sie sich also beim kurzen Weglegen des Smartphones gerade auf große Namen berufen wollten – bitte sehr. Denn wir legen das Smartphone selbstverständlich nicht einfach nur irgendwie weg. Wir legen es durchdacht weg, in unseren stets bemühten Kreisen.

Und das ist auch gut so.

Ein Aufkleber an einem Stromkasten: Der Struggle so real

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Ein Kommentar

  1. Was mich ewig wurmen wird: Dass ich meine Erkenntnis nicht verbunden mit ihren kulturellen Wurzeln gepostet habe, nämlich dem Moment in der Oper „Hoffmanns Erzählungen“, in denen Hoffmann erkennt, dass er auf eine Maschine hereingefallen ist. Hier in der deutschen Einspielung mit Rudolf Schock, mit der ich aufgewachsen bin.
    „Eine Automat! Ein Automaaaaaaaaat, weh mir!“
    https://youtu.be/nKGzIVcuYJk?si=XLLvTRVAeLsM2VEH&t=2620

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