Carnival is over

Mit Beginn dieser Woche gelte ich nach offizieller Lesart als genesen und arbeitsfähig im strammen Kanzlersinne. Wenn ich auch weiterhin von einem Energie-Tief aus agiere, das seinesgleichen sucht. „Zum Morgen hin nachlassend“, damit beschreibt der Wetterbericht den nächtlichen Schneefall, aber das gilt auch für mich, denke ich schon beim Aufstehen stöhnend auf der Bettkante.

Nicht mehr kurzatmig, überhaupt ohne körperliche Symptome. Nur so, als sei der Akku durch ein Versehen nicht geladen worden. Oder wenn man an altes Blechspielzeug denkt, das man aufziehen konnte und welches dann ratternd und ruckelnd über Tischplatten kreiste – wissen Sie noch, diese letzten paar lahmen Bewegungen, kurz bevor es dann wieder stillstand? Ich fühle mich in etwa so, wie diese letzten Bewegungen damals immer aussahen.

Oder auch: Porträt des Autors als Trommelhase ohne Duracell. Und da steht man dann, in seinem rosafarbenen Plüsch, und fühlt sich seltsam sinnlos.

Etwas mehr Frühlingsbetonung würde dem Jahr jetzt guttun, nehme ich an, und mir sicher auch. Stattdessen schneit es über Norddeutschland erneut, unerbittlich und in Tolstoi-Dimensionen. Stattdessen regnet es, friert es über, matscht und schlammt es über die Wege und kühlt nachts dermaßen ab, Tiefkühlfach nichts dagegen.

Ein Bootssteg mit zugeklappten Sonnenschirmen an der zugefrorenen Außenalster

Ein Bootssteg an der zugefrorenen Außenalster

Verschneite Bootsstege an der Außenalster

Ein Ruderclub an der zugefrorenen Außenalster

„Wir möchten das nun nicht mehr“, aber als Mantra einer Millionenstadt gemurmelt.

Das Gute ist natürlich, dass es sich demnächst von selbst erledigen wird. Frühling wird es schon werden, so viel steht fest. Et hätt noch immer jot jejange, man kann in diesen Tagen auch mal in Richtung Rheinland denken. Da soll es auch etwas wärmer sein, höre ich.

Es ist jedenfalls eine vergleichsweise okaye Problemkategorie, sich über die Jahreszeiten, das Wetter und die Auswirkungen auf den Energiehaushalt zu beklagen.

Davon abgesehen: Carnival is over. Auch wenn wir hier wie immer sowieso nichts davon gemerkt haben. Dennoch habe ich passende Musik zum Anlass, The Seekers mit der letzten Aufführung des Klassikers auf ihrer Abschiedstournee.

Und zum Vergleich auch noch eine Aufnahme aus der frühen Erfolgszeit des Songs und der Gruppe, aus dem Jahr 1967, also 46 Jahre vor dem ersten Video. Falls man gerade über stattgehabtes Leben, die Zeit, Vergänglichkeit etc. nachdenken möchte, das könnte ja sein.


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2 Kommentare

  1. Thoms Mann schrieb am 18.2.1939 in sein Tagebuch „Halbe Belebungstablette zum Frühstück“ und ich dachte mir heute morgen: Eine halbe nur? Ich hätte gern drei davon. Möge der Belebungsfrühling bald eintreffen.

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