Den Begriff in der Überschrift gibt es gar nicht, den habe ich mir eben ausgedacht. Falls es ihn doch gibt, vielleicht sogar im richtigen Zusammenhang, bin ich ziemlich gut im Ausdenken.
Man kann ihn jedenfalls leicht unterfüttern und mit plausibler Deutung versehen, diesen Term. Etwa so: In einer ersten Welle, in der eine Sprache Begriffe aus einer anderen aufnimmt, werden es meist nur bestimmte Substantive sein. Entscheidende neue Begriffe, die es in der aufnehmenden Sprache bis dahin nicht gab. So kamen z. B. nach dem Zweiten Weltkrieg etliche neue Wörter aus dem Englischen im Deutschen an, durch Besatzungssoldaten, Kino, Songs, Populärkultur etc. Dabei haben wir so etwas wie Care-Paket, Teenager, Jeep, Rock’n’Roll und dergleichen mehr.
Etwas später dann kamen die vielen Begriffe aus der Welt der digitalen Modernisierung, jene Wörter, die man hier zunächst etwas hilflos als Begriffswelt der „Neuen Medien“ zusammenfasste. Also etwa Software, Hardware, Floppy Disk usw., auch die vielen Softwaremarkennamen und die Bezeichnungen und Fachbegriffe aus den Video- und Computer-Games, von Pong (1972) über Leisure Suit Larry (1987) bis heute.
Es kommen in diesem Kontext immer noch Vokabeln dazu, auch solche, die es mühelos und schnell in den allgemeinen Sprachgebrauch schaffen, wie etwa in letzter Zeit Cloud oder AI. Rund um Bürotätigkeiten aller Art entstand eine eigene, besonders mit Anglizismen gesättigte Sprache, in der kurz darauf (second wave) mit den Wörtern mehr gemacht wurde. In der man sie stärker vereinnahmte, in der z. B. immer mehr Verben auch konjugiert wurden.
Es gab also nicht nur ein Update, es wurde upgedatet oder geupdatet. Man drückte nicht nur auf Reset, man hat etwas resettet. Aber auch Adjektive und andere Wortformen wurden und werden in die deutsche Grammatik eingebettet, etwas wirkte auf einmal fresher und cooler usw. Längst sind es Selbstverständlichkeiten für uns alle.
Ich habe nun keine linguistischen Fachkenntnisse, denke aber, dass sich diese Entwicklung so wiederholt und belegen lässt, von der Ausbreitung des Lateinischen in die damaligen Nachbarsprachen bis heute.
Bis zur Third Wave, in der sich die Sprachen weiter und immer enger, unauflösbar mischen. In der die morphologische Integration der Fremdvokabeln, wie man es wohl hoffentlich korrekt nennt, also weiter fortschreitet.
Diese hat sich nun, wenn ich das richtig recherchiert habe, seit etwa fünf Jahren stark beschleunigt, wenn es um die Integration des Englischen ins Deutsche geht. Meinem Empfinden und meiner Erinnerung entspricht das in etwa, aus meiner Sicht kommt das hin. Ungefähr seit dieser Zeit fällt es mir vor allem beruflich stärker auf.
Diese Entwicklung bringt mich in eine merkwürdige Position – aber nicht nur mich, vermutlich meine Generation. Wir haben bei der zweiten Welle noch kräftig mitgemischt, wir haben sie ausdrücklich befeuert und sicherlich entscheidend vorangetrieben, wir fallen jetzt aber schnell zurück. Sicherlich in vielen Fällen unerwartet schnell.
Es gibt Third-Wave-Formulierungen, und es werden mit hoher Geschwindigkeit mehr, die uns, also mir und meinen benachbarten Jahrgängen, kategorisch und dauerhaft fremd bleiben. Die wir, und das ist wohl entscheidend, nicht selbst benutzen würden. Außer in einem ironischen Sinne, mit distanzierenden Anführungszeichen, die wir entweder tippen oder beim Reden mit süffisanter Mimik in die Luft zeichnen.

Formulierungen sind es, die wir also in etwa so wahrnehmen, wie unsere Eltern die zweite Welle damals wahrgenommen haben. Mit genau diesem Gesichtsausdruck, mit dem sie damals zum ersten Mal etwas angewidert „Floppy Disk“ oder „Dongle“ wiederholt haben, weil es ihrem Beruf auf einmal dazugehörte, mit diesen Dingern umzugehen.
Ich habe nun gar nichts gegen diese neue Entwicklung, au contraire. Ich betrachte sie eher amüsiert und teils gut unterhalten. Und ich weiß, ich habe da im Prozess eine Rolle gespielt. Wenn auch nur eine winzige Rolle, falls man an das Große und Ganze denkt. Aber doch, ich war dabei, und die schärfsten Kritiker der Elche waren bekanntlich früher selber welche.
Es ist also keine ätzende Kritik, wenn ich auf diese Formulierungen sehe, wenn ich sie mir notiere und sammele. Es ist einfach Interesse. Jedenfalls habe ich gerade eine Weile nur aus Spaß in Podcasts und Meetings etc. die Anglizismen mitgeschrieben, die ich der so von mir definierten Third Wave zuordne. Was ich also vor allem daran festmache, dass ich sie nicht benutzen würde.
Ich bin daher das Messgerät. Ich weiß aber sicher, dass es viele, viele in meinem Alter ganz ähnlich wahrnehmen würden. Es sind also eher wir das Messgerät.
Alles das, was wir eher witzig und sketch-tauglich, nicht aber alltagstauglich finden, was wir in einem Comedy-Programm verwenden könnten, während andere, etwa auch meine Söhne, es schon berechtigt für allgemeinen Sprachgebrauch halten und auch so verwenden, das ist für mich Third Wave.
Nur für die Zwecke der Chronologie und aus Interesse an dieser Entwicklung, nicht aus konservativer, krückstockfuchtelnder Ablehnung, hier eine vollkommen beliebige Liste von Formulierungen, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind. Auf die der oben beschriebene Indikator zutrifft, die ich so nicht verwenden würde, auch fast nicht verwenden könnte, ohne zu lachen.
Beginnend mit einem Wort, das mir in letzter Zeit bemerkenswert häufig begegnet, mit dem ich vielleicht sogar besonders connected bin:
Ich habe mit dem connected
Das ist so connected, das kann man nicht trennen
Ich muss mich wieder mit meinen Bedürfnissen connecten
Der Roboter connected sich automatisch mit seiner Ladestation
Wir connecten euch alle bei unterschiedlichen Events
Dieser Mantel fühlt sich cozyger als der andere an
Wir haben zu diesem Thema damals Folgendes predicted
Die Audience hat unterschiedliche Meinungen entwickelt
Jeder hat seine eigene Audience
Wenn wir hier schon so delusional sind
Ich habe gestern ein neues Gastro-Highlight gespottet
Ich würde gerne etwas deeper gehen mit dir
Die Firma hat gerade ein Update announced
Da bin ich nicht so passionate für
Jetzt mal ein Spell-Out für die Hörerinnen
Den Code kann man da rauscopyandpasten
Ich bin hier gechillt in meiner Home Base
Das Produkt sellt doch an eine andere Zielgruppe
Das klingt nach einem Banger, der mich catcht
Ich kann das hier nicht alles revealen
Ich habe Dein Verhalten als harmful empfunden
Bevor wir uns mit negativen Gedanken obsessen
Unsere Interessen sind nicht aligned
Man muss doch zum Arzt gehen, wenn etwas wrong ist
Ich glaube allerdings, meine Sammelleidenschaft ist hiermit noch gar nicht satisfied.
Mit anderen Worten: More to come, from time to time.

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Damit kann ich gut relaten!
Es hört sich alles an, als ob meine Söhne sprechen. Daher: ich kann damit auch relaten.
Unbedingt gehört auch „literally“ mit auf die Liste.