Nur eine kleine Anmerkung zu diesem Monat, dem danach und dem übernächsten

Wie ein Amateur, der mit diesem Leben immer noch nicht recht umzugehen weiß, fragte ich mich im Laufe dieser Woche, was denn eigentlich mit mir los sei. Dieser fehlende Schwung, diese spürbare Eintrübung der Laune schon am frühen Vormittag. Diese geradezu albern anmutende Wehleidigkeit gegenüber der winterlichen milden Kälte da draußen, die so schlimm nun auch wieder nicht ist. Dazu noch dieses allgemeine Gefühl der Hinfälligkeit und die sich manchmal generalisiert anfühlende Unlust, die interessierte Teilnahme an den Freundeskreisen Dysphorie und Anhedonie.

Dann fiel es mir aber noch rechtzeitig wieder ein: Januar, Februar, März. Da war doch etwas.

Etwas, das sich jedes Jahr nahezu unweigerlich wiederholt, mit bisher wenigen Ausnahmen im Lebenslauf. Irgendwo müssen Tiefpunkte nun einmal hin und in gleichmäßiger Form kommt wohl niemand von uns durch so ein handelsübliches Jahr. Man kurvt vielmehr durch die Monate, mal besser und schwungvoller, mal schlechter und schwergängig.

Well, here we go again. Auch das ist übrigens ein Aspekt, bei dem ich jetzt schon gespannt bin, wie man diese Phase als Rentner erlebt. Wenn man sich aus dem Winterblues heraus nicht mehr zwingend zu den mit Dringlichkeit geforderten beruflichen Heldentaten aufraffen muss. Wenn man endlich nicht mehr zur Unzeit irgendwelche Projekte, Challenges oder was auch immer starten muss. Wenn sämtliche Extrameilen endlich zur road not taken werden können. Da bin ich ungeplant schon wieder bei Robert Frost, der schon vom Namen her so gut in diesen Monat passt.

Wenn man in dieser Phase des Jahres statt all dieser Bemühungen also einfach mal zwei, drei Romane mit 500 Seiten oder mehr durchlesen könnte, stoisch auf dem Sofa verweilend, mit dem Rücken zur Welt. Wenn man doch endlich einmal mit Dostojewski anfangen oder, was weiß ich, den Moby Dick noch ein zweites Mal lesen könnte. Vielleicht zumindest die guten Stellen. Wenn man die Rühmkorf-Gedichte in Ruhe nachlesen und auch die Werke von Karl Krolow wieder durchblättern könnte, so etwas. Es wird einem schon etwas einfallen, nicht wahr?

Mir zumindest. Ich bin nicht bei allzu vielen Fragen bis auf den Grund optimistisch, bei dieser bin ich aber doch recht sicher und entsprechend erwartungsfroh. Und ich werde dann nach Möglichkeit berichten, versteht sich. Es hat allerdings noch rund sieben Jahre Zeit bis dahin. Zumindest nach meinem jetzigen Kenntnisstand, das muss man auch gleich mit Vorsicht einschränken.

Nach den glaubwürdigen Zeugenaussagen sämtlicher Kolleginnen und Kollegen, die dies schon vor mir erlebt haben, sind sie aber auch gleich um, diese sieben Jahre. Sind sie im Handumdrehen vorbei. Man wacht eines Morgens auf und es ist plötzlich vollbracht, man kann es sich dann nicht recht erklären. Man weiß nicht, wie das mehrere Jahre gewesen sein können, so heißt es immer. Es wird sicher zum Umstand passen, dass der eine Sohn schon erwachsen ist, dem Alter nach. Was ebenso seltsam ist und eigentlich kaum glaubwürdig.

Währenddessen haben wir alle immerhin schon den 24. Januar erreicht. Den haben wir also fast schon verbraucht, erledigt und durchgebracht, diesen Monat. Danach nur noch eben die vollkommen erwartbare Februarverelendung durchmachen, dann kann man im März schon wieder ansatzweise vorwärtsorientiert denken und fühlen.

Wenn bis dahin alles gut und so wie fast immer geht.

Wobei mir das Tanzvideo von dem Herrn Palmquist zu Alexandra Streliskis Burnout-Fugue wieder einfällt, ich mag es immer noch. Es kam hier vor Jahren schon einmal vor, und lustigerweise passt die Kulisse jetzt hervorragend zum neuen Standort des Brotberufbüros in der Hamburger Hafencity. Es hat sich hier etwas zum Video hin entwickelt.

Und Streliski, überhaupt wahr, die kann man auch einmal wieder hören.

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