Die Wetter-App sagte ansonsten am Sonnabendmorgen: „Gefühlt minus zehn.“ Das hieß in der Langform: „Gefühlt gehst du da lieber nicht raus“. Außerdem hieß es auch „Gefühlt bleiben die Fenster geschlossen“, sowie „Gefühlt sind wir hier in Alaska oder was.“
Dennoch bin ich selbstverständlich pflichtgemäß und den Schrittzählerdurchschnittswert weiter fleißig optimierend mehrfach spazieren gegangen. Überhaupt habe ich alles, auch den Haushalt, die Einkäufe usw., mit einem gedachten, großgeschriebenen Dennoch davor gemacht, wie es im Alltag öfter vorkommt. Wie ich zu sagen pflege: Die protestantische Arbeitsethik erreicht Stellen im Hirn, da kommt bloße Motivation gar nicht hin.
In der Hafencity wollte ich mir am Nachmittag das Edelkaufhaus neben dem neuen Rieseneinkaufszentrum ansehen. Wo aber eine Luxusversion von Kaffeeausschank im Erdgeschoss von Menschen belagert wurde, die dermaßen albern nach einerseits niveaulos zur Schau gestelltem Neureichtum, andererseits aber nach äußerst durchdachten Old-Money-Inszenierungen aussahen, dass ich mir von der Wirklichkeit wieder einigermaßen veralbert vorkam. Und doch lieber abbog und erneut Häuser und Eis fotografieren ging.


Während die gefühlte Temperatur in der Stadt und besonders in der zugigen Hafencity noch weiter sank. Die mir entgegenkommenden Passanten wirkten immer öfter seltsam kompakt, hals- und händelos. Weil man alles, was nur möglich war, in die rettenden Tiefen der Winterjacken zog und dabei auch die Schultern den Ohren immer weiter annäherte.
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Es gibt auch Weiteres vom Ausgeh-Revival und von den damit verbundenen Bemerknissen in der Gastronomie zu berichten. So habe ich etwa beim abendlichen Spaziergang mit neu gewecktem Interesse gesehen, dass es nach einer weiteren Neueröffnung auf der stadtbekannten Ausgehmeile hier um die Ecke nun in jeweils fast unmittelbarer Nachbarschaft die Restaurants Gao, Goa und Gaia gibt. Ich scherze nicht.

Man denkt im Vorbeigehen unwillkürlich über die möglichen Namen der nächsten Neueröffnungen nach, nicht wahr. Was geht da noch, wie setzt man diese Reihe sinnig fort. Und man stellt sich vielleicht auch am Rande vor, wie viele Treffen in dieser Straße nun gar nicht mehr oder nur noch deutlich erschwert zustande kommen. Weil die verabredeten Parteien in jeweils unterschiedlichen Etablissements sitzen. Wo sie ungeduldig werdend ab und zu auf die Uhren oder Smartphones sehen und dabei allerdings nur meinen, sich den Namen des Lokals bei der Planung der Verabredung genau genug gemerkt zu haben.
Im Goa auf Godot warten, der aber im Gao sitzt. Mit Blick auf das Gaia, in dem noch weitere Personen warten: Das ist dann unser Beckett 2026. Eine betont offene Inszenierung, an der zweifellos zahlreiche Laien spielfreudig teilnehmen werden.
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Goya fehlt noch – spanische Tapas vielleicht ?
… und in den drei Lokalen läuft das gleiche Musikstreaming und alle hören (Lady) GaGa…
Über Gaia und Gao kann ich nix sagen – das Goa ist aber eine gute Adresse für indisches Essen. Zumindest wars in den beiden Standpunkte in der Hafencity und in den Stadthöfen jeweils sehr gut.