Mit Links in die Woche

Sie werden es mitbekommen haben, dass in Deutschland gerade konservative Politik gegen das Recht auf Teilzeit gemacht wird. Auf wiederum beklagenswert dürftigem Niveau, was die Argumentation und die Ableitung betrifft, und vermutlich auch von falschen Zahlen ausgehend. Aber gut, wer wird da überhaupt noch Erwartungen haben.

Sprachlich interessant fand ich die Verwendung des Begriffs „Lifestyle“ im Sinne einer Abwertung. Denn es geht da um Menschen, die aus vermeintlich nicht zwingenden Gründen, sondern „nur“ wegen ihres Lifestyles in Teilzeit arbeiten möchten.

Der Lifestyle scheint also eben nicht zwingend zu sein, sondern ist eher eine freiwillige Ausrichtung des Wollens und Wirkens. So wie man etwa auch Lifestyle-Konservativer werden kann. Man muss gar nicht so sein, man kann es aber, obwohl es doch vielleicht der Gesellschaft schadet.

Wie auch immer, ich wollte nur eben erwähnen, dass die Begriffsgeschichte von „Lifestyle“ vielleicht Überraschungen enthält. Denn man landet, wer hätte es gewusst, bei Alfred Adler und Max Weber, wenn man einmal nachlesen möchte.

Der Anleger Rabenstraße, dahinter die teils gefrorene Alster

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Wir haben währenddessen einen Staatsbürger in Vollzeit mehr und nahezu alle Scherze und Pointen, die mir dazu einfallen, klingen seltsam verbraucht und übermäßig durchgenudelt. Vielleicht reicht ein schlichtes „Herzlich willkommen!“ auch vollkommen aus.

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Gesehen habe ich auf arte diese Doku über „Bettie Page – Godmother of Striptease“ (von ihren Schwierigkeiten mit psychischen Krankheiten und religiösen Exzessen wusste ich bisher nichts) und diese über „David Bowie – der letzte Akt“. Die ich dann an einigen Stellen unerwartet rührend fand, etwa bei der Geschichte seines Glastonbury-Auftritts im Jahr 2000. Schlimm.

Außerdem sah ich noch diese Sendung über das Werk der Coen-Brüder: „Eine amerikanische Geschichte“ (ich könnte auch zwei, drei Filme von ihnen nachholen, die mir bisher entgangen sind, merkte ich dabei) und dann noch diese über James Dean. In der mir erstaunlich viel neu war, das war überraschend. Schließlich, und Sie merken, ich arbeitete da entschlossen etwas ab, aber es war immerhin eine Arbeit, die mich entspannt hat, noch diese Doku über Chuck Berry und diese über Hildegard Knef.

Es sind aber immer noch weitere arte-Links bei mir übrig, ich fühle mich dort also nach wie vor bestens bedient. Guter Sender, gerne wieder. Bitte diese Einrichtung nicht wegsparen, ich werde sonst ernsthaft ungehalten und muss wieder demonstrieren gehen, Petitionen unterschreiben und all das. Sehr lästig!

Eine einsame Bank am Alsterufer, Aussicht auf die Eisfläche

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Beim SWR-Kultur hörte ich die Folge über den Song „Fade to Grey“ von Visage, aus der Reihe „Erklär mir Pop“. Schließlich habe ich damals das Album besessen und also auch etwa tausendmal gehört. In jenen mausgrauen Zeiten vor dem Streaming, wir hatten ja nichts. Dass mir der Song aber heute professoral in der Feuilletonsparte im Radio feierlich erläutert wird – man hat es sich als junger Mensch auch eher nicht so vorgestellt.

Ein Kalenderblatt für den Freundeskreis Buch habe ich noch nebenbei gehört: „Wolf Jobst Siedler – ein großer Verleger mit Makeln“. Nur 5 Minuten, so etwas passt locker zwischen zwei To-Dos.

Überhaupt nicht irgendwo dazwischen passt dagegen eine ausgesprochen anspruchsvolle Sendung aus dem „Philosophischen Radio“ beim WDR mit dem Theologen Gregor Taxacher: Ist der Tod das Ende? 56 Minuten. Der Titel klingt vermutlich wenig einladend, es ist aber keine reine Religionssendung, sondern eine philosophische, anspruchsvolle und auch anregende Auseinandersetzung mit dem Thema. Ich habe da ausgesprochen gerne zugehört, man muss sich aber wahrhaftig konzentrieren dabei. Wenn es etwa um Formen der „asketischen Eschatologie“ geht, dies war z. B. eine besonders faszinierende Stelle für mich.

Aber warum sollte man sich nicht einmal konzentrieren müssen. Wir können es doch noch, können wir nicht? (Der Autor bemüht sich an dieser Stelle um einen nicht zu deutenden Gesichtsausdruck.)

Ein Bootssteg im Eis, ein Segelboot unter eine Plane

Ich hatte neulich hier ein Video mit Erich Fromm. Beim Betrachten auf YouTube sah ich dann auch eines mit Viktor Frankl. Von dem ich Bücher kenne, zu dem ich bisher aber ebenfalls kein Gesicht und keine Stimme im Kopf hatte – jetzt aber. Vielleicht ist es auch für andere eine Entdeckung, die ihn einmal gelesen haben. Der oben erwähnte Alfred Adler taucht im Clip als Erwähnung auch wieder auf.

Ich finde, Frankl bleibt doch interessant mit seinen Statements zum Sinn und zu anderem: „Erst dort ist der Mensch ganz Mensch, wo er sich selbst übersieht …“

Eine ungeheuer unzeitgemäße Ansicht ist es wohl.

Man beachte bitte am Rande den heute absurd wirken Aspekt, dass beim Vorlesen der Zuschriften aus dem Publikum manchmal der volle Name und die Wohnanschrift (!) der Absender genannt werden. Auch das wirkt mittlerweile so, als müsse es hundert Jahre oder mehr her sein. Es war eine andere Welt.

Hier noch einmal Viktor Frankl, in etwas aufgewühlterer Stimmung. Mein oben gewähltes Zitat von ihm wird hier noch einmal verdeutlicht.

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Ein Kommentar

  1. Ach, das freut mich ja immer, wenn jemandem Viktor Frankl über den Weg läuft und der oder die etwas mit ihm und seinen Ansichten anfangen kann!
    Auch die gesamte Vortragsart und Sprechweise ist ja äußerst unzeitgemäß. Die Inhalte um so zeitgemäßer.

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