Dünnes Eis

Vorweg ein Dank für die Zusendung von, wie sagt man das, Betriebsmaterialien. Die sich nicht eben fotogen geben und daher ohne Abbildung verbleiben – es standen bestimmte Minen für Schreibgeräte auf dem Wunschzettel. Ganz herzlichen Dank! Man fühlt sich immer wohler, wenn Vorrat da ist. Preppen für Chronisten sozusagen.

***

Der Hamburger Wetterbericht ist währenddessen offiziell aus dem Wintermodus heraus und endlich wieder im Normalbereich angekommen. Ich zitiere: „Regen, Nieselregen oder einzelne Schauer möglich.“ Das ist nah dran an der All-Time-Favorite-Formulierung: „Zwischen den Regenfällen einzelne Schauer“.

Und so ist es auch tatsächlich. Ich höre seit vielen Stunden gleichmäßiges und enorm schlafförderndes Tröpfeln und Rauschen von den Dachfenstern her, welches sich mit dem zuverlässigen Rauschen der Heizung dergestalt verbindet, als würde ich zwischen zwei lieblichen Bächlein im gestern erwähnten Zeitalter der Romantik wohnen.

You may now serve the Heimatgefühle.

Der Schnee wurde durch den sportlichen Temperatursprung binnen Stunden vollständig aus dem Stadtbild entfernt. Ein Besuch war dieser Schnee, der entschieden zu lange geblieben ist, man weint dem hier also nicht nach. Nur auf einigen Gewässern liegt noch eine hauchdünne, mitunter fast schon durchsichtig wirkende Eisschicht, die in einem aparten Hellblaugrau gehalten ist. Hier und da sieht sie ein wenig wie eine edle Glasabdeckung aus, die sorgsam über das Wasser geschoben wurde. Aber so teuer, porzellanfein und zerbrechlich wirkt sie dabei, diese Edel-Verschalung, dass man sie sicher nur an Sonntagen und „für gut“ benutzen möchte.

Mit anderen Worten, am Montag wird es sich mit dem Eis ebenfalls erledigt haben. Und wir werden auch damit gut klarkommen.

***

Apropos Klarkommen. Womit Sie rechnen müssen, das sind Unregelmäßigkeiten im Blogbetrieb in dieser Woche. Aus brotberuflichen sowie anderen organisatorischen Gründen ist in den nächsten paar Tagen einiges anders als sonst. Und ich bin da empfindlich, reagiere also eventuell unangemessen verschreckt und daher zeitlich entgleisend. Bitte keine Suchtrupps aussenden, wenn hier etwas fehlen sollte. Ich treibe dann nur Nebendinge, wie es bei Heinrich Mann damals im Professor Unrat so oft hieß.

Da ich das aber andererseits jetzt so angekündigt habe, sind die Chancen soeben wieder gestiegen, dass alles doch normal und wie immer läuft. Man muss seine Renitenz nämlich nur richtig zähmen, etwas seelisches Aikido betreiben, dann kann man sie auch nutzen. Alte Regel!

Und halten Sie es nicht für einen Scherz, denn es funktioniert erwiesenermaßen.

Das mit der Jahreskarte in der Kunsthalle ist ein eng verwandtes Tricksen. Mit dem ich mich in diesem Fall durch selbstgemachten, eher milden Druck vor die Tür und hin zur Kultur befördere. Und da auch das zu wirken scheint, überlege ich noch, ob sich auf diese Art nicht noch mehr machen lässt.

Die alte Kunsthalle und der Platz davor

Wobei ich mit der Zentralbibliothek, in der ich ebenfalls ein Jahresabo habe, dem jederzeit kostenlos zugänglichen Hauptbahnhof und der Kunsthalle fast direkt vor meiner Haustür eine beachtliche Anordnung von drei wichtigen Instanzen in jeweils großen oder riesigen Gebäuden zur täglichen Besichtigung habe: Bücher, Menschen und Kunst. Wäre ich hier in einem größeren Medium, bei SPON oder ähnlichem, ich müsste es sicher schmissiger ausdrücken, etwa „Medien, Massen und Malerei“. Immer an die Schlagzeilen denken.

Die Zentralbibliothek und Gleise am Hauptbahnhof, bei Dunkelheit aufgenommen

Das kommt mir jedenfalls gerade gut eingerichtet vor. Und wenn ich mutig weiterdenke – fast direkt an dieses Event-Ensemble anschließend liegen noch mindestens zwei Theater, ein Kino und ein weiteres Museum.

Da geht noch was.

In dem weiteren Museum gibt es Design und gerade erwähnte ich die Bibliothek, da wirft mir die Assoziationsmaschine noch eben einen Song aus, der beides in besonders schönen Lyrics fast bizarr passend verbindet: Tiny Ruins mit „School of design“.

***

Sie können hier Geld in die virtuelle Version des Hutes werfen, herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch. Die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert