Kleinkunstwerke des misslingenden Alltags

Der Mittwoch war noch einmal ein Tag mit besonderer Problemverdichtung. Welche erneut eine alte Regel bewiesen hat: Manchmal kommt es so dick, dass es schon wieder lustig ist. Nicht auf die gute Art, versteht sich, aber eben doch irgendwie lustig, wie man fast unwillig erkennt. Etwa so, dass in Romanen etwas stehen würde wie: „Er lachte bitter, während er die Szene verließ.“

Man erkennt sich also als unheldenhafte Sketch-Figur. Und hat zwar als nichtreligiöser Mensch dabei keine Ahnung von der Urheberschaft an diesem Kleinkunstwerk des misslingenden Alltags, man kann die Mühe, die sich da jemand im Zusammensuchen und Aneinanderreihen der Desaster gibt, aber doch zumindest am Rande anerkennen.

So in etwa.

Davon abgesehen wurde Sohn I gestern neunzehn. Es ist korrekt, die Angabe ist verlässlich, wir haben das nachgerechnet.

Wir fanden eine unerwartete, uns beide überraschende Verbindung. Denn wir gehören, ohne je darüber gesprochen zu haben, zu den Menschen, welche die Band „Das Bierbeben“ kennen. Die laut Wikipedia dem Elektropunk zuzurechnen ist. Zu Elektropunk fällt mir sonst rein gar nicht ein, dem Sohn sicher deutlich mehr, jedem sein Fachgebiet.

Aber er kennt eine der Sängerinnen und ich weiß immerhin, dass die Band einmal Hannes Wader gecovert hat, und zwar sehr gelungen: „Du träumst von alten Zeiten“. Auf einem hier vor Jahren schon einmal empfohlenen Album „Salut an Hannes Wader“.

So fand sich das zusammen, und wir freuten uns beide über lustige Querverbindungen bei Musikinteressierten. Über Genregrenzen hinweg, wie es sich bei guten Geschichten gehört.

Passend zu Elektropunk hier noch eben ein Bild aus dem Karoviertel, im Vorbeigehen mitgenommen. Als ich im schnellen Durchmarsch etwas anderes suchte und nur Dinge, Motive und Läden fand, die gar nicht auf dem Plan standen.

Ein Grafitti: Randalieren statt resignieren!

Fern aller Contenance ist man dort, wie zu sehen ist. Andere sind also schon weiter. Andere haben gewisse Milestones, wie wir im Büro sagen, längst passiert und abgehakt. Es ist nicht so, dass ich das unterstützen würde. Ich bilde hier nur etwas ab, versteht sich.

Wobei ich in der jetzigen Lage aber auch nicht ausschließen würde, ganz allgemein gesprochen, dass ich mir in meiner Lebensspanne (die Statistik billigt mir noch achtzehn Jahre zu) noch irgendwann Gedanken zur Eskalationsbereitschaft werde machen müssen.

Denn die Zeiten, sie scheinen so zu sein. Aber wie auch immer, eine Eskalationsstufe nach der anderen. Zum Randalieren kommen wir dann später.

Oder – noch besser – doch nicht.

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