Zweierlei

Dann wartete ich wieder auf etwas, aber diesmal deutlich freudiger als beim Ausharren wegen des Paketdienstes. Denn es gab noch einmal eine gelungene Aktion aus der Blog-Camarilla: Der Herr Fischer von Hmbl, um seinen vollen Adelstitel zu nennen, brachte aus dem fernen Südelbien einen Plattenspieler mit Zubehör für den sehr begeisterten Sohn I zu uns. Für den erwartungsfreudigen Sohn, der bisher nur Platten, aber noch kein Abspielgerät besaß. Und das ist ja auf Dauer kein Zustand.

Hier wird es auch drüben im Blog erwähnt, mit Kulturtippbestätigung.

Eine gute Gelegenheit war das auch, kurz gedanklich etwas zu prüfen. Die Jahre und Jahrzehnte der Bloggerei durchzugehen und zum Gegencheck auch den Rest des Lebens davor und daneben abzugleichen. Was dann das vollkommen eindeutige Ergebnis brachte: Es gab in meinem Leben kein anderes Netzwerk, welches mir auf etlichen Ebenen auch nur annähernd so viele Gelegenheiten zur Freude gebracht hat, so viele Freunde und gute Kontakte auch.

Keine andere Szene, kein anderer Kontext – und man ist doch in einigen, während man so vor sich hin altert – kommt da noch mit.

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In überhaupt keiner Verbindung zum ersten Teil dieses Eintrags möchte ich kurz noch eine gewisse Trendahnung benennen, die mich gerade beunruhigt. Denn ich habe etwas gesehen, von dem ich zwar noch hoffe, dass es nur ein Einzelfall war, bei dem ich aber schlimme Befürchtungen habe.

Wieder war es ein Anblick im Hauptbahnhof, wie so oft. Da laufen eben jeden Tag eine halbe Million Menschen durch, und dann immer noch einer, nämlich ich. Man kann die Fülle und das Treiben dort belastend, gefährlich oder einfach furchtbar finden (aktueller NDR-Bericht mit schrecklich unangenehmen Bildern von überfüllten Gleisen hier). Ich zumindest kann es dort aber auch unterhaltend und lehrreich finden.

Denn die Gesellschaft, die ich oft bloggend beobachte, sie läuft da in kompakter Form und auch noch jederzeit verfügbar in nächster Nachbarschaft für mich zur Ansicht herum. Wie praktisch ist das denn.

Was aber sah ich diesmal dort: ein kleines Rudel Menschen, vergnügt beieinanderstehend. Auf diese Art herumstehend, bei der man schon aus einiger Entfernung erkennt, dass Alkohol im Spiel ist. Vielleicht auch viel davon. Die Stimmen alle etwas zu laut, das Lachen etwas zu kreischend. Das Im-Weg-Stehen und das körperbetonte, ausgelassene Herumalbern etwas zu offensichtlich. Dazu ein Bollerwagen mit blinkender Leuchtdeko. Außerdem hatten die Menschen dieses Rudels ähnliche Sachen an, sie waren also irgendwie mottoverbunden. Da meint man, gleich zuverlässig Bescheid zu wissen, es muss ein Junggesellenabschied sein. Oder das Pendant für die Braut.

Neonleuchtherzen als Deko in einem Baum am Hamburger Berg

Neonherzen an der Reeperbahn

Also eine Ausdrucksform von „sturztrunken randalieren und fremde Menschen belästigen, aber für Erwachsene und ohne Fußballverbindung“. Man erkennt an der Art, wie routiniert viele Menschen diese Spaßtruppen in den Fußgängerzonen etc. weiträumig umkurven, wie beliebt sie allgemein sind.

Es war dann aber gar kein Junggesellenabschied. Wie einem mitgeführten Schild zu entnehmen war, das ich im Vorbeigehen las, es war es vielmehr ein Fall von, ich ändere eben den Namen, bleibe aber nahe dran: „Klausi hört auf“.  Und die Teilnehmenden waren größtenteils auch eher im passenden Alter für Silberhochzeiten, nicht in dem für das erstmalige Heiraten.

Eine lustig eskalierende Verrentungsprozession war es. Denn Klausi hört nicht sang- und klanglos auf, oh nein.

Ein Neonschriftzug: Bar

Ein Neonschriftzug: Smoking

Das aber hat gerade noch gefehlt, dass daraus nun ein Trend wird. Bei fast zwanzig Millionen Boomern, die bis 2036 noch in Rente gehen werden. Wenn die sich alle noch einmal mit dem ganzen Kolleginnenkreis öffentlich die Kante geben und dabei johlend durch die Innenstädte ziehen …

Nun, sehen wir es wieder bemüht positiv: Dann fallen die Junggesellenabschiede gar nicht mehr so unangenehm auf. Immerhin. Wie neulich bereits festgestellt, nicht jedes Immerhin lässt einen jubeln.

Am Ende ist es aber erneut ein Fall für ein Bibelzitat. Am Ende habe ich es womöglich zu spät bemerkt, und es ist gar nicht neu, sondern in Wahrheit längst ein Trend. Es findet schon überall so statt. Und es gilt dann also jetzt schon und erneut Hiob 3, Vers 25. Auch für unchristliche Menschen wie mich ist es eine enorm anschlussfähige Stelle:

„Denn was ich gefürchtet habe, ist über mich gekommen, und wovor mir graute, hat mich getroffen.“

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2 Kommentare

  1. Ich revanchiere mich für den immer wieder lesenswerten Blog mit einem Kulturtipp für Sohn I. Sollte es ihn einmal ins ferne Südelbien ziehen, ist ein Besuch im Isovinyl in Buxtehude (Westfleth 17) unbedingt anzuraten. Dort gibt es für den Liebhaber von Vinyl viel zu entdecken – und eine Tasse Kaffee oder Darjeeling auch. Zuverlässig offen am Freitag und Sonnabend, ansonsten gilt: Auf ist ab und zu. Vgl. https://www.ndr.de/kultur/musik/vinyl-in-buxtehude-einen-kaffee-in-plattenladen,vinyl-106.html

  2. Mal was anderes, wann ist denn dein letzter Arbeitstag? Eins will ja vorbereitet sein #FediMarch #MaxHörtAuf

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