Allmählich werde ich mir unheimlich, denn ich war schon wieder in Sachen Kultur unterwegs. Wenn es mit dem Pensum so weitergeht, werde ich mir selbst einen Preis für meine Strebsamkeit verleihen, etwa eine Theaterkarte oder dergleichen. Denn Bemühungen sollen sich auch lohnen, versteht sich.
Ich habe einen Termin wahrgenommen, der zeitlich wieder etwas schwierig ist, denn er findet nur jeweils einmal im Monat statt. Und zwar zu einer Uhrzeit, die für Berufstätige problematisch ist: An jedem ersten Mittwoch im Monat, nachmittags um 15 Uhr, gibt es historische Führungen durch das denkmalgeschützte Hotel Reichshof. Das liegt hier um die Ecke, direkt gegenüber vom Hauptbahnhof.
Es hat eine Lounge, in die ich gerne und öfter gehe, für ein wenig Grand-Hotel-Gefühl im Alltag. Eine Bar ist da, gleich wenn man hereinkommt, ein besesselter Lounge-Bereich auch und dazu ein gewisses Retro-Flair mit Noten von Jugendstil, Art-Déco und dem kulturellen Klima der Zwanziger des letzten Jahrhunderts.


Für einen Moment des Main-Character-Feelings ist das stets ein guter, ein sogar sehr guter Ort. Und schon das Fahrstuhlschild erfreut mich zuverlässig immer wieder.

Die Führung dauert etwa eine Stunde. Es doziert ein Urgestein der Hamburger Hotelszene, der schon in etlichen Häusern gearbeitet hat, als Concierge etc. So ein Mensch, Herr Zahn heißt er, bei dem man nach fünf Minuten weiß, dass er aus dem Stand Erzählungen für mindestens zwei Bände Hotelgeschichten liefern könnte. Der auch ein paar gepflegte Absätze mit Heinz-Erhard-Anmutung in seine Berichte einbaut, und zwar recht gekonnt.
Für neun Euro bekommt man also durchaus etwas geboten.
Nach der Führung weiß man zu schätzen, was vom Mobiliar alles echt ist, was noch original ist – und wenig ist es nicht. Man kann auch die alte Nutzungsstruktur wieder erahnen und man weiß, wo die Nazis (also die erste Version dieser Bande) damals getagt und getafelt haben.
Man hat dann auch erklärt bekommen, warum es ein seltsames Buntglasfenster gibt, auf dem „Ein Volk, ein Reich“ steht, die dritte Wortgruppe aber fehlt. Und auch immer gefehlt hat.





Man weiß, dass die bestens erhaltene Bar 1910 noch älter ist als gedacht, da sie aus einem amerikanischen Diner, vermutlich in New York, komplett übernommen wurde. Bei der Übernahme war sie aber auch schon etwas älter. Umso erstaunlicher, dass es noch die Barhocker von damals gibt.



Und man hat, das wird einigen auch wichtig sein, mir eher nicht, das berühmte Auto-Silo gesehen. In dem die Fahrzeuge der Gäste lange Zeit (bis 2014) von einer gabelstaplerähnlichen Lift-Vorrichtung weggestapelt und schubladisiert wurden. Eine Parkhaus-Einrichtungsidee, die man damals ebenfalls aus den USA übernommen hat, eine ziemlich einmalige Angelegenheit.

Nicht mehr in Betrieb, aber man hat ja Fantasie.
Es ist also interessant für Menschen mit Bezug zu: Hotellerie, Geschichte, Jugendstil, Automobilität, Typographie, Interieurs und auch Stadtgeschichten.
Allein schon der Begriff „Mokkadiele“ – es wird einem doch ganz warm ums Herz, wird es nicht?

Anmeldung unter E-Mail sales@hamburg-reichshof.com. Man trifft sich in der Lobby, dann wird es museal und unterhaltsam. Mir hat es gefallen, ich gehe da eventuell jetzt noch lieber hin.
Und so soll es ja sein.
Hier noch zwei Links mit Medienberichten zum Thema und mit besseren Bildern zum Autosilo: Morgenpost und Kunstflaneur.

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