Woanders – Der Wirtschaftsteil

Kurz bevor das Arbeitsjahr für die meisten Leserinnen enden wird, noch einmal ein Blick auf das, was wir da eigentlich tun. Also nicht wir, sondern wir alle, die wir irgendwas arbeiten, also mehrheitlich sogar angestellt arbeiten.

Wer mit der Hierarchie im Unternehmen unzufrieden ist, kann im Abteilungsmeeting einmal den Begriff “laterale Führung” fallen lassen und anschließend diskutieren, wie modern man im Haus eigentlich mit der Entscheidungsfindung umgeht. Oder man erzählt beiläufig von dieser Firma hier, die Vorgesetzte einfach mal abgeschafft hat. Das regt doch sicher zu Spekulationen an – wie würde sich der X in so einem Fall verhalten, was wäre die Y ohne ihre Machtbefugnisse? Das ist in jeder Firma interessant. Auch in Konzernen übrigens, wobei die FAZ die Lockerungsversuche bei z.B. Daimler recht kritisch sieht.

Nach den Vorgaben der  modernen Führung arbeiten Menschen etwa auf der zweiten Führungsebene viel selbständiger, sie haben mehr Kontrolle über ihren Arbeitsbereich. Wenn man das noch zeitgemäßer denkt, haben sie -wie alle anderen im Unternehmen auch – natürlich zusätzlich die Kontrolle über ihre Arbeitszeit und, warum nicht, wenn man schon dabei ist, auch über ihren Arbeitsort. Und dann? Dann arbeiten sie immer mehr (was vermutlich so auch für Freiberufler gilt). Nanu! Man beachte da auch die  altmodisch wirkende Schlussfolgerung im letzten Absatz: “Wahrscheinlich brauchen wir Gesetze …”

Wir haben da übrigens bereits Gesetze, etwa das allseits beliebte Arbeitszeitgesetz. Das hatte eine Weile lang einen ziemlich schlechten Ruf, weil es den neoliberal dynamisierten Topleistern im Weg war, es wird aber gerade wieder interessant. Denn man fragt sich doch immer öfter, ob zwischen völligem Wildwest und “Samstag gehört Vati mir” nicht vielleicht irgendein Zwischenweg liegt, der flexibler ist, der in die Zeit passt, der zu modernen Arbeitsweisen passt?

Wobei es sich lohnt, bei Diskussionen um Arbeitszeit, Mehrarbeit und Lebensarbeitszeit zwischendurch historisch zu werden und ganz vorne, etwa bei Luther und dem Allmenderaub anzufangen. Ein sehr erhellender Artikel. Und wie weit muss überhaupt man in der Historie zurückgehen, um wieder auf Begriffe wie “Diener” und Knecht” in Wirtschaftsartikeln zu stoßen? Gar nicht, das ist die Gegenwart (von der Sklaverei ganz zu schweigen, versteht sich).

Aber wo wir gerade mitten in der besinnlichen Zeit sind, da könnte der Sinn an sich auch einmal wieder eine größere Rolle in unseren Gedanken spielen.  Und so aus dem Urlaub heraus denkt es sich eh am besten über die Arbeit nach. Hat die überhaupt Sinn?

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Woanders – der Wirtschaftsteil

Eine Ausgabe zum Thema Konsum, das passt gut in die Weihnachtszeit. Es geht aber mit Arbeit los, auch das passt natürlich, während viele schon die Tage vor dem Weihnachtsurlaub zählen. Und zwar mit ein paar etwas radikaleren Gedanken von Robert Wringham zum Bezug zwischen Arbeit und Konsum. Das werden die wenigsten anwendbar finden, aber vielleicht ist es ein wenig Nachdenken wert, wieviel Arbeits- und damit Lebenszeit man in seinen Konsum investiert. Hier noch ein Blogartikel, in dem der Konsumwunsch als etwas vorkommt, das einen gefangen hält. Auch die Kommentare dazu sind interessant, man stößt auf die Gedanken, die vermutlich alle umtreiben, die über Konsum nachdenken.

Wer seine Ansprüche nach solchem Nachdenken tatsächlich herunterschraubt, der kauft vielleicht gebrauchte Ware, die ist günstiger und sinnvoller. Aber wenn das Gebrauchte dann schick ist, weil man doch wieder einem Trend folgt, gehört man plötzlich zu den Vintage-Fans. Im Freitag denkt ein Kulturwissenschaftler über Flohmarkt-Apps und über den Used-Look nach, übrigens mit einem besonders schönen letzten Satz.

Auch das Sharing könnte man als Versuch werten, den Konsum zu reduzieren. Vielleicht geht es dabei aber um das Gegenteil, dazu noch ein Artikel aus der Zeit.

In jedem dieser Texte bisher kommt das Wort Zufriedenheit vor, das fällt auf. Da kann man philosophisch werden und diese Zufriedenheit mit oder ohne Konsum hinterfragen. Und zwischen Bedürfnis und Begehrnis differenzieren. “Es gibt, was den Konsum angeht, ein richtiges Leben im Falschen.”

Andererseits muss man aber nicht immer über Philosophie und Moral reden, wenn es beim Konsum doch um handfeste Probleme geht. Es erzeugt eben nicht nur großartiges Wirtschaftswachstum, wenn wir etwas kaufen. Es löst auch Komplikationen aus, die wir immer noch allzu gerne übersehen.

Und weil wir das gerne übersehen, denkt man hier und da über Regelungen nach, die etwas korrigieren sollen. Etwa in Schweden, wo Steuern auf Reparaturen gesenkt werden.

Es ist Zufall, dass dahinter ein Link aus Dänemark passt, noch ein skandinavisches Beispiel also. Da geht es um abgelaufenes Essen, ein interessantes Konzept mit auch noch wohltätiger Ausrichtung.Könnte das auch hier funktionieren?

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Woanders – Der Wirtschaftsteil

Eine etwas experimentelle Ausgabe, wir testen einen anderen Themenmix. Das kann gerne kommentiert werden, es ist nur ein Versuch.

Als diese Kolumne vor mittlerweile drei Jahren anfing, gab es noch keine thematische Festlegung pro Woche, sondern in jeder Woche einen bunten Mix aus Links zu etlichen Themen. Das haben wir irgendwann umgestellt, um ein spezielles Thema jeweils umfassender und etwas tiefschürfender darzustellen, wie z.B. den Lobbyismus in der letzten Woche. Aber das hat auch Nachteile. So veralten z.B. viele Links, bevor das jeweilige Thema “reif” genug ist, um eine Ausgabe zu füllen. Ein anderer Nachteil besteht sicher darin, dass einzelne Ausgaben Teile des Publikums rundum nicht interessieren.

In dieser Woche stellen wir versuchsweise einmal wieder auf aktuelle, aber eben auch bunt gemischte Links um – die aus unserer Sicht interessantesten Texte der letzten Woche zu den typischen Themen dieser Kolumne. Also zu nachhaltiger Wirtschaft, Sinnfindung im wirtschaftlichen Handeln, Umwelt, Sozialpolitik, Gerechtigkeit, Kapitalismus, Neoliberalismus, Gemeinwohl, Landwirtschaft, Ernährung, Verkehr, Stadtentwicklung usw.

Das sind Themen, die typischerweise nicht von denen vertreten werden, die gerade politisch weltweit im Aufwind sind. Weswegen wir auch mit einem Text zu Trump beginnen. Es ist ein ungewöhnlicher Text, weil er eine neue Perspektive ins Spiel bringt: Trump aus dramaturgischer Sicht. “Warum am Ende vielleicht doch noch alles gut wird.” Wer sich für Sinnfindung in der Wirtschaftspolitik interessiert, wird das vielleicht mit Gewinn lesen.

Mit einem noch viel deutlicherem Bezug zur Wirtschaftspolitik schreibt Nils Markwardt über die Freiheit, genauer sogar über verschiedene Freiheiten.

Und damit genug vom großen Ganzen, sehen wir uns einige Detailaspekte an. Vielleicht ist der erste Link da auch überraschend. Alle Welt redet nämlich von selbstfahrenden Autos, aber hier geht es um autonome Schiffe. Warum auch nicht.

Um noch kurz beim Verkehr zu bleiben, Don Dahlmann erklärt die Details zu den gefälschten Verbrauchswerten von PKWs etwas genauer, als man es auf den meisten Nachrichtenseiten finden kann. Mit Lösungsvorschlag, wie realistisch auch immer.

Dann machen wir das Verkehrswesen noch eben komplett, es gibt auch Neuigkeiten beim Zugverkehr – gecrowdfundete Züge. Nanu! Mit ziemlich erstaunlichen Neuerungen, wie etwa den Themen-Abteilen.

Originelle Ideen sind hier immer willkommen, jetzt mehr denn je, wo sich neuerdings so viele für die Richtung Rückwärts interessieren. Vorwärts bleibt einfach spannender. Hier geht es um ein Abomodel für Kleidung, in dem man die Rohstoffe nach dem Tragen irgendwann wieder zurückgibt. Dabei kann man noch einen anderen Aspekt aus Konsumentensicht betonen, in der SZ geht es zunächst eher um den Preis für die Neuanschaffung.

Noch ein Themenwechsel, beim Standard gibt es einen Artikel, in dem das Miteinander in der Stadtplanung betont wird, da geht es um den Menschen, der auf das Teilen angewiesen ist und das auch in der urbanen Zukunft so leben muss, denn “wir sind eine soziale Spezies.” Auch wenn es einem manchmal nicht so vorkommt. Sehr deutlich formuliert das auch der Architekt Daniel Libeskind: “Soziale Gerechtigkeit und Gleichheit sind nicht nur intellektuelle Ideen, sie müssen sich in der Art und Weise niederschlagen, wie Städte Bautätigkeit planen.” Im letzten Absatz dieses Interviews begegnet uns übrigens unvermutet Trump wieder, womit sich der Kreis dann für diese Woche erst einmal fast geschlossen hat.

Aber eine Meldung zum bedingungslosen Grundeinkommen hängen wir doch  noch eben an – es lässt nämlich aufmerken, wenn jetzt Konzernchefs das Wort in den Mund nehmen.

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Woanders – Der Wirtschaftsteil

In verschiedenen Meldungen konnte man gerade lesen, dass Donald Trump auch Lobbyisten in die Regierung berufen wird, wir sehen uns den seltsamen Beruf in dieser Woche einmal etwas näher an. Angefangen bei Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften, man muss nämlich etwas auf der Hut sein, wenn es um Lobbyismus geht. Der kommt vielleicht dezent und getarnt daher (runterscrollen, der Text beginnt etwas weiter unten).

Das Thema taucht natürlich auch dort auf, wo es nicht sofort vermutet wird, etwa in der Schule. Und wenn man dann genauer hinsieht, wird einem eventuell ganz anders “Nur drei von 210 befragten Jugendlichen waren sich bewusst, dass ArbeitnehmerInnen auch Rechte haben.” Kann denn überhaupt Bildung dabei herauskommen, wenn Konzerne bilden? Man kann zu den Verfahren der Industrie an Schulen hier auch etwas hören.

In der Zeit wird man praktisch und gibt ein paar Tipps zur Aufdeckung von Tarnvereinen, hinter denen eventuell große Konzerne mit eindeutigen Interessen stecken, die sich nicht gerade am Gemeinwohl orientieren, wie sie oft vorgeben. Und ganz praktisch kann man hier auch nachsehen, wo die Lobbyisten residieren, dann wird das Phänomen noch etwas weniger abstrakt.

Da ging es bei der Zeit vorhin auch um Zucker, dazu noch etwas mehr bei Deutschlandradio Wissen.

Aber man muss nicht immer nur an die klassischen Kandidaten für Lobbyismus denken, Zucker, Tabak, Erdöl (oder Biosprit!), Atomkraft, Alkohol etc., es geht auch wesentlich moderner, man kommt aber wohl nicht sofort darauf. Hier eine Meldung zu den Lobby-Methoden von Airbnb.

Wenn das Thema interessiert: Man findet aktuelle Informationen auch bei Lobbycontrol. In den gängigen Medien kommen “Lobbyisten” oft als pauschal beschriebene politische Spielfiguren vor, deutlich seltener ihre Methoden, ihre Ziele und ihre Erfolge.

Zum Schluss aber noch ein erholsamer Link zu einem völlig anderen Thema, eine Einladung zur Reflexion über die Kombination Erfolg und Zufall. Warum hat man erreicht, was man erreicht hat? Durch Leistung, durch Fügung, wie mischt sich das? Dazu ein längerer Text im Freitag.

GLS Bank mit Sinn

Woanders – Mit Elphie, Stuttgart, Arroganz und anderem

Kiki hat den passenden Comic zur Elphie, wie man das neue Ding in Hamburg jetzt unbedingt nennen muss, weil es alle so schön ärgert. Touristen kann man auch erklären, dass Elphie die Kurzform von Elphriede ist, das ist nämlich ein ausgesprochen schöner Name für ein Konzerthaus.

Hier gab es eine Besprechung zu meiner Lesung in Stuttgart – von Benjamin, zehn Jahre alt.

Ein Text über Arroganz und Klassenkampf. Kann man ja mal drüber nachdenken. Mache ich jedenfalls, machen viele, mit unterschiedlichen Ergebnissen, das wird gerade in Blogs und Medien mit teils wüsten Pauschalisierungen und mitunter ziemlich tief fliegenden Prämissen diskutiert.

Ich kann aber so viele Artikel lesen, wie ich nur will, nehmen wir hier noch den geschätzten Christian Fischer, kommt gerade rein, aber erleuchtet fühle ich mich dennoch nicht, obwohl ich vielem zustimme. Aber ich stehe nicht auf und weiß Bescheid, ich weiß die richtigen Antworten immer noch nicht und fühle mich gerade etwas orientierungslos im Durchrauschen der Kommentare. Das ganze Elend lässt einen mit dem Gefühl zurück, etwas tun zu müssen, das scheinen viele zu denken. Aber wie und was – nun ja. Weiter denken. Und erst einmal weitermachen, das auch. Das unbedingt.

Siehe zur aktuellen Diskussionskultur auch bei Frau Meike. Man kommt wirklich aus dem Grübeln gar nicht mehr heraus. Und trotz aller Weisheit sehen wir uns ratlos.

Aber irgendwie ist es auch schön zu sehen, wie überall die Köpfe rauchen, das ist ja so falsch nicht. Schön ist z.B. noch diese Formulierung: “Hier spielt die Musik. Da drüben laufen nur Trauermärsche.” Und ansonsten: Was Sven Scholz sagt. Oder hier, was in der taz steht, auch nicht verkehrt.

Und da drüben endet übrigens nach dem Brexit, die Politik lässt einen gerade nicht mehr los, ein deutschsprachiges Blogurgestein. Denn nicht alle machen weiter.

Hillary Clinton singt Cohen. Für so etwas braucht man Sendungen, die ganz und gar frei sind. Hoffentlich gibt es sie weiterhin.

Noch von vor der Wahl, aber immer noch und auch weiterhin lesenswert: “Menschen wählen nicht das, was für sie am besten ist. Sie entscheiden nach ihrem ideologischen Bauchgefühl.”

Ein Nachruf von Margarete Stokowski auf Leonard Cohen, dessen letztes Album man nicht genug empfehlen kann. Also vorausgesetzt, man kann sich beim Hören an irgendwas festhalten, an seiner Liebe oder an Drinks oder Träumen, Erinnerungen, whatever. Meine meistgehörten Musiker sind nun fast alle gestorben, den Punkt erreicht man eben irgendwann, das ist weder ungewöhnlich noch unerwartet, aber es trifft einen doch. Und die letzten, die noch leben, hört man dann mit einem eigenartigen Gefühl. Ich hoffe, Tom Waits geht es gut.

Der Bunker auf dem Heiligengeistfeld wird also wirklich begrünt.

Ein Wirtschaftskrimi: Der Bernsteinboom

Noch einmal Straßenfotografie von André Duhme, da sieht sogar Kiel interessant aus, das kann ich dank meiner engelsgleichen Toleranz auch als Lübecker zugeben. Aber nicht gerne, versteht sich.

Der nächste heiße Lifestyle-Kram: Schönschreibhefte für Erwachsene. Ich bekommen schon bei dem Wort Krämpfe in den Fingern.