Woanders – Mit Hedsch, Helgoland, dem Klassenkampf und anderem

Ein paar schöne Helgolandbilder.

In der NZZ eine Verteidigung der Bildung. Oder eine Werbeschrift für die Bildung. Oder jedenfalls etwas, was man mal kurz mitdenken kann.

Jochen König über den Väterladen in Berlin.

Michael Seemann mit einer neuen Deutung des Klassenkampfes, gewissermaßen jedenfalls. Ich bin mir nicht sicher, ob die Erklärung für die Mehrheit der Rechten taugt, es gibt allerdings auch in meinem Umfeld tatsächlich Menschen, für die das so hinkommt – und zwar exakt so. Auch wieder interessante Kommentare.

Eine weitere Rezension zu “You want it darker” von Leonard Cohen, diesmal in der FAZ, wieder mit einigen neuen Informationen.

Eva trifft einen Trump-Anhänger.

Armin Wolf über Journalismus in den sozialen Medien. Enthält den Satz “Wenn jemand eine Nachricht nicht teilt, ist sie im Kern keine Nachricht”. Und enthält keinen Gedanken zur Finanzierung, aber das ist ja auch nicht immer Aufgabe, schon klar.

Patricia war in einem anderen Stadtteil. Ich habe gerade gestern mit einer Frau aus Nienstedten (das ist eine feine Gegend im Hamburger Westen) gemeinsam festgestellt, dass wir auch auf verschiedenen Planeten wohnen könnte. Es würde sich ähnlich absurd entfernt anfühlen.

Andere Bloggerinnen und ich haben hier etwas zu Büchern und Blogs gesagt.

Was schön war

Als die Herzdame und ich in Berlin waren, haben wir einen Zettel mit Empfehlungen dieser erfahrenen Spezialexpertin abgeklappert, und es sagt vermutlich einiges über unser gemeinsames Arbeitsethos aus, dass wir ihre Empfehlungen einfach alle befolgt haben, von vorne bis hinten. Am letzten Tag, kurz bevor wir in den Zug zurück nach Hamburg stiegen, liefen wir noch durch Berlin-Mitte und absolvierten dort den letzten Besuch. Barcomi’s, das ist eine Location, deren Inhaberin wohl eine Berühmtheit ist, sie hat mehrere Bücher geschrieben etc., in Foodkreisen kennt man sie, soweit ich es verstanden habe. Ich kannte sie nicht, das heißt aber rein gar nichts, ich kenne mich da nicht aus.

Ein schick restauriertes Hinterhaus, irgendwas zwischen Kontorhaus (wie man in Hamburg sagen würde) und Fabrikhof, wirklich attraktiv. Wir konnten draußen sitzen, zwischen schönen bis sehr schönen Menschen, die gerade vom Vorsprechen für irgendwas kamen oder aus New York oder von irgendeinem Deal in einer attraktiven Branche. Falls man ein Klischee von Berlin-Mitte entwickeln möchte, einfach da mal ein, zwei Stunden sitzen und zuhören, das ist zielführend. Man kann in diesem Café, Diner, was auch immer es nun ist, jedenfalls, und das ist wirklich löblich, einen Kuchen-Probier-Teller bestellen, dann erhält man mehrere kleine Stücke. Ist das nicht eine hervorragende Idee? So einfach. So naheliegend. Und ich habe das, soweit ich mich erinnere, noch nie vorher in irgendeinem Café erlebt. Das könnte man meinetwegen sofort überall einführen. Kuchen wie auf Tapas-Platten, von allem etwas, ich fand das sehr überzeugend. Ich meine, man hat ja auch ein gewisses Recherche-Interesse als Tourist, man will doch etwas kennenlernen. Das jedenfalls war schön, ein Kuchenteller mit reichlich Auswahl. Und sehr gutem Kuchen, eh klar, besonders dieses Schoko-Chili-Zeug. Und der New York Cheesecake.

Auf der Toilette des Etablissements steht mit zaghafter Schrift und dünnem Edding eine schüchterne Beschwerde an der Wand, der Höhe nach zu urteilen brav im Sitzen geschrieben: “Alle mainstream!”

Welcher leise Rebell mag da mit bebend vorgeschobener Unterlippe den Stift gezückt haben, um doch einmal irgendwo ein Zeichen zu setzen? Inmitten von Models, Schauspielern, Schriftstellerinnen, Feuilletonlieben der einen oder anderen Art, Businesskaspern und Edel-Expats saß da einer und fühlte sich allein auf dem rechten Weg und ach so außen vor, und so sehr fühlte er das, dass es an die Wand musste, als Protest auf allerdings kleinster denkbarer Flamme. Ungefähr so geistreich, als würde man auf dem Neuen Wall in Hamburg vor den Geschäften stehen und mit schüchtern erhobener Faust “Das ist aber kein Heavy Metal” murmeln, um einmal ganz unvermutet Isabel Bogdan zu zitieren, siehe ihr Buch “Sachen machen”, dort die Wacken-Geschichte.

Laienpsychologisch würden einige vielleicht auch eine enttäuschte Sehnsucht unterstellen, da gehörte womöglich jemand nicht dazu, da gehörte jemand vielleicht nicht zum gepflegten Mainstream, dem es im Barcomi’s ganz offensichtlich saugut geht, und gut angezogen ist er auch, er sitzt bequem und parliert geistreich, er zahlt flotte Preise und wohnt in der Nähe oder in San Francisco, er hat Arbeit und auch sonst keinen Mangel, es ist nicht alles schlecht in diesem Mainstream, wirklich, man könnte auch verstehen, wenn er auf andere anziehend, nicht abschreckend wirkt.

“Alle mainstream!” Ja, Mensch. Rock’n Roll sieht anders aus, wie Rainald Grebe sang, in der Tat. Aber gutes Essen gibt es, gar keine Frage.

 

Ich hatte keinen Edding dabei, ich hätte sonst ein kuchensattes “Begrabt mein Herz an der Biegung des Mainstreams” unter den Klospruch des zaghaften Rebellen geschrieben. Nächstes Mal. Wenn ich es mir dann noch leisten kann.