Woanders – Mit einer Pizzeria, der Elbphilharmonie, Butjadingen und anderem

Senminuten ist ein sehr schöner Titel für einen Artikel, in dem es um Simsalabim und “Da simmer dabei” geht. Das wird allerdings erst logisch, wenn man den Text gelesen hat. Den schon alle Welt verlinkt hat, aber das ist ja kein Grund, ihn hier wegzulassen. Ein sehr schöner Text, wegen so etwas muss man Blogs doch einfach lieben, nicht wahr.

Ein Artikel über die Elbphilharmonie, der erstens den Ausdruck “ondulierende Härte” enthält und sich zweitens so liest, dass man fast Lust bekommt, sich das Ding doch mal näher anzusehen, sogar als Hamburger. Na, erstmal die Massen durchlassen. Steht ja wohl noch eine Weile.

Tellonym war in der Social-Media-Szene das Spielzeug der Woche, da kann man, das ist an sich recht simpel, Leuten anonym etwas schreiben, lesen können das dann aber nur die Betroffenen. Also als ob man jemandem heimlich einen Zettel in den Briefkasten wirft, die Älteren erinnern sich. Das ist natürlich eher sinnlos, gänzlich unnötig, moderner Schnickschnack und tendenziell Zeitverschwendung, ich habe also auch einen Account. Hier. Na gut, in Wahrheit ist es gar nicht sinnlos, weil ich da nämlich schon wirklich wunderbar nette Mitteilungen bekommen und mich darüber geradezu maßlos gefreut habe. Im Rahmen meiner hanseatischen Möglichkeiten, versteht sich. Ganz amüsant auch, wie Teile meiner weltoffenen und entspannten Timelines sich immer sehr ernsthaft mokieren und mit dem Krückstock fuchteln, wenn irgendein neues Online-Spielzeug auftaucht. Ello, Snapchat, was auch immer – da rückt man das Monokel zurecht und guckt erst einmal furchbar streng. Ich sichere mir da immer erst einmal den Account-Namen, es gibt mittlerweile ein wenig weltweite Buddenbohm-Konkurrenz.

Ich hatte die erste Stunde Balboa, nun also tatsächlich ein weiterer Tanz in meinem Programm. Dieser ist, ich schrieb es schon einmal, in überfüllten Ballsälen entstanden, er ist also kategorisch nicht raumgreifend, es war schlicht kein Raum da. Wie man im Video sieht, ist die Tanzhaltung eher aufrecht, besonders im Vergleich zum Lindy-Hop, man ist oben eher eng und statisch, während weiter unten verblüffend viel passiert, die Musik ist ziemlich schnell. Das fühlt sich, TänzerInnen können sich das vielleicht vorstellen, ziemlich großartig an. Balboa gilt als Tanz für Tänzer, nicht für Zuschauer, und da kann man schon nach einer Stunden sagen: Da ist durchaus etwas dran. Das hat was. Nächste Woche also wieder. Wobei ich jetzt Balboa und Lindy-Hop direkt nacheinander habe, da ist das Umschalten gar nicht so einfach. Die Tänze sind schon sehr unterschiedlich. 

Christine Finke über den Blogoholimus. Ich weiß genau, was sie meint, ich weiß, wie sich das anfühlt. Es hängt etwas quer, wenn man ein wichtiges Thema überhaupt nicht im Blog unterbringen kann, zufällig habe ich gerade in diesem Jahr diese Erfahrung auch auf eine ganz neue Art gemacht. Manches ist eben beim besten Willen nicht blogbar, und es fühlt sich manchmal schlicht an wie eine Verdauungsstörung. Das ist nicht schön. Und auch, was sie zu den Kommentaren schreibt, die dann nicht kommen können: Jo. Das ist so. Vermutlich kennt es sogar jeder, der ein paar Jahre lang bloggt.

Dazu noch ein Winterwalzer. Den hatte ich sicher auch schon einmal, aber egal. Wo er doch so schön ist.

Woanders – Mit einer Zeitschrift, Textauswertung, Angst und anderem

Michalis Pantelouris über die Zeitschrift Mare.

Als Mensch, der gerne mal Sachen in Excel zählt, kann ich Distant Reading ziemlich interessant finden.

Ein Artikel über Angststörungen. Man beachte den kleinen Satz mit der Angabe “100 Prozent”. Been there, done that, got the t-shirt.

Zahlen zu Elektroautos in Hamburg. Sehr kleine Zahlen. Man muss sich dazu vielleicht ergänzend vorstellen, wie intensiv z.B. Kinder wie unsere Söhne das Aussterben der Benziner herbeisehnen, weil sie eine Stadt ohne Lärm und Gestank für ziemlich erstrebenswert halten. Sicher sieht die Lage auf den Straßen schon ganz anders aus, wenn sie in das Führerscheinalter kommen. Na, man hofft so vor sich hin.

Aljoscha Brell über Lychen. Von Lychen habe ich noch nie etwas gehört, aber vielleicht sollte man da mal in diesen Gasthof. Oder in den See. Schon der Begriff Flößerstadt ist doch ausgesprochen anziehend.

Ein Text über die Swing-Jugend in Hamburg. Die Herzdame und ich gehören ja zu den Leuten, die an den Schauplätzen von damals wieder Swing tanzen. Die alten und sehr alten Leute, die da ab und zu stehenbleiben und gucken, die haben in ihrer Jugend mittlerweile vermutlich eher Rock’n Roll als Swing getanzt, aber es bleibt doch so eine Tanzerinnerungslinie in der Stadt, wenn man öffentlich und draußen tanzt. Wie mir gerade eine Dame am Rande eines Tanzabends in Planten & Blomen zuflüsterte, als sie sich die Paare ansah: “Das konnte ich auch alles. Mit so Überschlag, wissen Sie? Und ganz schnell. Ach, man kriegt gleich wieder Lust.”

Wo wir schon beim Tanzen sind: Alice und Ellen Kessler werden 80.

Rufus Wainwright singt Shakespeare. Beim ersten Hören fand ich es nicht überzeugend, aber nach zwei, drei Versuchen – was für ein schönes Stück.

It’s a happy thing – Social Dance

Diesen Film habe ich gerade auf Vimeo gefunden, ein paar schöne und absolut zutreffende Statements zum Lindy-Hop.

It’s a happy thing from Sax Film on Vimeo.

Und dann gleich noch einen hinterher, ein Werbeclip der Lindy-Hopper aus Brighton, wo übrigens die Kaltmamsell gerade war, aber in diesem Zusammenhang hier ist Brighton überall. Oder doch zumindest überall, wo es eine Lindy-Hop-Szene mit Kursen und Events gibt.

Brighton Lindyhoppers Promotional Clip from Mathew Keller on Vimeo.

Da fällt auch der Satz “You don’t need a partner”, und das scheint vielen nicht klar zu sein, wie ich in Gesprächen mit Nichttanzenden oft merke. Lindy-Hop ist ein sogenannter Social Dance, es gehört zum geselligen Aspekt, dass man dabei nicht abendelang an seiner Partnerin oder an seinem Partner klebt, sondern ziemlich kategorisch wechselt, sowohl in Kursen als auch auf Partys. Man tanzt also ausdrücklich dauernd mit anderen Menschen, mit großen, kleinen, dicken, alten, jungen, männlichen oder weiblichen Menschen aus woher auch immer. Man lernt sich kennen, man hat Spaß, man ist social, ganz ohne Medien, das geht auch. Und wenn man erst einmal ein paar Grundschritte kann, ist es eine höchst interessante neue Variante des Kennenlernens, sich mit dem ganzen Smalltalk nach ein, zwei Sätzen auf die Tanzfläche zu verlagern. Ich finde es großartig, da hätte ich früher drauf kommen sollen.

Man kann sich auch solo in Kursen anmelden, es ist nur etwas einfacher für alle, wenn man sich zu zweit anmeldet – nicht, um dann zu zweit als Paar zu tanzen, sondern damit das Verhältnis Leader/Follower in den Kursen halbwegs aufgeht. Für den Zweck kann man allerdings auch entfernt bekannte Menschen rekrutieren.

Die Herzdame und ich haben auch beide alleine angefangen, das geht also wirklich. Man muss absolut nicht warten, bis der ehelich oder sonstwie liebend verbundene und möglicherweise vollkommen lustlose Mensch sich endlich dahin prügeln oder nörgeln lässt, man kann einfach machen. Die Szene ist nett, der Tanz ist mit wunderbar albernen Elementen gesegnet, die Musik ist lässig und die Lieder oft auch fortgeschritten albern, wenn man einmal auf die Texte achtet. Man sollte den Gedanken an verkrampfte Anstrengungen aus vormaligen Standard-Latein-Kursen wirklich komplett vergessen, es ist definitiv etwas anderes.

Man kann sich natürlich dennoch auch beim Lindy-Hop anstrengen, man kann Ehrgeiz haben, man kann etwas lernen wollen – aber es ist doch auf einer ganz anderen Schiene. Einfach lässiger. Alberner. Besser. Zumindest für mich.

SWINGLAND from Sophie Teasdale on Vimeo.