Hartpuckern

Das Ihnen vielleicht nicht geläufige Wort in der Überschrift ist das plattdeutsche Wort des Jahres, bitte sehr, hier. Wieder was gelernt! Wenn man es als Verb liest, es könnte auf den ersten Blick auch etwas mit Eishockey zu tun haben, nicht wahr? Eine besonders ruppige Spielweise vielleicht, die gegnerische Mannschaft hat übel hart gepuckert. Und dabei ist doch Hartpuckern so ein schönes Gefühl, wenn es korrekt ausgelöst wird.

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Gleich noch mehr Weiterbildung: Wie Regenwürmer essen. Man kann ja nicht alles wissen. Vielleicht habe ich damals auch ein paar Bände “Was ist was” ausgelassen, so etwas rächt sich.

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Für die GLS Bank habe ich Links zum Thema Kinderarbeit zusammengestellt.

Und wenn wir schon bei Kindern sind – ich finde es ja einigermaßen entmutigend und zermürbend, nein niederschmetterend, dass die Menschheit es ist ein paar tausend Jahren Kulturgeschichte nicht auf die Reihe gekriegt hat, dass so etwas hier generell einfach nicht in Ordnung ist. Niemals und nirgendwo, unter keinen Umständen. Und wenn man dann noch die Begründungen liest – dass man mit so etwas überhaupt noch oder schon wieder durchkommt! Dass man das in einem Staat wie den USA nicht mal eben wegklagen kann, dass die Öffentlichkeit es einfach aushält, dass es so etwas gibt. Grauenvoll.

Nun ja. Der Traum ist aus, hm?

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Ich habe ein neues Montagsproblem, das ein schönes Beispiel dafür ist, wie sich ein Vorteil in einen Nachteil verkehren kann. Seit ich nämlich am Wochenende mehr oder weniger komplett offline und im Garten bin, fühlen sich diese Wochenenden erstaunlich nach Urlaub an, obwohl ich da doch die ganze Zeit arbeite wie ein Irrer. Aber ich bin so weit weg vom Büro, von bezahlter Arbeit, von jedem Computer, von Nachrichten, fast von allem, sagen wir ruhig, es ist Urlaub. Erholung pur ist das also, trotz erheblicher körperlicher Belastung, aber da gab es ja neulich gerade eine schlaue Studie, die noch einmal neu erwiesen hat, dass körperliche Belastung total super und gesundheitsfördernd ist, wenn man sie sich denn freiwillig sucht. Und übrigens nur dann. Vorsicht also bei der Berufswahl! Der Nachteil an diesen Urlaubswochenenden ist jedenfalls, wenn ich am Montagmorgen aufwache, fühle ich mich nach einem ganz gewöhnlichen und handelsüblichen Zweitagewochenende mitten im Jahr jetzt auf einmal wie andere nach drei Wochen Club-Urlaub auf einer Südseeinsel. Genauso schlecht gelaunt, unwillig, unvorbereitet, vom Alltag beleidigt, schon der Wecker, den ich sonst gar nicht brauche, ist eine unfassbare Zumutung, was erlauben Umstände? Wieso, um Gottes Willen, muss ich da jetzt hin? Es ist tatsächlich ein wenig belastend. Man hat aber auch Probleme!

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Überhaupt, das Garten-Update: Wir kommen der Laube, so wie wir sie uns vorstellen, was eine sehr diplomatische Ausdrucksweise für “Die Herzdame will das so” ist, allmählich etwas näher:

Unsere Arbeitsteilung hat sich dabei bisher bewährt, wir teilen ja fast den ganzen Alltag so auf, dass wir uns nicht oder möglichst wenig abstimmen müssen. So auch im Garten, sie innen, ich außen, das ist einfach, das kann sich jeder merken, da läuft man sich nur zufällig über den Weg, das ist beziehungsfreundlich und im Gesamtergebnis ein Knaller. Finden wir jedenfalls.

Sohn II hilft weiterhin oft im Außenbereich, hier beim Bau einer Bank aus Holzresten, wir cyceln nämlich up, wir Überzeugungstäter.

Und es gibt neue Ernten, hier etwa eine ungewohnt stachelige Freilandgurke. Etwas süßer als die gewohnten Salatgurken, sehr gutes Zeug.

Der größte Knaller bleiben aber weiterhin die Zuckererbsen. Heute haben wir zwar auch die ersten Kartoffeln geerntet, gerade genug für ein Abendessen, die waren auch gut – aber geschmacklich sind die Zuckererbsen bisher klar der Jahressieger, da gibt es nichts.

Demnächst reif und also bald im Topf: Dicke Bohnen. Die habe ich zum letzten Mal vor zig Jahren gegessen, das ist auch spannend.

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, dann werden die nächsten drei Meter Staudenbeet, die ich an diesem Wochenende mühsamst freigelegt habe, nachdem sie jahrelang von den Vorpächtern ignoriert wurden, mit frischem Blühzeug eingedeckt. Danke!

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Das bleibt jetzt so

Wie nett: Straßenbilder, die bei Regen sichtbar werden. Die gehen in Hamburg jetzt natürlich nicht mehr, die würde ja nie jemand zu sehen bekommen. Schade.

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Nicht nett: Ein Kommentar zu den Fahrverboten in Hamburg. Das kann man drehen und wenden, wie man nur will, der große Schritt bleibt aus. 

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Supernett: Das haben zwar schon alle geteilt, es ist aber auch tatsächlich schön – dieses Interview mit Judith Holofernes.

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Was aus dem Garten auch besser schmeckt als aus dem Laden: Koriander. Würziger, intensiver. Schwer zu beschreiben. Einfach mehr Kawumm.

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Was ich nicht wusste: Wie wunderschön Erbsen blühen und wie überaus niedlich sie sich mit hundert winzigen Fingerchen am Rankgerüst festhalten. Erbsen mache ich nächstes Jahr wieder, Erbsen sind großartig.

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Und nun wieder zu den Gedichten. Am letzten Maitag noch schnell einen Karl Krolow, und zwar “Neues Wesen”. Da muss man sich den Mai noch einmal zurück auf Anfang denken:

Blau kommt auf

wie Mörikes leiser Harfenton.

Immer wieder

wird das so sein.

Kann man sich schon gar nicht mehr vorstellen, aus der Gluthölle des Hitzemais heraus betrachtet, dass man auf dieses Blau einmal gehofft hat, was?

Die Leute streichen

ihre Häuser an.

Auf die verschiedenen Wände

scheint Sonne.

Jeder erwartet das.

Und was soll ich sagen, wir haben tatsächlich ein Haus angestrichen. Krass, wie Lyrik manchmal hinkommt. Aber dann wird der Krolow sarkastisch:

Frühling, ja du bist’s!

Man kann das nachlesen.

Die grüne Hecke ist ein Zitat

eines unbekannten Dichters.

Die Leute streichen auch

ihre Familien an, die Autos,

die Boote.

Ihr neues Wesen

gefällt allgemein.

Haben Sie es gemerkt? Die frisch angestrichenen Boote, die kamen hier neulich auch vor, es ist nur ein paar Tage her, ein Gedicht als Volltreffer. Aber die Erwartungshaltung dahinter, die hier mit dem Mai verbunden ist, die löst ein Hitzemai natürlich nicht mehr ein. Denn was kann danach noch kommen, wenn die neuen Wesen schon nach kurzer Zeit verdorrt und verstaubt sind? Hochsommer durchgehend bis September? Sind wir hier in Andalusien oder was? Der Mai nach neuer Mode ruiniert unsere Erwartungshaltung, unsere Hoffnungen und vielleicht auch unsere neuen Anstriche, man weiß nicht recht, was einem gefallen soll. Unsere Erwartungen bezogen sich nicht auf Hitze.

Und übrigens, es hat wieder nicht geregnet. Die Luft flimmert über der Wüsten- und Hansestadt Hamburg. Immer mehr Menschen murmeln entschuldigend Offenbarungseide bezüglich ihrer Hirnkapazität, man kann nicht mehr klar denken, die Hitze, die Luft, die Schwüle. Man fühlt sich dumm und durstig, man achtet auch schon gar nicht mehr auf grüne Hecken. Man kann im Grunde nur noch Baströckchen tragen, aber dieses dauernde Geraschel macht einen wahnsinnig. Und der Wetterbericht sagt, das bleibt jetzt so.

Aber wir wollen mal nicht überrascht tun.

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Und damit ist der Mai vorbei – und wie bereiten wir uns nun auf den Juni vor? Mit Musik. Denn Im Juni, da ist das mit dem Mond, das weiß man. Ein Glas auf Rio, das muss schon sein. Prost.

 

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Ich werde hier natürlich niemals Spenderinnen benennen, also außer der bekannten Bloggerin in Berlin, mit der das so abgesprochen ist. Aber doch kurz an die Dame gerichtet, die ganz ausdrücklich für zwei Portionen Freibadpommes gespendet hat: Liebe B., geht klar, das setzen wir genauso um. Und weil anderweitig übrigens die Frage aufkam, ob solche Trinkgelder wie hier auch versteuert werden müssen: Aber hallo.

Falls Sie also nicht nur mir, sondern auch dem Staat etwas Gutes tun wollen, Sie können hier Geld in den nur virtuellen vcorhandenen Hut werfen, ich gebe dann einen Teil davon ab für Brückenbau und Kindergärten. Toll!

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