Ein Hörbuch, ein Buch

Ich habe “Wiener Straße” gehört, Sven Regener liest seinen Roman und natürlich macht er das großartig, wie nicht anders zu erwarten. Äußerst unterhaltsam ist das, ich warne allerdings vor einer Nebenwirkung: Man bekommt beim Hören auch zu völlig unpassenden Tageszeiten Lust auf Bier und Kneipe. Man bekommt ferner Lust, fremde Menschen im Berliner Dialekt grundlos anzupampen und das Wort Grabgabel ohne jeden Sinnzusammenhang mehrfach zu wiederholen. Ich habe es ja nicht so mit Hörbüchern, die funktionieren bei mir so wenig wie Podcasts, aber das hier war großartig.

Ich habe außerdem in “nachts” gelesen, Erzählungen von Mercedes Lauenstein, hier eine Rezension in der Zeit. Das sind Konzepterzählungen, in allen Texten geht es darum, dass eine Frau nachts durch Straßen zieht und dort klingelt, wo zur Unzeit noch Licht brennt. Und dann erfragt, wer da warum noch wach ist, wie und in welchem Zustand, das sind also kleine Schicksalsskizzen, was eben in einen kurzen nächtlichen Besuch passt. Ein hervorragendes Nachttischbuch, besonders für Menschen, die beim Lesen im Bett schnell unmenschlich müde werden, das soll ja ein verbreitetes Leiden sein. Denn die Texte umfassen durchweg jeweils nur ein paar Seiten, da kann man also bequem ein, zwei Szenen schaffen und sich ein wenig Gedanken machen, warum andere nachts wach sind. Vielleicht sieht man aus dem eigene Schlafzimmerfenster auch noch irgendwo Licht brennen da draußen, das ist ein ideales Arrangement zum Einschlafen. Für Sie getestet! Am nächsten Abend muss man sich nicht fragen, wo man beim Wegdämmern den Faden verloren hat, es gibt einfach keinen längeren Faden, das ist auch mal schön. Außerdem sind die Wohnungsbeschreibungen gut, das hat man gar nicht mal so häufig, wenn man mal drauf achtet. Wohnungen sind schwierig, Zeichner kennen das von Händen, die sind auch schwierig. Bestimmt gibt es auch eine Entsprechung in der Musik, aber da kenne ich mich nicht aus.

#reading

Ein Beitrag geteilt von maximilian buddenbohm (@buddenbohm) am

Egal. Jetzt wieder ein Buch über Gemüse lesen (Cora Leroy: “Gemüsesamen selbst gezogen”. Auch interessant!)

Beifang vom 11.09.2017

Und noch ein Interview mit Sven Regener. Es ist jetzt das dritte dieser Art in wenigen Tagen, aber sie sind alle interessant, was soll man machen.

Bei Frau Mutti ist jemand flügge.  

In einer Pizzeria in Strandnähe.

Etwas Klimawandel nebenbei, die Nordsee erwärmt sich schneller als die Ozeane. Aber macht ja alles nichts.

Musikalisch ist mir nach alten Kamellen, das macht die Jahreszeit, das gehört so. Es geht aber noch ganz vergnügt zu, das geht demnächst dann noch weiter abwärts, gar keine Frage.

Beifang vom 01.09.2017

Bei der GLS Bank habe ich fünf Links zur Landwirtschaft zusammengestellt.

In der NZZ geht es um die Fokussierungs-Illusion. Das weiß man im Prinzip alles, man vergisst es nur dauernd.

Die Welt über das “Birding”. Durch die verbindlich geltende Kalauerpflicht in deutschen Redaktionen natürlich mit der Formulierung “Volkssport Vögeln.” 

Sven Regener im Interview über sein neues Buch. Gleich mal vormerken als Herbstlektüre.

Noch so ein Projekt von jungen Großstadtjournalisten über die deutsche Provinz. Da ist meistens irgendetwas dabei, was mich interessiert, aber allmählich wird es auch Zeit für das Umkehrporojekt. Können jetzt bitte gestandene Lokaljorunalisten kurz vor der Verrentung nach Berlin oder Hamburg fahren und sich in den Szenevierteln umsehen? Und darüber auch so befremdet schreiben?

Für die Hamburger LeserInnen: Bei der Elbmelancholie ändert sich etwas.

Ein Artikel über Shirley Collins und alte Lieder. Bitte mal bei dem dort eingebetteten Video von Mississippi Fred McDowell den Absatz darüber lesen und dann auf Play klicken, dann kriegt man den Blues. Und wie. Und das lasse ich dann auch mal so als Musiktipp für heute stehen. 

Nein, lasse ich doch nicht, es ist ja September! Wir können uns kopfüber in die Herbststimmung stürzen.