Zwischendurch gab es gute Nachrichten aus dem Literaturbetrieb, wenn auch etwas indirekt. Aber indirekt, da steht der Literaturbetrieb doch drauf, das macht also nichts.
Zum einen gab es da diesen vieldiskutierten Ausschluss dreier „linksradikaler“ Buchhandlungen vom Buchhandelspreis. Durch einen besonders glücklos agierenden und zudem noch CDU-nahen Politiker, dessen Namen man sich hoffentlich nicht allzu lange wird merken müssen. Das ist eine gute Nachricht, weil sie uns erkennen lässt, dass es also noch Buchhandlungen gibt, die dermaßen links sind, dass Politiker von rechts meinen, vermeintlich trickreich gegen sie vorgehen zu müssen.
Das freut mich, und das weiß ich in den Zeiten des fast globalen Rechtsrucks durchaus zu schätzen. Aber ich notiere dies auch gerade auf einer Bank vor der großen Filiale einer Buchhandelskette in der Innenstadt, in der man sicher auch Bücher von ganz rechts auf großen Tischen attraktiv präsentiert. Wenn sie nur auf den Bestsellerlisten stehen.
Besonders freundliche Grüße daher nach Bremen, Berlin und Göttingen. Interessante Buchhandlungen haben Sie da.

Zum anderen starb António Lobo Antunes (Wikipedia-Link), der portugiesische Schriftsteller und Dauerkandidat für den Nobelpreis („Ich scheiß auf den Nobelpreis“, das war seine Meinung dazu, Quelle hier). Das ist eine gute Nachricht insofern, als es am Sonnabend in Portugal einen Staatstrauertag geben wird, ihn zu ehren. So etwas geht in Portugal, das halte ich für ein sympathisches Detail. Eine eher spezielle, aber doch beachtliche Form der Literaturförderung.
In Deutschland geht so etwas, wenn ich meinen schnellen Recherchen trauen kann, nicht. Schon protokollarisch nicht. Das höchste der Gefühle scheint hier bei vergleichbaren Fällen der pathostrunkene Abgesang durch die Rede eines Bundespräsidenten oder einer zukünftigen Bundespräsidentin bei der Trauerfeier zu sein.
Wem ist das wohl zuletzt widerfahren? Das habe ich sogar richtig erraten, und ich glaube, vielen von Ihnen wird es ähnlich gehen. Denn eine dermaßen ausdrücklich staatlich gewürdigte Bedeutung maß man zuletzt natürlich Günter Grass zu. Gestorben 2015. In der DDR erhielt Anna Seghers 1983 staatliche Würdigungen bei der Trauerfeier. Da rückte noch Honecker mit großem Trupp an, inklusive Gattin, Militär und allem.
Aber einen Staatstrauertag gab und gibt es nicht, weder in Ost noch in West oder in der vereinten Form (freudschen Vertipper gelöscht: „in der verneinten Form“). Auch für Thomas Mann oder Bertolt Brecht gab es das nicht, oder wen auch immer man als Oberberühmtheit und Kanonkönigin aus dem Fachbereich nennen mag. Man müsste erst das Protokoll ändern. Es geht also nicht, und es wird auch nie gehen. Aber Gedenkbriefmarken, die können wir immerhin gerne machen.
Von António Lobo Antunes, der, wie ich staunend lese, seine Texte wohl stets mit Kugelschreibern auf kleinen Notizzetteln verfasste, habe ich bisher nichts gelesen. Ach, diese Lücken, diese entsetzlichen Lücken.
Er wird einer der bedauerlichen Fälle sein, bei denen mich erst die Todesnachricht dazu bringt, mich mit dem Dichter oder der Dichterin zumindest versuchsweise zu befassen. Ich sehe also eben auf seiner Perlentaucherseite nach. Einer der Romane, der mich interessieren könnte, hat den wundersamen Titel: „Welche Pferde sind das, die da werfen ihren Schatten aufs Meer?“
Ins Deutsche übertragen von einer Übersetzerin mit passend fantastischer Alliteration im Namen: Maralde Meyer-Minneman. In dem besonders schönen Vornamen Maralde, den ich noch nie gesehen habe, steckt wohl das althochdeutsche Marah, die Mähre, das Pferd. So eine passende Verbindung zum Buchtitel, man muss es doch hervorheben.

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