Familien-Kanban Teil 2

Das mit den Aufgabenzettelchen, die in unserem familiären Kanban-Raster jetzt auf “Machen” und “Gemacht” verteilt werden, das ist übrigens gar nicht so einfach. Denn es ist ja ein Familiending, also muss auch alles allen verständlich sein. Sonst würden die Kinder sicher nicht allzu lange mitspielen. Die Erwachsenen können da also nicht mit abstrakten Begriffen um sich werfen, so etwas wie “Urlaubsvorbereitung” oder “Umzug planen” kommt eben nicht in Frage (nein, wir ziehen nicht um, wir tauschen nur Zimmer). Wir brauchen ganz konkrete Aufgaben. Auch etwas wie “Wohnung auf Zack bringen” ist schon zu wolkig, aber “Staubsaugen” geht, da kann man einen Staubsauger malen und jeder weiß genau, was gemeint ist. Man muss alles zum konkreten Handeln runterbrechen.

So entstanden unsere ersten Zettelchen, die Großaufgaben wurden in Kleinaufgaben zerlegt, die bildlich darstellbar waren. Boden wischen, Toast kaufen, Kleingeld sortieren, Bücher aufräumen, das bekommt man alles hin. Und dann kam der Moment, wo mich die Söhne fragend ansahen, weil ich nebenbei erwähnt habe, dass ich an dem Tag noch ein paar Stunden arbeiten musste. Und in ihren Augen stand ein deutliches: “Was macht der da eigentlich?” Und wie passt das denn bloß auf einen Zettel? In der Situation wollte ich als nächstes gerade einen Blogeintrag über genau diese Situation schreiben, das überforderte uns dann zeichnerisch aber leider alle vollkommen, das kann hier kein Mensch abbilden, da würden vermutlich auch Comiczeichner erst einmal einen Moment nachdenken.

Was also mache ich eigentlich, wenn ich vorgebe zu arbeiten? Mein indianischer Name wäre Tippeditipp, ich sitze am Schreibtisch und bearbeite die Tasten, warum auch immer und offensichtlich zu jeder Tageszeit. Ich kann die Arbeit im Sinne dieser Familienaktion leider schlecht in Einzelteile zerlegen, weil etwas wie “Kolumne für X” schreiben” zumindest Sohn II noch nicht genug sagt und das auch als Bild nicht recht in Frage kommt. Weswegen mir Sohn I nach etwas Nachdenken kurzentschlossen einfach einen Computer gezeichnet hat, der da jetzt bei mir unter “Machen” an der Wand klebt.Dem Bild entnehme ich übrigens, dass mir hier wohl unterstellt wird, ich würde pausenslos lustige Zeichentrickfilme am Computer gucken. Schlimm.

Kinderzeichnung Computer

Aber da es sich bei der Sache mit dem Computer um eine Arbeit handelt, die prinzipiell niemals fertig ist, könnte man den Zettel da auch in die Wand dübeln, der kann natürlich niemals in den Bereich “Gemacht” wechseln. Das haben die Söhne dann auch verstanden und mich ein wenig mitleidig angesehen, weil bei ihnen unter “Gemacht” schon viel mehr Zettelchen als bei mir zu finden sind.

Sohn I: “Wir können den Zettel mit dem Computer ja ab und zu nach unten zu “Gemacht” hängen, damit das für dich mal gut aussieht. Dann kommst du kurz gucken, freust dich, und dann, was weiß ich, nach zehn Minuten oder so, hängen wir ihn gleich wieder hoch. Sonst machste ja nicht weiter.”

So ein mitfühlendes Kind, ist das nicht wunderbar? Ich freue mich jetzt jedenfalls sehr auf meine zehn Minuten Pause, die mir hier irgendwann in hoffentlich absehbarer Zeit zustehen werden.

 

11 Kommentare

  1. Welch schöner Artikel, und wie schön zu lesen, was Kinder für wunderbare Lehrmeister sind! Da könnten sich viele Softwareentwicklungsteams und Projektleiter ein Beispiel dran nehmen, wenn es drum geht, 1.) die Aufgaben so klar und konkret wie möglich zu formulieren und 2.) geschaffte Arbeit auch zu feiern!

  2. Ts… und ich habe bewußt zuerst das Bildchen angesehen und mir überlegt, was es wohl bedeuten mag, bevor ich den Artikel gelesen habe. Mein Gedanke war: „Vogelkäfig putzen“, weil ich nicht Herrn Buddenbohm mit Partyhütchen sah, sondern einen Vogel, der den Schnabel nach oben streckt. Hm…..

  3. Wie süß und ganz schön schlau! Da fallen mir doch gleich die Zettelchen mit Zeichnungen ein, die unser Sohn damals über seinem Handtuch im Bad kleben hatte: die Reihenfolge der morgentlichen Tätigkeiten wie: Zähne putzen, Anziehen, Frühstücken und Kindergartenbrotdose mitnehmen, weil er die Reihenfolge immer geändert hat: mit Autos spielen, Frühstücken, Brotdose mitnehmen und zum Schluss nach dem Anziehen erst Zähne putzen….oder wie war das noch mal?

  4. Ein wundervoller Motivator, der Herr Sohn.
    Ich unterstelle jetzt mal, dass die Empathie nicht auf das näher rückende Weihnachtsfest zurückzuführen ist … 🙂

    Mein Sohn und ich arbeiten übrigens inzwischen mit To-Do-Listen.
    Langsam fühle ich mich auch nicht mehr wie ein Mafiapate, wenn der Sohn fragt, ob wir noch etwas auf der Todesliste stehen haben …

  5. bitte nochmal eine Skizze oder ein Gesamtfoto – so ganz ist mir die Struktur noch nicht klar und interessiert mich doch zugleich sehr

  6. *Mein indianischer Name wäre Tippeditipp* – mein lieber Herr Buddenbohm, Sohn I erfaßt die Lage formidabel: sie machen wirklich lustige Sachen! Danke fürs Erheitern, Tippeditipp 🙂

  7. Das auf der Zeichnung sind Sie selber, keine Frage.
    Und die Idee mit den 10 Minuten Pause und dann den Zettel wieder hochhängen ist so genial, dass sie nur einem Kind einfallen kann.

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