Kleine Brötchen backen

Hier entstehen gerade ungeahnte Synergien, Sohn II diktiert Sohn I Text – und zwar wie folgt:

“Wir haben Laugenbrötchen gebacken. Die haben super geschmeckt und es war ganz einfach. Sie waren aber alle verschieden groß und eines sah aus wie ein Schiff. Wir fanden, dass sie viel besser als beim Bäcker waren.”

Ergänzt durch die mündliche Ansage: “So, den Rest kannst du dann schreiben, Papa.”

Und das mache ich auch. Laugenbrötchen also, ich nähere mich auf Umwegen dem Brotbacken an, man muss ja auch die Vorhaben einmal umsetzen, die man seit vielen Jahren vor sich herschiebt. Das Rezept für die Laugenbrötchen stand gerade in einem hier herumfliegenden “Für jeden Tag”-Heft, es sah recht simpel aus und schien mir eine nette Wochenendnachmittagsbeschäftigung für den Nachwuchsfoodie Sohn II und mich zu sein. Seine ausgeprägte Food-Affinität wird uns vermutlich immer mit einem Zitat im Gedächtnis bleiben, weil er vor längerer Zeit, da ging er noch in die Kita, einmal auf die Frage nach dem abendlichen Essenswunsch geantwortet hat: “Mir reicht heute eine kleine Käseauswahl, Papa.” Legendäre Sätze, so etwas bleibt.

Und da gestern jemand auf Instagram nach dem Rezept fragte, bitte, das ist hier ja eine serviceorientierte Veranstaltung. Nur schicke Fotos habe ich diesmal nicht, das eine Bildchen aus der Handykamera muss diesmal reichen. Nebenbei erwähnt – eine Leserin wartet auch noch auf das Rezept für Linsen-Kartoffelcurry, das habe ich nicht vergessen, das kommt noch.

Man braucht: 15 g frische Hefe (Tipp für Eltern übrigens – nicht auf die besondere Biologie der Hefe hinweisen, das Backen verzögert sich sonst womöglich wegen intensiver Diskussionen über die Verwendung lebender Zutaten beträchtlich), ½ TL Zucker, 400 g Dinkelmehl Type 630, 20 g weiche Butter, 1 TL Salz, 50 g Natron, Fleur de Sel.

Die Hefe zerkrümeln und mit 200 ml lauwarmem Wasser und Zucker verrühren. Die Hefemischung, das Mehl, die Butter und das Salz mit dem Knethaken verrühren, bis ein glatter Teig dabei herauskommt. Mehr Wasser eventuell ergänzen, wenn das alles noch zu bröselig ist. Die Schüssel mit einem feuchten Tuch abdecken und eine Stunde gehen lassen. Im Rezept heißt es natürlich “an einem warmen Ort”, so heißt es ja immer, und daraus müsste man eigentlich auch einmal einen Kurzgeschichtentitel machen, “An einem warmen Ort”, das müsste doch gehen? Würde auch gut hinter “Sommerhaus, später” passen, aber das nur am Rande. Das Gehenlassen ist jedenfalls sehr spannend für Kinder, hätte sich unter dem Tuch ein vielköpfiges Alien gebildet, der Sohn wäre auch nicht überraschter gewesen als von der magischen Verdoppelung des Teigs.

Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche zu einer Rolle formen und in 12 gleich große Stücke schneiden. Wir sind an “gleich groß” grandios gescheitert, aber wir üben ja auch noch, sowohl Mathe als auch Backen. Aus den Stücken hübsche Brötchen formen – woran wir auch grandios gescheitert sind, egal. Ich habe irgendwie immer Probleme mit gerolltem Essen, ich kann ja auch keine Gnocchi. Dann in einem Topf 1 ½ Liter Wasser mit dem Natron aufkochen. Das Wasser anschließend knapp unter dem Siedepunkt halten (Physik! Ganz nebenbei! Projektorientiertes Lernen!) und die Brötchen nach und nach mit der Schaumkelle etwa zwei Minuten darin baden.

Hinterher abtropfen lassen, kreuzweise einschneiden und mit Salzkrümeln bestreuen. Im Rezept wurden auch Kürbiskerne und Sesam vorgeschlagen, das hielten wir für Schnickschnack, das haben wir nicht gemacht, zumal im nächstbesten Laden ein kleines Tütchen Kürbiskerne 3,70 gekostet hätte, geht’s noch? Preise wie im Drogenhandel?

Im vorgeheizten Ofen bei 220 Grad etwa zwanzig Minuten backen. Dabei kann man prima zusehen, die entwickeln sich schnell, das ist ganz unterhaltsam, wir hingen vor dem Ofen wie andere vor einem Fußballspiel im Fernsehen.

Zack, das waren die besten Laugenbrötchen überhaupt, die machen wir sicher bald wieder so. Außen knusprig, innen fluffig, ganz ohne diese unangenehme Gummikonsistenz, die sie hier fast unweigerlich bei allen Bäckern haben. Vielleicht versuchen wir auch einmal Brezeln? Oder viereckige Brötchen? Dreieckige? Laugenbuchstaben? Da geht noch was.

19 Kommentare

  1. Ich habe mir zweimal das Vergnügen gemacht und beim Vorlesen herzliches Kichern geerntet. Wobei mit Spannung auf den Bericht zum Dreieckbrötchenbacken gelauert wird. Danke.

  2. Vielen Dank für die prompte Umsetzung – und guten Appetit!
    Fotos mit der Herzdame vom Backen sind natürlich weitaus attraktiver. Aber Backwerk ist zum Essen und nicht zum Anschauen!

  3. Worte, die auch nur in Backrezepten vorkommen: Schwer reißend vom Löffel fallen. Genau so schön wie „an einem warmen Ort“

  4. Backe schon länger immer wieder Brot und Brötchen aber an Lauge habe ich mich noch nicht getraut!! Wird demnächst nachgeholt! Danke!!
    Übrigens kann man auch sehr lecker mit Emmer ,dem Urweizen backen!!

  5. Der Chemiker in mir ruft: Wieso Natriumcarbonat? Warum nicht NaOH?
    Das Elternteil: „Oh, ja! Projektorientiertes Lernen!“
    Der Aufräumverantwortliche: „OMG! Die Küche!“
    Der Schwabe sagt: „Schmegge musses – abr arg hell send se scho“

    *Kriegt Hunger und besorgt sich gerade NaOH in der Apotheke*

  6. Bei solchen Rezepten kommt immer mein innerer Rebell raus und will auch sein Recht. Gleichgroß – pah, wie langweilig. Bei uns sieht kein Teilchen aus wie das andere, das ist Kunst, die gegessen werden kann. Egal, ob es nun Brötchen, Kekse oder etwas anderes sind. Zum Glück ist der innere Rebell meiner Kinder der gleichen Meinung.

  7. Hallo.
    Danke für’s teilen. Sehr leckere Brötchen, ich darf sie wieder backen (so die Rückmeldung der Familie). Liebe (Oster-)Grüße gen Norden. Deva

  8. Eben! Wie nicht NaOH? Ich bin verwirrt.
    Herr Buddenbohm, falls Sie Brezn machen, die schmecken, werden Sie mein persönlicher Held. Ich backe Ihnen alles: Semmeln, Brot, Baguette, Streuselkuchen, Zimtschnecken… you name it. Aber Brezn krieg ich nich hin…

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