Ein Text von Maret Buddenbohm, auch bekannt als die Herzdame, die auch nur das tut, worauf sie Lust hat.

Die Söhne mit dem iPad

Für alle, die das Experiment noch einmal von Anfang an lesen möchten bitte hier entlang.

Es ist Mittwoch, Sohn 2 will nicht aufstehen und dreht sich noch einmal um. Später gibt es Ärger, weil ich ihn angeblich nicht geweckt habe.

Sohn 1 hat heute gute Vorsätze und will nach dem Aufstehen nur ganz kurz 5 Minuten „anfordern“ (man bekommt bei manchen Spielen eine Belohnung, wenn man einmal kurz online ist und ein paar Buttons drückt. Verstehen muss man das aber nicht).

Ich erinnere beide Söhne noch mal ans Duschen. Ihnen fällt auch selbst auf, wie lange sie schon nicht mehr geduscht haben und sie wollen auch duschen, aber nur nicht jetzt, lieber abends.

Trotz freundlicher Empfehlungen und regelmäßiger Zeitansage spielt Sohn 1 dann aber doch so lange, bis die Zeit wieder knapp wird.

Sein Freund steht schon vor der Tür, Sohn 1 muss aber noch Zähne putzen. Ich sage ihm, dass er seinen Freund doch nicht warten lassen kann und das Zähneputzen ausfallen lassen soll. Er besteht aber darauf. Braves Kind! Wobei ich mich aber frage, was ist jetzt wichtiger, dem Kind zu vermitteln zuverlässig und pünktlich zu sein oder doch die Körperpflege?

Mir wird bewusst, dass die Kinder in manchen Dingen schon ganz schön selbstständig sein könnten, wenn man nicht ständig reinquatschen würde. Ich habe seit Tagen eigentlich nichts mehr zum Zähneputzen gesagt und frage mich, warum das bis vor kurzem noch so ein Riesenthema bei uns gewesen ist, besonders mit Sohn 2.

Es fällt aber auch auf, was die Kinder alles nicht machen können, in der Zeit, in der sie vor den Medien abhängen. Und wie schwierig es ist davon loszukommen, auch wenn sie gute Vorsätze haben, wie etwa Duschen, Lernen, Kuscheln, Pünktlichkeit. Eigentlich wollen sie ja …

Jetzt meckert Sohn 2, weil er keine lange Unterhose mehr im Schrank hat, denn die hat er nicht zur Schmutzwäsche gelegt hat und ich habe sie also nicht gewaschen. Er will jetzt, dass diese Woche endlich aufhört.

Nachmittags hat Sohn 1 einen Termin, im Anschluss besuchen wir noch einen Freund von mir. Während wir uns unterhalten, spielt Sohn 1 ununterbrochen auf meinem Handy, was ich jetzt aber in Ordnung finde, weil es wirklich langweilig für ihn ist und ich mich in Ruhe unterhalten will.

Um 18 Uhr liefere ich Sohn 1 schnell zu Hause ab und muss dann zum Elternabend. Der Gatte hat auch noch einen Termin außer Haus. Gegen 20 Uhr sind wir beide wieder zu Hause, bis dahin haben die Kinder offenbar durchgehend Youtube-Videos gesehen. Inzwischen haben sie aber wenigstens Bibis beknackte Beauty-Videos komplett durch und schauen Minecraft-Videos. Ob sie was gegessen haben, weiß ich nicht. Sie wollen jedenfalls nicht mitessen und lieber spielen.

Zwischendurch sage ich immer wieder die Zeit an, das interessiert aber niemand, die Kinder spielen weiter. Geduscht ist immer noch niemand, wann auch?

Sohn 2 hat aber immerhin irgendwann sein Lager etwas freigeräumt, das heißt, er hat alles in den Schrank zurück gepfeffert und kann endlich wieder auf dem Fußboden schlafen, wo er sich am wohlsten fühlt. Gegen 21 Uhr liegen sie ohne Essen im Bett, wahrscheinlich haben sie heimlich genascht. Aber immerhin ist Zähneputzen hier überhaupt kein Thema mehr.

Die Wohnung ist insgesamt wesentlich weniger verwüstet, als ich gedacht hätte, sie müsste aber allmählich doch einmal mal geputzt werden. Auch die Küche sieht mittlerweile eher schlimm aus. Ich beschließe aber, dass ich auch nur das mache, worauf ich gerade Lust habe und gehe ins Bett. Bäm! – wie Sohn 2 sagen würde.

Hier noch mal alle Berichte des Experiments:

Einleitung | Tag 1Tag 2 | Tag 3 | Tag 4 | Tag 5Tag 6Tag 7 | Tag 8 | Fazit

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Da die Söhne Hauptfiguren dieser Blogartikelreihe sind, mittlerweile aber schon ziemlich gut mitlesen können und eine genaue Vorstellung davon haben, was sie von sich im Netz lesen wollen und was nicht, werden diese Artikel vor Veröffentlichung mit ihnen besprochen und lektoriert. Auch wenn ich es richtig blöd finde, wenn ein guter Witz von ihnen gestrichen wird und rausfliegt.

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Um der Verdummung durch zu viel digitale Medien entgegen zu wirken – der Sponsor dieser Reihe ist die SZ Familie.