Das Marktgeschehen

Andere machen das mit dem plastikfreien Einkauf übrigens etwas auffälliger als ich, in anderen Blogs gab es dazu selbstverständlich auch schon Aktionen.

Das ist, wie mir etwas spät auffällt, die falsche Woche für dieses Experiment, diese Woche wird feiertagsbedingt gar nicht reichen, dann wird das eben alles verlängert, es soll ja auch etwas ergeben, Erkenntnisse, Verhaltensänderungen, so etwas in der Richtung. Da sicher jede Woche irgendwie falsch wäre, mache ich das einfach dennoch weiter.

Es steht noch aus, die Kommentare zu beantworten, ich werde versuchen, das nach und nach hier unterzubringen. Mehrfach war da z.B. die Rede von Biokisten und anderen Lieferdiensten wie etwa Etepetete, die wir hier auch schon einmal im Blog getestet haben. Warum nutzen wir die nicht? Aus zwei Gründen. Zum einen führen wir, wie gerade auf der Blogfamilia vorgetragen, ein eher langweiliges Leben ohne viele Reisen, Aktionen etc. Dieser eigentlich überschaubare Alltag zeichnet sich aber durch eine terminliche Grundwirrnis aus, d.h. es passiert eigentlich gar nichts, das aber ungeplant und durcheinander. Eltern können das womöglich nachvollziehen? Bezogen auf die Kisten heißt das, ich weiß eher selten, ob ich morgen für zwei oder für acht Personen oder gar nicht kochen muss. Meiner Erfahrung nach waren die Kisten inhaltlich durch die Bank super, aber ich kam mit dem Inhalt nie hin. Zu viel, zu wenig, es hat nie gepasst, ich musste immer weiter einkaufen wie gewohnt, was nützt mir dann die Kiste. Oder es wanderte zu viel Zeug in den Müll, das ging mir dann auch erheblich gegen den Strich. Das gute Biozeug!

Zum anderen habe ich mittlerweile eine prinzipielle Aversion gegen Lieferungen. Ich wohne in der Mitte der Stadt, hier kann man sehr schön beobachten, wie Lieferdienste aller Art in Fahrzeugen aller Art den Verkehr lahmlegen. Unvergessen bleibt im Stadtteil die Schlägerei zweier Paketdienstfahrer auf der Haupteinkaufsstraße, da hing zum Schluss der eine auf der Windschutzscheibe des anderen. Szenen wie aus Hollywood, es ging natürlich um einen Halteplatz, da liegen die Nerven blank. Das ist das eine große Problem bei den Lieferdiensten, sie sind verkehrspolitisch eine falsche Entwicklung. Das andere ist, dass die Lieferung bei uns einfach nicht klappt, wir sind tagsüber nicht zuhause und haben keine wirklich praktische und gut machbare Lösung für andere Lieferadressen. Dieses ganze Lieferwesen ist nach etlichen Versuchen geprägt von “Es hat wieder nicht geklappt” und von “Dann hole ich das mal da ab und schleppe es zu uns”. Wenn ich aber Zeug von irgendwo zu uns schleppen muss, dann kann ich es auch gleich irgendwo im Laden kaufen, das ist Unsinn. Ich bestelle nur noch Sachen, die ich wirklich nicht anders bekomme, quasi wie früher. Und die Hauptmotivation dabei ist gar nicht ölologisch oder grün gedacht, die Hauptmotivation ist der Nervfaktor.

Wenn ein landwirtschaftlicher Erzeuger Waren in die Stadt fährt, dann finde ich es überzeugender, er baut morgens einen Marktstand auf und hundert Menschen kaufen da bei ihm ein, als dass er hundert Menschen einzeln zu beliefern versucht, das kommt mir einfach nicht sinnvoll vor. Wenn ich das Thema Einkauf sozialromantisch betrachte – und warum sollten wir das unter uns Möchtegerngutmenschen nicht tun – dann bin ich ein Marktmensch. Wir brauchen mehr Märkte oder Marktstände, damit das Thema Einkauf und gerade regionaler Einkauf wieder sinnvoller wird. Aber was weiß ich schon. Jemand von der Regionalwert AG könnte dazu aus dem Stand einen erhellenden Vortrag halten, ich nicht.

Ich habe im letzten Halbjahr irgendwo gelesen, dass auch Wochenmärkte mit sinkenden Besucherinnenzahlen zu kämpfen haben – wenig überraschend, aber fatal.

Oh, noch ein Argument, noch einmal Sozialromantik. Tendenziell halte ich die meisten Job, die rund um die Lieferlogistik entstehen, für schlimmer und freudloser als die alten Jobs im Verkauf. Und zwar für wesentlich schlimmer. Auch das hält mich vom Bestellen ab.

Einen Kommentaraspekt halbwegs beantwortet, schon ist die Schreibzeit um, ich fürchte, das werden contentreiche Tage, ich komme tatsächlich gar nicht hinterher. Von gestern erzähle ich dann also später, da gab es immerhin noch Erkenntnisse und auch ein wirklich überraschendes Produkt, welches ich hier ohne jede Werbekooperation lobpreisen möchte. 

Demnächst mehr.