Das bleibt jetzt so

Wie nett: Straßenbilder, die bei Regen sichtbar werden. Die gehen in Hamburg jetzt natürlich nicht mehr, die würde ja nie jemand zu sehen bekommen. Schade.

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Nicht nett: Ein Kommentar zu den Fahrverboten in Hamburg. Das kann man drehen und wenden, wie man nur will, der große Schritt bleibt aus. 

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Supernett: Das haben zwar schon alle geteilt, es ist aber auch tatsächlich schön – dieses Interview mit Judith Holofernes.

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Was aus dem Garten auch besser schmeckt als aus dem Laden: Koriander. Würziger, intensiver. Schwer zu beschreiben. Einfach mehr Kawumm.

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Was ich nicht wusste: Wie wunderschön Erbsen blühen und wie überaus niedlich sie sich mit hundert winzigen Fingerchen am Rankgerüst festhalten. Erbsen mache ich nächstes Jahr wieder, Erbsen sind großartig.

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Und nun wieder zu den Gedichten. Am letzten Maitag noch schnell einen Karl Krolow, und zwar “Neues Wesen”. Da muss man sich den Mai noch einmal zurück auf Anfang denken:

Blau kommt auf

wie Mörikes leiser Harfenton.

Immer wieder

wird das so sein.

Kann man sich schon gar nicht mehr vorstellen, aus der Gluthölle des Hitzemais heraus betrachtet, dass man auf dieses Blau einmal gehofft hat, was?

Die Leute streichen

ihre Häuser an.

Auf die verschiedenen Wände

scheint Sonne.

Jeder erwartet das.

Und was soll ich sagen, wir haben tatsächlich ein Haus angestrichen. Krass, wie Lyrik manchmal hinkommt. Aber dann wird der Krolow sarkastisch:

Frühling, ja du bist’s!

Man kann das nachlesen.

Die grüne Hecke ist ein Zitat

eines unbekannten Dichters.

Die Leute streichen auch

ihre Familien an, die Autos,

die Boote.

Ihr neues Wesen

gefällt allgemein.

Haben Sie es gemerkt? Die frisch angestrichenen Boote, die kamen hier neulich auch vor, es ist nur ein paar Tage her, ein Gedicht als Volltreffer. Aber die Erwartungshaltung dahinter, die hier mit dem Mai verbunden ist, die löst ein Hitzemai natürlich nicht mehr ein. Denn was kann danach noch kommen, wenn die neuen Wesen schon nach kurzer Zeit verdorrt und verstaubt sind? Hochsommer durchgehend bis September? Sind wir hier in Andalusien oder was? Der Mai nach neuer Mode ruiniert unsere Erwartungshaltung, unsere Hoffnungen und vielleicht auch unsere neuen Anstriche, man weiß nicht recht, was einem gefallen soll. Unsere Erwartungen bezogen sich nicht auf Hitze.

Und übrigens, es hat wieder nicht geregnet. Die Luft flimmert über der Wüsten- und Hansestadt Hamburg. Immer mehr Menschen murmeln entschuldigend Offenbarungseide bezüglich ihrer Hirnkapazität, man kann nicht mehr klar denken, die Hitze, die Luft, die Schwüle. Man fühlt sich dumm und durstig, man achtet auch schon gar nicht mehr auf grüne Hecken. Man kann im Grunde nur noch Baströckchen tragen, aber dieses dauernde Geraschel macht einen wahnsinnig. Und der Wetterbericht sagt, das bleibt jetzt so.

Aber wir wollen mal nicht überrascht tun.

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Und damit ist der Mai vorbei – und wie bereiten wir uns nun auf den Juni vor? Mit Musik. Denn Im Juni, da ist das mit dem Mond, das weiß man. Ein Glas auf Rio, das muss schon sein. Prost.

 

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Ich werde hier natürlich niemals Spenderinnen benennen, also außer der bekannten Bloggerin in Berlin, mit der das so abgesprochen ist. Aber doch kurz an die Dame gerichtet, die ganz ausdrücklich für zwei Portionen Freibadpommes gespendet hat: Liebe B., geht klar, das setzen wir genauso um. Und weil anderweitig übrigens die Frage aufkam, ob solche Trinkgelder wie hier auch versteuert werden müssen: Aber hallo.

Falls Sie also nicht nur mir, sondern auch dem Staat etwas Gutes tun wollen, Sie können hier Geld in den nur virtuellen vcorhandenen Hut werfen, ich gebe dann einen Teil davon ab für Brückenbau und Kindergärten. Toll!

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Trinkgeld Mai 2018, Ergebnisbericht

Früher, als es noch Flattr gab, da haben wir ja vom erbloggten Trinkgeld immer Familienausflüge gemacht und dann darüber geschrieben. Jetzt kaufe ich davon Gartenzubehör und Pflanzen, wie angekündigt. Die müssen natürlich zu Geschichten erst heranwachsen, das dauert also etwas. Damit es aber wie gehabt schön transparent bleibt, hier die Einkaufsliste aus dem Mai, die Sie freundlicherweise finanziert haben, wofür ich ebenso herzlich wie überrascht danke:

Zwei Zwergkirschbäume (Regina und Kordia), ein Zwergapfelbaum (Braeburn), eine kleine Reineclaude, zwölf Lavendel, vier Echinacea, zwei Rittersporn, ein Hainsalbei, eine Hochstammjohannisbeere (rot), ein vorgezogener Rettungshokkaido, da den meinen die Schnecken komplett vertilgt haben, fünf Margeriten in dezentem Rosa, ein Kilo Rasensamen, zwanzig Säcke Kompost von der Stadt, sechs vorgezogene Kohlrabi (blau), sechs vorgezogene Erdbeerpflanzen, eine vorgezogene Aubergine, eine rote Schafgarbe sowie eine Staude, bei der ich mich gerade nicht erinnern kann, was es war. Aber ich weiß, wo sie steht, vielleicht macht sie ja bald Blüten, dann fällt es mir wieder ein. Außerdem diverse Packungen mit Wildblumenmischungen.

Ist das toll? Das ist sowas von toll, die Visitenkarten mit “Trinkgeldblogger” sind fast schon bestellt.

Der Rettungshokkaido wurde übrigens explizit von der Spende einer bekannten und vorbildlichen Berliner Bloggerin erworben, es ist jetzt also ein Cammarata-Kürbis. Wenn alles klappt, werde ich einen Ernte-Anteil zu gegebener Zeit persönlich überreichen, man muss sich seine Gründe für Berlinreisen eben vorausschauend basteln. Aber das dauert ja noch etwas. Noch hat er nur drei Blätter und ein massives Schneckenproblem, von Kürbissen keine Spur. Später! Siehe auch Matthäus 7:16.

(Routiniert greift die Leserschaft an dieser Stelle zur Familienbibel, die aus Bildungsgründen selbstverständlich stets in Reichweite liegt, schlägt nach, liest und nickt.)

Noch einmal, vielen Dank für die Trinkgelder. Ich bin geradezu enthusiasmiert, das war für mich ein sehr belebender und erfrischender Monat, trotz der bleiernen Hitze in unserer Wüstenstadt.

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Was aber wird im Juni auf der Garteneinkaufsliste stehen? Einfach hier Trinkgeld in den Hut werfen und es in vier Wochen herausfinden, denn Ende Juni, das ist ja quasi gleich.

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