Die uralte Sonne

Deutschland, so scheint es, wird von einem Verein der Verzagten regiert, der in Sachen Klimaschutz den Mumm verloren hat.

Siehe dazu auch: “Sie schmilzt”.

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Nicht weit weg von dem nun sattsam behandelten Text über Peer und seine sexuellen Vorlieben hat übrigens jemand etwas mit blauer Kreide auf den Boden geschrieben, es ist sicher nur Zufall, dass es farblich exakt zum Peer-Text passt. “Leiharbeit verbieten!” steht da, es sieht eher schnell geschrieben aus, im Gehen kurz innegehalten, schnell gebückt und da kann man es jetzt kurz vor einer Ampel an einer wüst befahrenen Durchfahrtsstraße lesen, und so lange kann man es lesen, bis es in Hamburg einmal regnet, also verdammt lange. Nicht weit weg von diesem Satz ist ein Gebäude, in dem ein deutscher Konzern Räume für eher schlecht bezahlte Mitarbeiterinnen in Uniform gemietet hat, es könnte da einen Zusammenhang geben, muss aber nicht. Die Passanten bleiben nicht stehen, um so etwas zu entziffern, die Passanten gehen da drüber weg, die wollen zum Hauptbahnhof und haben keine Zeit für Fußwegpolitk.

Beim Lesen der Aufforderung fällt mir auf, dass hier im Moment gar nicht viel Politik an den Wänden oder auf den Fußwegen zu finden ist, das war schon eimal mehr. Ich weiß gleich um die Ecke einen Zaunpfeiler, an dem lacht immer noch die uralte Sonne aus der “AKW Nee”-Zeit, das ist schon ein Museumsstück, Kulturgeschichte des Nachkriegswiderstandes. Aber ich will in der nächsten Woche mal genauer hinsehen, was ich noch an den Wänden etc. so finden kann, das ist ja immer auch geschichtsbuchrelevant.

Im Nachbarstadtteil Borgfelde steht an einer Garagenwand ein eher dezentes “Wieso?”, und wenn das eine politische Aussage ist, dann möchte ich mich nach kurzer Sichtung der heutigen Nachrichtenlage vollinhaltlich anschließen. Wieso? Was noch milde ausgedrückt ist.

An einem U-Bahngleis unter dem Hauptbahnhof ist eine Baustelle mit weißem Holz verschalt, große Wandaufsteller, auf denen steht fast nichts drauf, ich habe das Objekt komplett umkreist und gestaunt. Weiße Flächen mitten in der Stadt, wie in einer gated community. Ist das Sicherheitspersonal da neuerdings so gründlich und allzeit bereit? “Tina ist doof” steht da mit Edding immerhin ganz klein in einer Ecke, das ist fast schon wieder rührend. So ein Text, den auch schon die alten Römer an Wänden in dieser Art hinterlassen haben, die Formulierung zieht sich so über mehr als tausend Jahre. Siehe auch: “Wer das liest, ist doof”, was natürlich nicht für diesen Text hier gilt, wer den liest, der ist schlau, schön und karmisch ausgeglichen. Eh klar.

Aber apropos Leiharbeit, man guckt ja heute schon dreimal hin, wenn man so eine Schlagzeile sieht, aber das steht da wirklich, dass sich nämlich Menschen um andere Menschen sorgen, das gibt es also noch und vielleicht malen die da am Ende sogar noch was mit Kreide auf den Boden? Quasi Revolution.

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Ich: “Was hast Du heute noch vor?”

Sohn II: “Tanzen und chillen. Mehr findet nicht statt.”

Nehmen Sie sich bitte ein Beispiel, das Kind wirkte am Abend nach diesem Dialog recht gut gelaunt, das Programm scheint zu wirken. Hier gleich ein paar Tanzschritte für Ratlose:

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, dann freue ich mich, kaufe mir bunte Kreide und dichte auf Fußwegen weiter. Nein, stimmt gar nicht, ich kaufe nur Pflanzen für den Garten davon. Immer ehrlich bleiben!

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