Lernen und lesen

Pflanzen können auch Networking, geben darüber aber keine Workshops. Seid wie Pflanzen!

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Eine interessante Häufung der Vorfälle, gleich dreimal habe ich in der letzten Woche gehört, dass jemand mit der Technik des Fernsehens nicht mehr klar kam, also zwar ein Gerät hat, aber keine rechte Ahnung, wie man damit denn jetzt zu Programmen kommt. Drei völlig verschiedene Menschen, weit auseinanderliegende Altersgruppen. Ich hätte davon auch keine Ahnung, aber ich habe auch keinen Bedarf. Immerhin ist es ein bemerkenswertes Zeichen des Untergangs, diese Ratlosigkeit, da geht gerade etwas über den Jordan. Und machen wir uns nichts vor, wir, die wir noch den Spaß mit der herumgewedelten Zimmerantenne kennen, wir werden für unsere Kinder und Enkel damit zweifellos absurd altertümliche Technik aus dem Museum bedient haben. In einem Land vor ihrer Zeit.

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Ich habe mit Sohn I wieder Mathe gelernt, dann haben wir viel Deutsch und auch noch etwas Englisch gemacht, das dann auch mit Sohn II. Nächste Woche stehen Religion und Bio an, wenn das so weitergeht, mache ich all meine Faulheit und mein enormes Desinteresse zu Schulzeiten auf diese Art wieder wett. Ein perfider Schachzug vom Schicksal, aber es funktioniert. Hätte mir das jemand damals gesagt, dass mich alle Schulthemen in dreißig Jahren in gleich doppelter Intensität wieder einholen werden, ich hätte es sicher für die Horrornachricht schlechthin gehalten. Aber jetzt gerade – ich habe Spaß.

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Das Wiederleseprojekt stockt etwas zur Zeit, was aber kein Problem, sondern ganz im Sinne des Erfinders ist. Denn die wiedergelesenen Bücher sollten ja, wenn es richtig läuft, die besten Bücher aus meiner Sicht sein, wozu ich denn auch Turgenews Väter und Söhne sofort zählen möchte. Und von Büchern dieser Art reichen mir abends ein paar Seiten, dann habe ich schon genug gelesen, um den Rest des Abends darauf herumzudenken (und dabei schnell einzuschlafen, man darf sich das lieber nicht zu geistreich vorstellen). Vollkornlektüre eben.

Nachdem es mir lang Zeit eher egal war, stelle ich jetzt fest, dass mir gut gemachte Bücher, also Buchkunstwerke, doch wieder ziemlich viel Spaß machen. Ein dickes, schön illustriertes Buch in stabilem Einband – dagegen kommt ein E-Book einfach nicht an. Jedenfalls nicht im Herbst, wenn alles irgendwie Gemütlichkeit und Trost und Wärme ausstrahlen soll, was die Schrift auf dem Bildschirm nun einmal nicht kann, die ist immer gleich kalt. Vielleicht sehe ich das im nächsten Frühling schon wieder anders, das mag sein. Auch Kulturgüter wollen eben saisonal passend genossen werden.

Unter dem Turgenew liegt die “Sturmhöhe” von Emily Brontë, das Buch muss dann unbedingt auch noch im Herbst geschafft werden. Herbst mit H wie Heathcliff.

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Übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte. Und zwar pronto.

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