Über die Herkunft

Ich hatte bei den Wanderberichten einmal erwähnt, wie aus meiner Sicht mit der Herkunftsfrage im Alltag umzugehen ist, das war eine Thema, das im Sommer kurz in den sozialen Medien eine Rolle spielte. Und ich schrieb da, dass man Reisende immer fragen darf, wo sie herkommen, aber alle anderen lieber nicht. Ganz einfach. Weil, falls das noch einmal erklärt werden muss, auch der Mensch, der irgendwie vermeintlich so aussieht, als sei er ferner Herkunft, seit zwei oder drei Generationen aus Bochum kommen kann – und wenn das so ist, dann ist die Frage nach der Herkunft natürlich ebenso abwegig wie nervtötend wie ausgrenzend, das kann man sich leicht vorstellen, das kann man leicht lernen und auch anwenden, etwas gute Absicht vorausgesetzt, und die haben wir ja alle.

Wie leicht man dennoch in alte Denkmuster zurückfällt, habe ich bei diesem Grundschulfest gestern gemerkt. Da stand ein kleines Mädchen auf der Bühne, ich werde gleich mal einen neuen Namen für sie erfinden. “Ich bin Lucy, sagte sie, “ und ich komme aus …” woraufhin sie sich vor Aufregung etwas verhaspelte und erst einmal Luft holen musste. Das war nur eine ganz kleine Pause, einige wenige Sekunden, aber ich merkte doch, wie mein vorschnelles Hirn schon einmal passende Länder in den Satz einsortierte, Vietnam oder so, passend zu ihrem Aussehen eben, man glaubt gar nicht, wie schnell das Hirn da sein kann, nach nur einem einzigen Blick. Das Mädchen holte dann noch einmal Anlauf und Luft: “Ich bin Lucy, und ich komme aus der 4b.”

Woher man eben so kommt, wenn man in einer Hamburger Grundschule auf der Bühne steht. Normal. 

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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