Leihhunde und Wanderärzte

Zur Kulturgeschichte des Winters.

***

Zur Situation des norddeutschen Frühlings.

***

Eine Hütte unter dem zweiten L. Das im Artikel erwähnte einzige Album kann man auf Spotify hören, ganz seltsames Zeug. Oder, wie Sohn I sagte: “Was ist das denn nun wieder?”

***

Döblin lesen.

***

Die Haustierfrage halte ich zwar in unserem Fall für prinzipiell unlösbar, es gibt hier aber Menschen im Haushalt, die das anders sehen.

Am nächsten Wochenende haben wir einen Leihhund, mal sehen, was das bewirkt. Also bei den Kindern, bei mir bewirkt das gar nichts, so weit ist es schon klar.

***

Sven hat es neulich schon erwähnt, in Hamburg gibt es bald Moia. Ich komme darauf, weil in der S-Bahn per Plakat Fahrerinnen für den Dienst gesucht werden, ein Job, für den ich sicher eher nicht geeignet bin. Ähnlich wie Sven leuchtet es mir auch nicht recht ein, was das Angebot sein soll, eine Mitte zwischen Bus und Taxi? Also ich verstehe schon, dass es genau das sein soll, aber wo ist denn da der Bedarf? Ich nehme stark an, dass es Belege aus der Marktforschung für diesen Bedarf geben wird, aber es gibt ja so Fälle, da steht man als Laie eher ratlos davor. Ich z.B., um naheliegend anzufangen, ich habe keinen Bedarf. Um mich herum ist der Nahverkehr so eng ausgebaut, ich bin im letzten Jahr nicht ein einziges Mal mit dem Taxi gefahren, es war alles ganz bequem anders möglich. Ich komme einfach auf keine Strecke durch die Stadt, die mir sofort als sinnvoll für Moia einleuchten würde.

Geschäftsreisende der unteren Karrierelevel haben oft kein Budget für ein Taxi, die sollen gefälligst mit dem ÖPNV fahren, vielleicht wird da Moia freigegeben, hofft man darauf? Das wird aber ein zäher Prozess, da geht es um Konzernrichtlinien, das ist alles nicht einfach. Es gibt natürlich auch gar nicht wenig Menschen, die benutzen den öffentlichen Nahverkehr wegen der anderen Menschen nicht, mit denen man da unweigerlich in Kontakt kommt, Plebs und Pöbel, was da eben alles so herumfährt. In so einem Moia-Ding sitzen deutlich weniger Menschen, aber ich möchte annehmen, dass der Smalltalldruck darin viel höher als in einer U-Bahn ist, das würde mich wiederum stören. Wie in diesen Bahnabteilen mit Kennenlernzwang, Sie kennen das. Also diese Nahverkehrsverweigerer, die fahren doch lieber weiterhin Taxi, wenn sie gerade kein eigenes Auto haben, glaube ich.

Aber wieso soll es überhaupt eine tolle Idee sein, 500 Autos mehr durch Hamburg fahren zu lassen, nach der ursprünglichen Planung sollten es sogar tausend sein? Tausend! Wie immer bei Zahlen gilt, dass man sich das bitte einmal vorstellen muss, tausend Autos mehr, so etwas braucht unbedingt ein Bild. Stellen Sie sich einfach vor, die kommen aus einer riesigen Tiefgarage, ein Wagen nach dem anderen, und alle scheren sie in den Verkehrsstrom ein, der hier, wie in jeder Großstadt, ohnehin mehr steht als fährt. Ein toller Plan.

Also meine Vorstellung der Verkehrswende ist das irgendwie nicht.

Und in einem Medienbericht stand, dass die Algorithmen des Navigationssystems es hinbekommen sollen, dass ein Moia-Fahrzeug niemals entgegen der Wunschrichtung eines von maximal sechs Fahrgästen fahren wird und dass es auch niemals kurz vor dem Ziel eines Fahrgastes von dessen Idealroute weg abbiegen wird. Ich bin kein übertriebener Technikskeptiker, aber ich glaube, das muss grandios an der Wirklichkeit des Stadtverkehrs scheitern. In unserem kleinen Bahnhofsviertel etwa, das ausschließlich aus Einbahnstraßen besteht – ich weiß ja nicht.

***

Noch ein Werbeplakat: Der Landkreis Harburg, das ist eine Gegend südlich der Elbe, sucht Hausärzte. Das fand ich bemerkenswert, ich habe noch nie ein Plakat gesehen, mit dem Hausärzte gesucht werden. Über dreißig sollen dort wohl fehlen, ich habe es gerade nachgelesen.

Und schon wieder bin ich nicht die Zielgruppe! Denn es steht zwar nicht auf dem Plakat, aber ich nehme doch stark an, dass man etwas Medizin studiert haben muss, um eine solche Stelle halbwegs akzeptabel ausfüllen zu können. Nein, die Zielgruppe für diese Werbung werden sicher durchziehende Wanderärzte sein, wer sonst.

***

Ich habe meine Standardsuchmaschine versuchsweise mal auf Qwant (hier erwähnt) umgestellt, die ersten Versuche sind gar nicht schlecht.

***

Ich habe mich außerdem gerade mit der Blinkist-App amüsiert, mit der man Sachbücher als Extrakt konsumieren kann. Damit schnurren Psychoratgeber mit klingenden Titeln auf banale Kalenderweisheiten zusammen, es ist im Grunde recht entlarvend und auch spaßig. Bei anderen Fachbüchern, etwa aus dem Bereich Geschichte, finde ich das aber im Ergebnis in einigen Fällen gar nicht so schlecht.

***

Ich war auf einer Veranstaltung der Regionalwert AG in der Hobenköök, da ging es natürlich um landwirtschaftliche Produkte aus der Region. Für die Regionalwert AG kann ich übrigens völlig hemmungslos werben, immerhin bin ich da Inhaber. Also nicht DER Inhaber, versteht sich, sondern nur EIN Inhaber, und das auch nur im unteren Promillebereich, aber hey – wen interessieren Details.

Auf den Nachmittag in der Hobenköök komme ich noch zurück, ich brauche offensichtlich immer etwas länger, um über Events aller Art zu berichten. Vorerst wollte ich ein ungewöhnliches Produkt empfehlen, das mir dort begegnet ist. Besonders den Leserinnen aus Norddeutschland, die es in der sowieso empfehlenswerten Markthalle der Hobenköök kaufen können. Ich bin nun mit großer Sicherheit kein Gourmet, aber ich hatte da genug ambitionierte und erfahrene Fachleute um mich herum, die meine Meinung bestätigt haben: Dieser Apfelketchup hier ist der Hammer. Ich spreche bestimmt selten Empfehlungen wegen des tollen Geschmacks von irgendwas aus, aber das Zeug – probieren Sie das mal, wenn Sie da rankommen können. Das ist auf eine sehr spezielle Art grandios.

***

Musik! Anita O’Day mit That old feeling.

 

***

Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

************************

Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhanden Hut werfen, vielen Dank!

************************