Entnervendes Stochern in den Innereien der Gemütslandschaften

Begegnung in der Bahn.

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Mir war zwar klar, dass Wilhelm II. im Exil exzessiv Holz gehackt hat, aber wieviele Bäume dabei gefällt wurden – was für eine gespenstische Vorstellung.

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Ein Kommentar in der taz zum Thema Bioland bei Lidl. Als ich neulich bei der Veranstaltung der Regionalwert AG war, sahen die anwesenden Produzenten diese Kooperation auch eher kritisch und waren ganz und gar nicht begeistert. Ein Argument, das ich einleuchtend fand: “Diese Verbindung stärkt vor allem den Drang zur Makellosigkeit”, es ging da gerade um Äpfel.

Ein Schrebergarten übrigens hilft gegen den Drang zur Makellosigkeit. Das eigene Gemüse und Obst ist immer super, auch wenn es noch so vermurkelt aus der Erde oder vom Baum kommt.

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Die Birdboxchallenge machte vor ein paar Tagen auf Twitter die Runde, dazu passt ein Satz von Heiko Kunert, Sie erinnern sich vielleicht, wir haben ihn vor einiger Zeit für “Was machen die da” interviewt: “Meine Challenge sind Vorurteile, was blinde Menschen können und was nicht.“

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Die Herzdame liegt nach wie vor flach, sie fiebert und macht einen durch und durch unbrauchbaren Eindruck. Der Hund hat es längst aufgegeben, sie erwartungsvoll anzusehen, das bringt nichts. Die Söhne brauchen seltsamerweise länger für diese Einsicht. Viel länger.

Dem Regen ging es gestern und auch heute noch sehr gut, der Regen machte munter weiter, der ist quasi in Bestform. Und der Regen und ich, wir sind so [der Autor macht Gesten mit verknoteten Fingern und fuchtelt wild herum, wobei ihm nasse Haare unschön in die Augen hängen].

Dafür kann der Hund hier immerhin sehr gut neben der schwächelnden Herzdame herumliegen, das dient sogar beiden Seiten. Denn Hunde liegen nun einmal gerne herum und nichts beruhigt so sehr wie ein schlafender Hund, der sich im Traum einmal kurz streckt und dann sehr tief durchatmet, das is schon ein Inbegriff der Gemütlichkeit. Da haben Hunde übrigens auch Katzen etwas voraus, sie schlafen gründlicher und ohne diesen stets irgendwie anspruchsvoll wirkenden meditativen Aspekt, den Katzen in der lässigen Arroganz der Eingeweihten ausstrahlen. Selbstverständlich kann man Hunde auch wesentlich robuster und kumpelhafter bekuscheln, das ist wiederum gerade aus Kindersicht nicht unwichtig, man muss auch anerkennen, was gut ist.

Mal sehen, was der Leihhund nach dem Wochenende bei uns zuhause seinen Leuten erzählt, vielleicht kommt er ja öfter. Hoffen wir es mal.

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Auf Twitter ging gerade wieder der Scherz um, man möge beim aktuell gelesenen Buch den Titel um ein vorgestelltes “Harry Potter und …” ergänzen, das klappt in meinem Fall so gut, es ist fast schade, dass es den Band nicht gibt: “Harry Potter und das Element des Elephanten”.

Darin übrigens gefunden, was Hanns-Josef Ortheil von Tagebüchern hält: “Das Tagebuch als Zeremonie des privaten Umgangs mit sich selbst habe ich nie geschätzt. Solche Tagebücher ähneln einander, zumindest in Europa, zumindest in den letzten zweihundert Jahren. Es sind Klagelieder enttäuschter und überanstrengter Seelen, Seelenbilanzen, ein entnervendes Stochern in den Innereien der Gemütslandschaften, von monotoner Gleichförmigkeit, aussichts- und ergebnislos, ein Dokument der Tristesse.”

Vielleicht sollte ich mir den Satz an die Pinnwand über dem Notebook hängen. Sicherheitshalber.

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Davon abgesehen noch etwas unsicher, ob ich morgen am Nachmittag nach Berlin zu den Goldenen Bloggern fahre oder doch lieber in Hamburg zum Zahnarzt gehe. Na egal, Hauptsache Event.

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Musik.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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