Trinkgeld Februar 2019, Ergebnisbericht

Die Söhne waren im Kino und haben “Chaos im Netz” gesehen, woraus gar kein Blogartikel geworden ist, merke ich gerade. Schlendrian! Aber sie fanden den Film jedenfalls gut, daran erinnere ich mich noch deutlich.

In diesem Monat hat jemand aufgrund eines alten Scherzes ausdrücklich Geld für Dosenmais eingeworfen, an dem Sohn II eine ganz besondere, um nicht zu sagen etwas seltsame Freude hat. Das Kind fühlt sich reich beschenkt, soll ich sagen. Ab und zu sieht es nach, ob noch alle Dosen da sind, ob sich da nicht etwa jemand daran vergreift.

Ich habe Saatgut bestellt, wesentlich weniger als im letzten Jahr. Es gibt nämlich noch Reste – ich muss sie nur noch finden, aber das wird schon. Pflanzkartoffeln habe ich bestellt, Rote Melde (baut mehr Rote Melde an, das Zeug ist so toll! Und dekorativ!), Zuckererbsen, so etwas. Die Herzdame hat die Kartoffeln ausgesucht, sie saß da mit dem Katalog und hat gesagt: “Hier, das klingt gut, schreib Duke of York auf.” Und zwei Minuten später hat sie gesagt: “Nein, hier die klingt besser, schreib La Ratte auf”. Kurz darauf kam die nächste Korrektur und dann noch eine und noch eine, es ist nämlich ungeheuer schwer, Kartoffeln aus einem ansprechend betexteten Katalog auszusuchen. Beim Einkaufen im Supermarkt achtet man kaum auf die Sorte, aber wenn man die Dinger selbst pflanzt, dann sucht man plötzlich mit einer Sorgfalt aus, Neuwagenkauf nichts dagegen. Bestellt haben wir wieder bei Hof Jeebel, keine bezahlte Werbung, nein. Aber eine sehr gute Auswahl.

Außerdem kauften wir fünf Sack Kompost vom Recyclinghof.

Was noch? Anzuchterde in ganz kleiner Menge, wir haben einfach keinen Platz für Anzucht, es gibt in diesem Haushalt dummerweise keine einzige Fensterbank.

Bei einer Trinkgeld-Betreff stand “Nicht alles auf einmal ausgeben”, dieses Geld lege ich in sehr guten Kaffee an, aber nach und nach, ganz wie vorgegeben. Wie gesagt, ich nehme die Betreff-Zeilen stets absolut ernst.

Ich habe mir außerdem eine neue und besonders leichtgängige Tastatur von dem Geld zugelegt, meine kaputten Arme brauchen jede Erleichterung, wo es nur geht. Jetzt kann ich wieder etwas fluffiger schreiben, auch deutlich leiser, das weiß die Familie zu schätzen. Die alte Tastatur war laut wie bei einer elektrischen Schreibmaschine mit Typenrad, die Älteren erinnern sich. Warum ich die nicht viel eher getauscht habe – im Nachhinein ist es ja manchmal etwas seltsam. Es gibt einen weiteren Vorteil, die Tastatur ist jetzt genau das Modell, welches auch im Büro auf dem Schreibtisch liegt, das erspart mir die minimale Irritation, dass bei den beiden Dingern irgendwelche Tasten anders belegt oder angeordnet sind. Finde ich gut.

Der Betreff “Für etwas Schönes”  wurde in Blumen für die Herzdame umgesetzt, betont frühlingshafte Tulpen, versteht sich. Und da ich jeden Monat auch ein Buch von dem Geld kaufe, gab es „Die Haushälterin“ von Mariana Leky.

Sohn I hatte noch etwas Geld, das speziell für ihn war, das hat er in einem Laden für Graffiti-Bedarf gelassen, das gute Großstadtkind. Den März können wir jetzt damit zubringen, eine Ecke zu finden, in der er legal etwas mit dem Zeug anfangen kann. Es ist kompliziert.

Wie immer, ganz herzlichen Dank für jeden eingeworfenen Euro und natürlich auch für die Centbeträge, hier wird alles entsprechend gewürdigt und gefeiert, welche Summe auch immer. Ich habe ganz fraglos wunderbare Leserinnen, die Herren sind mitgemeint.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhanden Hut werfen, mit oder ohne Verwendungszweck. Herzlichen Dank!

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4 Kommentare

  1. „Rote Melde“, das hatte ich gar nicht gewusst, dass es die gibt. „Melde“ habe ich überhaupt erst spät kennen gelernt. In einem Garten, den ich mal kannte, gab es einen Kirschbaum, der hatte aufgrund seines Standortes – es ist kompliziert – ein dickes Moospolster an der Südseite von seinem Stamm. Vermutlich hat er es heute noch.

    Jedenfalls war dieses herzförmige Polster ungefähr auf meiner Augenhöhe und eines schönen Sommertages, als ich so in dem Garten stand und sinnend auf dieses Polster guckte, bewegte es sich plötzlich. Ich traute meinen Augen nicht: Ich hatte die ganze Zeit auf einen Falter geguckt, der auf diesem Moos saß und so perfekt farblich angepasst war daran, dass ich ihn nur sah, weil er sich minimal bewegte.

    Dieser Moment, wenn eine optische Täuschung verpufft. Sie wissen schon.

    Jedenfalls habe ich herausgefunden, dass der Falter „Meldeneule“ hieß und einfach als nachtaktives Tier den Tag dort auf dem Moos verbrachte.
    Wahrscheinlich ist die „Melde“ die Futterpflanze seiner Raupen. Jedenfalls habe ich dann weiter herumrecherchiert und volkstümliche Namen der Melde gefunden. Einer davon lautet „Möske“.

    Das wiederum ist der Mädchenname meiner Großmutter väterlicherseits gewesen. Ja. Das wollte ich nur erzählt haben. Weil die Melde mich plötzlich an meine Oma erinnert hat. Und wo ich das hinschreibe, fällt mir ein, dass diese frühjährliche Garten- und Pflanz- und Erde-Lust mich auch an meine Oma erinnert.

    Sehr.

  2. @ Alexandra, schön, wie sich die Gedanken immer weiter verknüpfen, von Höcksken auf’s Stöcksken sozusagen.

  3. Duke of York, oder wie man von Kartoffeln aufs Evangelische Mütterbildungswerk kommt:

    In den 70ern gabs noch kein Privatfernsehen, aber NDR 3, und dort lief John Pearse‘ Gitarrenkurs „Akkord und Rhythmus“, und mein Vater saß vor dem Fernseher und später vor dem Notenheft und klampfte den Calypso. Eigentlich war die Gitarre für meine Mutter angeschafft worden, die damit den Gitarrenkurs des Evangelischen Mütterbildungswerks besuchte, aber nach 2 Stunden keine Lust mehr hatte. Es war aber schon alles bezahlt, und also mußte ich den Rest des Kurses auftragen und lernte zwischen lauter mittelalten Damen die Gitarre zu stimmen und „Im Frühtau zu Berge“ zu stochern. Später saß ich nachmittags vorm Fernseher, und John Pearse erklärte mit schönem englischen Akzent die Songs. Einer davon war „The Grand old Duke of York, he had ten thousend men, he marched them up to the top of the hill and he marched them down again“, was er sehr hübsch übersetzte als „er ließ sie den Berg hinaufmarschieren, ud dann ließ er sie wieder runtermarschieren, also ziemlich blödsinnig.“ Ich kann immer noch nicht Gitarrespielen, aber für diesen Kommentar liebte ich ihn.

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