Ich trete also am Morgen erwartungsvoll vor die Tür, fest entschlossen, irgendetwas für das Format “Was schön war” zu finden. Dabei werde ich allerdings fast umgerannt von jemandem, der nicht so rennt, wie man entspannt oder sportlich rennt, nein, der rennt eher so krimimäßig. Bleibt ein paar Meter weiter abrupt stehen, sieht sich panisch um und rennt dann weiter. Auf seiner Jacke steht hinten “Security”, sein Verhalten scheint mir eher für das Gegenteil zu stehen. Ich gehe ein paar Meter, da läuft schon der nächste, auch wieder “Security”, er läuft aber andersherum um den Block. Auch bei ihm sieht es so aus, als seien sie hinter ihm her, Tod und Teufel, die anderen, wer weiß. Und das ist natürlich total unbefriedigend, weil man als Betrachter nicht herausfindet, wer nun genau hinter wem und warum. Ich warte noch eine Weile, es tauchen aber keine Verfolger auf. Nur Passanten wie ich, Leute auf dem zur Arbeit, die den beiden irritiert hinterhersehen. Ein Tagesanfang im kleinen Bahnhofsviertel eben, manchmal wäre ich doch lieber irgendwo auf dem Land. Aber das gibt sich wieder. Der Himmel immerhin, er ist blau so blau.

***

Danach gehe ich zur Arbeit, dieser Teil des Tages eignet sich kategorisch nicht für “”Was schön war”, den lassen wir aus. Wobei! Immerhin steht in der Küche eine übriggebliebene und nur halb entleerte Keksschale, Reste irgendeines Meetings aus der Vorwoche, und es sind sogar noch welche mit Schokolade dabei. Das ist ja nicht nichts.

***

Am Nachmittag gehe ich mit Sohn I zu seinem Sport und setze mich da in die Warte- und Zuguckzone, die dort recht gemütlich ausfällt und in der es sich gut arbeiten lässt. Manchmal jedenfalls. Heute setzt sich ein Mädchen neben mich, das aus einem Beutel etliche Playmobilteile auf den Tisch schüttet. Figuren, Zäune, Pferde, Kleintiere. Sie baut die ganze Szenerie nach und nach auf, wobei sie unentwegt redet, nein, reden lässt, denn die Figuren sprechen miteinander und meine Güte, haben die sich viel zu sagen. Sie haben alle Namen, auch die Tiere, und alle Sätze beginnen mit dem Vornamen des angesprochenen Wesens. Es sind sechsundzwanzig handelnde Figuren in dem Stück, also wenn ich richtig zähle, es ist wirklich nicht ganz einfach, denn da tobt das Leben, auf dem Tisch vor mir. Wenn das Mädchen auf einen Namen nicht sofort kommt, sagt sie konzentriert alle Namen nacheinander auf, bis sie auf die Bezeichnung kommt, die in die Lücke passt, sie murmelt die Namen dann wie ein Gebet, leise und schnell. Weil sie alle Rollen spricht, wird auch keine Figur je unterbrochen, alle können immer ausreden und überhaupt sind die alle sehr höflich miteinander. Außer der Vaterfigur, die bei geringsten Vergehen alle ohne Abendbrot ins Bett schickt. Eine Strafe, die ich fast schon vergessen hatte, ich dachte, sie gilt mittlerweile als ausgestorben.

Ich sitze also da, wo ich eigentlich schreiben wollte, um mich herum reden sechsundzwanzig Figuren aufeinander ein und an Konzentration ist nicht zu denken, ich schreibe keine Zeile. Abgesehen von diesen hier, versteht sich.

***

Auf dem Rückweg gehen wir durch ein Kaufhaus, da hängt ein Spiegel, auf dem steht: “Fühlst du es auch”. Ich stelle mich davor und sage: “Nein.”

***

Musik! Ältere Herrschaften mit betont seniorenkompatiblen Tanzschritten.Man bekommt direkt wieder Lust auf so etwas.

***

Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

***

Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank.