Der Zug war pünktlich

Was schön war

***

Autokauf. Es ist kompliziert.

***

Die Arktis beschneien.

***

Das große Wegwerfen.

***

Eine kleine Meldung nur zwischendurch, im Zug geschrieben, irgendwo in Bayern, nehme ich jedenfalls an, Höhe Augsburg vielleicht, man saust ja so durch. Der Zug war pünktlich. Er fuhr am richtigen Gleis los, die Reservierungen hatten alle Gültigkeit und passten auch noch zu den Sitznummern. Der Lokführer war rechtzeitig da, das ganze Zugpersonal war anwesend und dienstbereit und auf die Sekunde rollte der Zug also los, raus aus München, die Söhne konnten es gar nicht fassen.

Denn das kann man ja zwischendurch auch einmal zur Kenntnis nehmen, für die Kinder ist die Bahn in diesem Land mittlerweile ein Symbol für Chaos und Unzuverlässigkeit geworden, weil bei unseren Reisen mit Zügen in den letzten Jahren vieles nicht funktioniert hat, sehr eindrücklich nicht funktioniert hat. In meiner Kindheit galt noch “Pünktlich wie die Bundesbahn”, und es war gar kein Witz. Heute haben die Kinder keinen ähnlichen Satz für die Deutsche Bahn parat, auch nicht als Scherz, aber für ein tolles Verkehrsmittel halten sie die Bahn ganz sicher nicht.

Einen Bahnhof weiter dann eine Durchsage, eher eine Durchfrage, ob ein Arzt an Bord sei, ein Sanitäter, jemand mit Medizinkenntnissen, ein Notfall, der Stimmlage konnte man schon entnehmen, das ist ernst, das ist richtig ernst, dann fiel auch schon das Wort Herzstillstand. Zehn Minuten dauerte es, bis ein Krankenwagen kam, das kann man gut oder schlecht finden, ich weiß da keine Benchmarks. Zwischendurch sagten hörbar gestresste Menschen mit bebender Stimme Zwischenstände durch, noch ein paar Minuten, noch eine Viertelstunde. Niemand stöhnte genervt, niemand beschwerte sich, alles saß ganz ruhig und wartete ab, es sah nicht einmal jemand auf seine Uhr und rechnete nach, man saß und hoffte vehement für einen Menschen, von dem man nichts wusste, überhaupt nichts. Zumindest den Teil darf man vielleicht sogar  erfreulich finden an dem Vorfall, zumindest erfreulicher als die allgemeine Gehässigkeit, die sich überall gerade so reich ergießt.

Als der Zug schließlich wieder losfuhr, gab es noch eine Durchsage, in der auf einmal ein förmliches Sie fehlte: “Einen herzlichen Dank an die Ärzte, die an Bord waren und geholfen haben – das habt ihr gut gemacht.” Es muss natürlich nicht stimmen, aber wir haben das als gutes Zeichen gedeutet.

Der Zug hat dreiundvierzig Minuten Verspätung und es ist völlig in Ordnung, wie auch die Söhne sagen.

***

Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

***

Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank!

3 Kommentare

  1. Klasse Durchsage, und in Anbetracht des Notfalls eine angemessene Reaktion der Fahrgäste – so etwas scheint ja heutzutage nicht unbedingt mehr so selbstverständlich zu sein, wenn man sieht, dass auch Rettungskräfte bei ihren Einsätzen immer häufiger angegriffen werden.

    Da ich die letzten Jahre aus beruflichen Gründen auch häufig geflogen bin (Das wird sich in Zukunft hoffentlich nahezu gegen Null ändern, aus Gründen, die wohl jeder kennt…) kann ich sagen, dass Fliegen auch nicht viel zuverlässiger ist als Bahn fahren. Auch dort sind Verspätungen von 30 Minuten bis zu einer Stunde keine Seltenheit. Als Eurowings nach der Air-Berlin-Insolvenz deren Maschinen eingeflottet hat, fielen sogar massig Flüge aus.

    Daher vermute ich, dass viele Reisende Verspätungen bei der Bahn und beim Fliegen unterschiedlich tolerant bewerten. Fliegen wird wohl immer noch als eine komplexe Herausforderung gesehen, bei der es natürlich auch mal zu Verspätungen kommen kann, wogegen halt die Bahn das uralte Verkehrsmittel ist, welches am Boden auf Schienen fährt, also: Was soll da schon schief gehen?

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.