Die Flamme des Krieges

Vier Szenen aus der Urlaubszeit – ich habe eine neue Kolumne beim Goethe-Institut geschrieben.

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auf Platz 54 zwischen dem Senegal und Marokko

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Beim Monströsen hingegen triumphiert die Gier nach schierer Größe über jedes gestalterische Konzept, was im Falle des SUV zum profunden Eindruck des Aufgeblähten und Fehlgebildeten führt. Viele Modelle wirken, als wären sie wahllos mit Implantaten und Anabolika traktiert, um alle Partien der metallischen Haut zu unnatürlicher Schwellung zu bringen. (via Das Filter)

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Bei den Karl-May-Spielen  in Bad Segeberg sagt der Winnetou gewordene Alexander Klaws irgendwann: “Die Flamme des Krieges muss wieder erlöschen”, diesen Satz beklatscht das Publikum dann allgemein und der Häuptling der Apachen guckt einen Moment still und feierlich in die Runde. Szenenapplaus, denn Frieden ist gut und gut zu sein, na klar, das ist immer super, da ist man sich einig. Kurz darauf gibt es einen Notfall im Publikum, jemand bricht in den Zuschauerreihen zusammen, wobei man angesichts de Schlichtheit des Stückes eher nicht annehmen möchte, dass ihm die Handlung zu Herzen ging, das dann doch nicht. Es gibt jedenfalls einen kleinen Aufruhr, Sanitäter kommen, Menschen laufen spontan dahin, vermutlich sind es Ärzte aus dem Publikum, man kümmert sich schnell. Und was rufen die erbosten Menschen, die hinter dem Menschen sitzen, der offensichtlich gerade größere Probleme hat und jetzt mit Dringlichkeit behandelt wird: ”Wir sehen nix!”

Denn man kann ja nicht immer nur gut sein, man will schon auch was haben für sein Geld.

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Noch ein Bemerknis, eine Winzigkeit nur, eine Sekundenszene. Bei den Stücken ist es üblich, dass die Darsteller durch die Bankreihen zur Bühne laufen und reiten, es ist für die Kinder im Publikum sogar ganz entscheidend, dass die Guten und die Bösen möglichst dicht an ihnen vorbei galoppieren. Überall stehen Ordnerinnen, die verhindern müssen, dass die Gäste im falschen Moment irgendwo im Weg stehen, das klappt auch in der Regel vollkommen reibungslos. Menschen, die mal müssen und gerade nicht dürfen, die warten eben brav einen Moment und gehen erst, wenn die Sioux durch sind. Oder die Apachen oder Old Shatterhand oder die Kavallerie oder wer auch immer. Eine Mutter mit einem kleinen Sohn auf dem Arm war zwischendurch draußen und darf in einem passenden Moment kurz durch die Reihen huschen, sie strebt zurück zu ihrem Platz.

Die Komantschen kommen zu Fuß und die Komantschen sind böse, das sind sie bei Karl May irgendwie immer oder sie sind es zumindest in Bad Segeberg immer, was weiß ich. Und natürlich sind sie schon auf den ersten Blick böse, sie gucken gemein und sind auch so geschminkt, sie schleichen lauernd, hinterhältig erheben sie schon einmal die Lanzen, damit auch alle verstehen, dass sie gleich die Guten überfallen werden, dass sie ihnen sogar in den Rücken fallen werden. Und die Komantschen nehmen mangels anderer Möglichkeit den gleichen Weg wie die Mutter mit dem Kind auf dem Arm, das über die Schulter entsetzt und mit namenlosem Schrecken im Blick nach hinten guckt, nach da, von wo die Komantschen mit erhobener Lanze direkt und mordlüstern auf ihn zurennen, was die sorglose Mutter aber gar nicht mitbekommt, da sie ja nach vorne sieht, sie muss doch auf die Treppenstufen achten, was Eltern eben so machen – und noch Jahre später, stelle ich mir vor, wird in dieser Familie diskutiert, wieso denn bloß der Sohn nach diesem Besuch überhaupt kein Interesse am wilden Westen mehr hatte und auch um keinen Preis der Welt jemals wieder nach Bad Segeberg wollte.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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3 Kommentare

  1. Für Eltern, deren Kinder sich zu Zeiten, als man sich fast keine Gedanken um political correctness machte, noch als Cowboy und Indianer verkleiden durften, gehörte der Besuch des Bad Segeberger Freilufttheaters unbedingt dazu. So tat auch Trullas Familie. Der damalige Winnetou war der legendäre Pierre Brice. Das änderte leider gar nichts daran, dass Vater, Mutter, sogar die Kinder gelangweilt waren (das Büchsenknallen gefiel und die Pferde) und jeder sich anschließend schwor “nie wieder“. Dabei waren meine Kinder generell gern im Theater, ganz toll war für sie z.B. der Übergang vom Puppen- zum “Menschen“theater.

    Wie waren dort sicher nicht richtig, denn niemand von uns schätzte die Karl May Lektüre.

    Ich war trotzdem in späteren Jahren nochmal da als Begleitperson beim Geburtstag des Großneffen.
    Same same but different!

    Allerdings sehe ich auf mich zukommen, dass auch noch die Enkelkinder begleitet werden müssen. Man muss Opfer bringen…

  2. Die 2. Woche unseres Familienurlaubs hat gerade angefangen… vielen Dank für den Hoffnungsschimmer!

  3. Urlaubszenen dieser Art und weitaus schlimmere sind mir sehr vertraut – wenn ich mal aus dem Nähkästchen plaudern darf. Natürlich habe ich selbst meinen Teil dazu beigetragen; sowas verantwortet niemand allein.

    Und ich kannte das auch schon aus der Perspektive als Kind mit meinen Eltern …

    SUV: Die aktuellere Erfüllung der Gelüste, die in den 50ern/60ern von den riesigen, zumeist amerikanischen Straßenkreuzern bedient wurden?

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