Witternd wie wilde Waldtierchen

Sans Forgetica

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Singapur und der Klimawandel: “Wir müssen jetzt anfangen.”

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Supercharging the melting

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Es wird jetzt wieder früher dunkel, das Licht hat diese Herbstwärme, in der es nicht mehr so blendet, sondern sich wie Arminnenflächen an einen heran legt. Sonntagmorgen noch hat es so geregnet wie sonst Ende September. A. sagt: Man sieht ihn nicht, man spürt ihn nur. Am Abend komme ich noch einmal in den Regen, er ist jetzt gewachsen, man kann ihn sehen und spüren und schmecken und alles ist sofort nass. Als ich an der Ampel auf dem Rad warte, hält der Mann auf dem Bürgersteig seinen Schirm unauffällig so, dass ich zumindest für die Rotphase nicht nass werde. Das sind diese Schlenker, die der Sommer macht, damit man sich ausruhen kann, liegen und lesen ohne schlechtes Gewissen, drinnen, wo man sich auskennt.

Mehrere Menschen in meinem Umfeld sprachen in den letzten Tagen darüber, über den Geruch des Herbstes, über das andere Licht, überhaupt über das gerade eingetretene Andere, irgendwie unbestimmt aber doch, da ist doch etwas, merkst du es auch, man fühlt allgemein so herum. Der sich ankündigende Wechsel der Jahreszeiten sorgt also wie immer für diese Momente, in denen die Menschen morgens nach Verlassen ihrer Schlafhöhlen wieder witternd wie die wilden Waldtierchen irgendwo im Morgenlicht stehen und auf einmal etwas ungemein Wichtiges wahrnehmen, und das passiert ja überhaupt nur noch zwei-, dreimal im Jahr, mehr wittern wir längst nicht mehr.

Währenddessen wird es allerdings schon wieder wärmer und an den nächsten Tagen läuft noch einmal das ganze Sommerprogramm ab, mit vollen Straßencafés und badenden Menschen und Hitze im Büro und im Dachgeschoss und mit luftiger Kleidung und Schirmchendrinks am Abend, aber man weiß es jetzt doch insgeheim schon besser und glaubt nicht mehr alles, was man sieht.

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Apropos Sehen, im Urlaub habe ich einen Nachruf auf Brigitte Kronauer gelesen, von der ich zu ihren Lebzeiten leider gar nichts wahrgenommen, mir dann aber doch ihren Essayband (“Zweideutigkeit – Essays und Skizzen”) besorgt habe, der mir sehr gefallen hat. In diesem Nachruf jedenfalls, er war wohl in der gedruckten Version der Süddeutschen, die ich aus Notwehr gelesen habe, weil ich in Schleswig-Holstein wieder einmal ohne Netz war, da wurde Robert Walser zitiert, der gesagt oder geschrieben hat: “Man braucht nicht viel Besonderes zu sehen. Man sieht so schon sehr viel.”

Ich könnte es mir auf ein Kissen sticken lassen, so richtig finde ich das.

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Musik! Der King bei der Arbeit an einem Song. Es sieht ein wenig anstrengend aus.

 

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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