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Ein Beitrag geteilt von maximilian buddenbohm (@buddenbohm) am


Den folgenden Text wollte ich im Mai schreiben, wenn ich das noch richtig erinnere. Ich kam dann gründlich davon ab und erst jetzt wieder dazu, im Zuge meiner andauernden Aufräumarbeiten, die sich übrigens mittlerweile doch langsam dem Finale nähern. Ich kann dann, darauf freue ich mich jetzt schon, wenn ich endlich alle Rückstände in nahezu sämtlichen Lebensbereichen abgearbeitet habe, final feststellen, dass das unterm Strich auch nichts besser machen wird. Also das nehme ich jedenfalls an, bescheiden wie ich bin, aber ich bin auch wirklich gerne bereit, mich vom Gegenteil überraschen zu lassen. 

Ich muss zwei Anmerkungen vorweg schicken, zum Mann und auch zum Land. Denn erstens kenne ich Manfred Maurenbrecher erfreulicherweise persönlich und bin auf eine schon geradezu unhanseatische Art Fan von ihm und seinen Liedern, was also heißt, wenn Sie ihn live irgendwo mitbekommen können, dann gehen Sie da ruhig hin, das lohnt sich. Der Song hier unter diesem Absatz kam schon zweimal im Blog vor. Das macht aber nichts, ich kann den öfter hören, da ist immerhin etwas von dem drin, wie ich selbst schreiben, bloggen und die Welt sehen möchte. So in etwa möchte ich das wahrnehmen, was vor dem Fenster ist, das Lied bedeutet mir also etwas. Zweitens kenne ich das Land Brandenburg, in dem der Roman Grünmantel spielt, nicht einmal ansatzweise und habe überhaupt Ahnung von der Gegend. Was aber nicht an einer Abneigung gegen östliche Landesteile liegt, wie man heute vielleicht schon eilfertig betonen muss, ich kenne auch Rheinland-Pfalz oder Baden-Württemberg nicht, vom Saarland ganz zu schweigen und überhaupt, ich bin kein Kenner dieser Republik, wirklich nicht. Ich fühle mich im Grunde schon in Hamburg-Rahlstedt eher fremd, meine Unkenntnis Brandenburgs beweist also gar nichts. leiten Sie daraus bitte nichts ab. 

Pardon, erst der Song, dann geht es gleich weiter.

Manfred Maurenbrecher beschreibt in dem schmalen Band das Leben in einem brandenburgischen Dorf, ganz hinten kurz vor Polen liegt es. Wobei er so dicht webt, dass man das Personenregister ganz hinten im Buch gut gebrauchen kann. Ich möchte Autor und Verlag dafür ausdrücklich lobpreisen, denn ich bin ein flüchtiger und unregelmäßiger Leser und weiß das sehr, wirklich sehr zu schätzen, wenn man Orientierungshilfen gibt und wäre äußerst angetan, wenn möglichst alle Romane mit vernünftigen Registern erscheinen würden. Ich habe Kinder und Berufe, ich lese also nicht am Stück und habe nach zwei Tagen mit großer Sicherheit vergessen, wer denn nun wieder die Nebenfigur Klaus aus dem vorigen Kapitel war. Aber mit Register – großartig. 

Der Autor webt also dicht und auf zweihundert Seiten erstaunlich handlungsreich, dabei beschreibt er Figuren, die so unwahrscheinlich sind, dass sie fast schon echt sein müssen. Denn fiktive und auch echte Personen können sich selbst in ihrer Unwahrscheinlichkeit sozusagen umrunden und stehen dann auf einmal glaubwürdig wie nur je ein Max Mustermann vor uns. Was natürlich daran liegt, dass die Wirklichkeit de facto skurriler ist als die von uns permanent hochgerechnete Normalität, was übrigens eine Tatsache ist, die sich jedem erzählenden Menschen sofort erschließt, nehme ich jedenfalls an. Und es gibt Autorinnen und Autoren, die diese Abwegigkeit des Alltags so exakt und nuanciert treffen, dass man sie glaubt und mit den entstandenen Bildern gerne weitermacht – so wie in diesem Buch also stelle ich mir jetzt brandenburgische Dörfer vor, zumindest bis ich selbst einmal dahin fahre.

Leicht abzubilden ist die Skurrilität des Echten dabei ganz und gar nicht, es ist eher schwierig, das so anzupeilen, dass man das Buch nach der Lektüre zuklappt und sich denkt, ja, so in etwa wird es sein. Wenn es zu brüllend komisch ist, dann klappt das nicht, wenn es zu sehr Karikatur ist, dann klappt es nicht, wenn es zu bitter satirisch oder zu niedlich und grinsepitttoresk ist, dann klappt es auch nicht. Es braucht dafür vermutlich einen Erzähler, einen Beobachter, der das mag, was er sieht, und der seinen Figuren, allen seinen Figuren, genug Würde lässt. Ohne Würde werden alle nur zu Abziehbildern, und von denen liest man nicht gerne.

Na, das ist nur meine Sichtweise. Sie können das natürlich ganz anders bewerten. Aber dazu müssten Sie das Buch lesen, was ich sehr empfehlen möchte. Ausgesprochen gerne zweimal gelesen.

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Und außerdem bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte. 

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