Zack, gelöscht

Gefühlt kann ich gerade etwa ein Drittel aller erscheinenden Texte einfach ignorieren, weil sie sich mit mäandernden Mutmaßungen über ein Morgen beschäftigen, an dem irgendwas anders sein wird, und dann könnte also irgendwas passieren oder irgendwie womöglich anders sein als vorher, also wenn und vielleicht jedenfalls, und alles verliert sich in den weiteren Absätzen im ungefähren Konjunktiv und in der Kristallkugelguckerei und es interessiert mich so herrlich überhaupt nicht. “XY sagt voraus …” zack, gelöscht. “Die Welt nach Corona …” zack, gelöscht. “Wir werden alle …” zack, gelöscht. “Horx” … zack, gelöscht, aufgestanden und zwei Stunden spazieren gegangen.

Und nachdem Corona, Sie werden es gemerkt haben, etwas länger dauert, weiß ich jetzt auch wieder etwas Neues über mich und ich bin ja ein Thema, ich meine das ganz uneitel, über das ich recht gerne etwas lerne. Ich weiß jetzt nämlich, wie lange es dauert, bis sogar einem extremen News-Junkie wie mir Newsticker zu einem hochaktuellen Thema endgültig langweilig und über werden, bis ich also tatsächlich denke, ach komm, der Zauberberg vom ollen Mann ist jetzt aber doch irgendwie unterhaltsamer und bringt mich am Ende sogar weiter, geh mal weg von der Nachrichtenseite da und mach auch den Tab mit dem Feedreader und den mit Twitter zu. Drei Woche dauert das. Ich bin vermutlich ein schwerer Fall, aber ich bin dann doch nicht hoffnungslos. Das ist eine interessante Erkenntnis, denn falls in meinem Leben so etwas noch einmal passiert, ich kann mich jetzt darauf einstellen. Für die vierte Woche muss ich mir einfach Urlaub nehmen, ich bin dann nämlich endgültig hängemattenkompatibel und offline-affin. 

Bei der nächsten Pandemie wird alles besser! Und das Schickal natürlich so: “Bei der nächsten Pandemie raffe ich dich dann genau in Woche drei dahin.” Denn das Schicksal hat bekanntlich einen etwas seltsamen Humor. Kichernde Parzen, man kennt das.

Aber apropos Zauberberg, das Lesen ist bei mir nach wie vor völlig kaputt. Hörbücher gehen, Bücher gehen nicht, die Konzentrationsfähigkeit reicht keine Seite weit. Das scheint mir nicht ganz logisch zu sein, aber was soll’s. Ich habe gestern zum ersten Mal getestet, wie lange ich eigentlich brauche, wenn ich zum Garten zu Fuß gehe, das war eine entspannte Stunde. Im Hörbuchkontext ist das sogar eine ziemlich gute Stunde, da schafft man nämlich etwas. Stefan Zweigs “Brief einer Unbekannten” habe ich dabei gehört, es wurde von einem Mann (Reiner Unglaub) vorgelesen, das kann man natürlich so oder so sehen. 

Reich-Ranicki hat Zweig einmal “parfümierte Prosa” vorgeworfen, man kann die Kritik bei diesem Text halbwegs nachvollziehen. Es ist schon enorm viel Pathos und zuckriger Bombast darin und es trieft hier und da doch etwas viel Süße aus den Beschreibungen der im Grunde inhaltslosen und geradezu psychotischen Verliebtheit. Es machte mir das Buch auch nicht sympathischer, das ich diese dort beschriebene Art der völlig unangemessen und, um im Jargon der Zeit zu bleiben, törichten Verliebtheit dummerweise nur allzu gut nachvollziehen kann. Been there, done that, got the t-shirt. Man wird aber nicht an alles gerne erinnert, auch nicht von der Weltliteratur.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Links am Morgen

Ein vernünftiger Text über die Kinder und das Schreiben. Von Florian Wacker. 

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Das Elend der vollen Schränke.

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Zur Leopoldina gab es gestern viel Lob, da reizt es ja umso mehr, eine Gegenmeinung zu teilen: “Zur Wiederinbetriebnahme des öffentlichen Lebens gibt es keine Forschung. Kein Wunder, dass die „Ad-hoc-Stellungnahme“ der Leopoldina vor allem Allgemeinplätze und wohlfeile Forderungen versammelt.”

Egal – man kann so etwas lesen, wie natürlich auch die Gegenmeinung, und dabei heilfroh sein, gerade nichts entscheiden zu müssen. Ich halte das alles schon alleine aus Elternsicht für einen ziemlich unauflösbaren Knoten und kann mir, wie ich es auch drehe und wende, in den nächsten paar Wochen etwa beim Schulthema keine Verbesserung vorstellen. Ich lasse mich aber gerne positiv überraschen, versteht sich. Sehr gerne!

Wobei noch anzumerken ist, dass eine teilweise Schulöffnung, also im Sinne von morgens zwei Stunden oder ähnliche Späße, zwar sachlich völlig richtig sein kann, für Eltern aber sogar eher noch schwieriger wird, sozusagen das Schlechteste aus den beiden Schooling-Welten vereint, die Kinder müssen morgens aus dem Bett geschubst und dann noch am gleichen Tag doch wieder homebeschoolt werden. 

Und was ich vermisse, dafür war die Leopoldina aber auch nicht zuständig, was ich allmählich wirklich vermisse, das ist ein Wort der Entspannung bezogen auf Lehrpläne und Leistungsziele. Die Kinder sind jetzt seit x Wochen raus, ich müsste erst rechnen, seit wie vielen Wochen eigentlich, sie werden, selbst wenn morgen die Schule wieder anfinge, etwa zwei Wochen brauchen, um alles wieder auch nur halbwegs einzupegeln. Die Schule fängt aber, wir wir alle wissen, morgen nicht an und das Schuljahr endet in nicht allzu weiter Ferne schon – wir kommen da mit “normal” nicht durch. Es wird am Ende etwas fehlen. Es werden Vokabeln fehlen, Formeln, römische Geschichte, Kiemenatmung, der ACI, irgendwas. Es wird in allen Klassenstufen und in allen Schulformen etwas fehlen und irgendwer müsste mal offiziell das tun, was wohl das Allerschwerste ist, nämlich offiziell und von möglichst weit oben etwas Leichtigkeit und Entspannung verbreiten. Aber nein, “Leistungsnachweise” und “Prüfungen finden statt” und all das. Ich weiß ja nicht. 

Mir scheint, es wird auf diese Art das ungerechteste Schuljahr ever, und es gab mit der Gerechtigkeit auch schon vorher einige Probleme, wir erinnern uns.

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Über Leonard Cohen und die Religion.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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