Eine Dankespostkarte

Ich habe mir überlegt, es ist vielleicht für viele langweilig, wenn ich hier ab und zu einfach nur einen Dank für ein Geschenk von einer Leserin oder einem Leser poste, das muss ich also irgendwie anders machen. 

Und zwar mache ich das jetzt ganz altmodisch, ich schreibe jeweils eine Postkarte. Mit Bild, versteht sich. Nur dass es eben ein geschriebenes Bild ist, und okay, es gibt auch keine Karte, es ist einfach nur ein Blogeintrag. Aber Sie verstehen das Konzept vielleicht dennoch, ich skizziere etwas, das ich gerade gesehen habe. 

Ein Dank auf der Rückseite, ein Bild vorne drauf. Die Rückseite interessiert vielleicht nicht alle, aber so ein Bild kann man ja mal eben kurz angucken.

Rückseite: 

Ganz herzlichen Dank für die Zusendung einer Bialetti-Kanne für Induktion, mittels derer wir jetzt auch in der Laube zu anständigem Kaffee kommen, so etwas ist ja wichtig. Die Einweihung erfolgt in Kürze, vielleicht merkt man den nächsten Texten aus dem Garten den dann höheren Koffeinpegel schon deutlich an. Vielen Dank aber auch für eine Staude, einen Steppensalbei, mit dem ich heute im Garten stand, mich umsah und dachte, gut, Steppe, das passt hier nach diesen Hitzetagen quasi überall hin. Merci!

Vorderseite:

Ich bin mit Sohn I im sterbenden Kaufhof. Der ist schon ein wenig geplündert, gefleddert eher, der wirkt schon fortgeschritten unordentlich, weil die Rabattjäger alles zerwühlen und niemand mehr mit ordnender Hand dagegen ankommt. In der Lebensmittelabteilung fehlen schon einzelne Regale, die Ware ist lückenhaft, es wird wohl nicht mehr alles nachgefüllt. An einigen Kassen stehen drei vom Personal vor gar keinen Kunden, sie stehen da aber bis zum Schluss, nehme ich an, und es ist insgesamt keine erhebende Erfahrung, dort einzukaufen. Der Sohn möchte einmal durchs ganze Haus gehen, auch durch die vollkommen menschenleere Spielzeugabteilung ganz oben, in der er etwas irritiert feststellt, dass ihn nichts darin mehr interessiert. Rausgewachsen, that escalated quickly, so ist das, wenn man dreizehn Jahre alt wird.

In einer Etage darunter steht ein kleiner Junge am Geländer zu den Rolltreppen, er wird etwa vier Jahre alt sein. Seine Mutter durchstöbert gerade Blusen, das zieht sich und ist enorm langweilig, wie man sicher verstehen wird. Da sucht er sich eine Beschäftigung und erfindet mal eben ein Experiment. Und zwar geht er zu einem Ständer mit Damenoberbekleidung, rupft ein Preis-Etikett von einem Ärmel und geht damit zurück zu den Rolltreppen. Er lässt das Etikett nach unten flattern und sieht interessiert zu, wie viele Stockwerke es wohl schafft und wo es dann landet. Er geht wieder zu der Ware, reißt entschlossen noch ein Etikett ab, lässt es ebenfalls fliegen, guckt ganz genau, wie es sich dreht, wie es trudelt und sachte sinkt, wie es schließlich vor weiterer für ihn langweiligen Mode in einem anderen Stockwerk liegen bleibt. Er guckt sicherheitshalber noch einen Moment länger, ob es da auch wirklich dauerhaft liegt. Dann dreht er sich um und geht noch ein Etikett holen. Es sind ja genug da, es sind noch sehr viele da.

Das also werde ich vom Kaufhof in Erinnerung behalten. Diesen kleinen Jungen an den Rolltreppen, der sich dort über das Geländer beugt und die Preise fliegen und sinken ließ.

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Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel. Merci!