Eine Dankespostkarte

Rückseite

Ich habe zu danken für ein Smartphoneladekabel, das diesmal Sohn I nutzen wird, wie er sehr zufrieden festgestellt hat. Sehr nice! Wie er in solchen Fällen verlässlich sagt.

Vorderseite

Ein ganz schlichtes Bild. Stellen Sie sich bitte einen norddeutschen Kirchturm vor, wobei der Hinweis auf den Landesteil vor allem dazu diene sollte, roten Backstein vor ihren Augen entstehen zu lassen, denn ohne diesen geht es hier ja nicht. Rote Steine, ein altes Portal, ein Kirchturm von überzeugender Schönheit, oben Kupfer mit ordentlich Patina. Eine wunderschöne Kirchturmuhr gibt es auch, sie geht richtig, zur Viertelstunde hört man den Glockenschlag. Der Turm gehört zu keiner riesigen Kirche, sie ist aber auch nicht gerade klein, es ist eine Stadtteilkirche in der Großstadt, im Bahnhofsviertel. Und der Turm ist ist immerhin so überzeugend schön, dass Touristen verlässlich interessiert darauf zu laufen. Manchmal kommen sie mit dem Reiseführer in der Hand oder mit dem Smartphone, blätternd oder scrollend, was steht denn da, was ist denn das? Und während sie näher kommen, sehen sie vielleicht schon, diese Kirche, auf deren Turm man da so kulturbeflissen zugeht, die gibt es gar nicht. Die wurde im letzten Weltkrieg weggebombt, nur der Turm blieb stehen und man hat dann nach dem Krieg ein neues Kirchenschiff darangebastelt, einen eher schnöden Neubau. Das kann man architektonisch oder auch sakralbaugeschichtlich interessant finden, aber umwerfend schön ist dieser Neubau erst einmal nicht, das enttäuscht dann manche. Wenn man aber nur so vor dem Turm steht, dann kann man sich der Fiktion einer prächtigen alten Kirche recht erfolgreich hingeben.

Und vor diesem Turm, in einer sanft geschwungenen Kurve vor dem Portal, stehen Einkaufstrolleys auf dem Kopfsteinpflaster. Fünf, sechs, sieben Stück und mehr. Sie sind alle unterschiedlich. So unterschiedlich sind sie, es wirkt fast schon ein wenig gekünstelt, als hätte die jemand, der hier im Stadtteil für Requisiten und Kulisse zuständig ist, sorgfältig ausgesucht und dort hingestellt. Es könnte auch eine Installation sein, die Kunsthalle ist immerhin gleich um die Ecke und wer weiß. Verschiedene Farben haben die Trolleys, verschiedene Alter, verschiedene Zustände. Manche sehen aus wie neu, manche sind längst heruntergekommen wie Sperrmüll. Leer sind sie alle, das sieht man ihnen an, eingefallene Trolleybäuche. Unter jedem Trolley ist ein dicker weißer Strich auf dem Pflaster. Menschen sind nicht im Bild.

Können Sie sich das zusammenreimen? Das Bild ist wieder sehr 2020, nie vorher hätte man das verstehen können. Es ist ein Freitagmorgen, da gibt die Suppengruppe wieder heiße Suppe und Lebensmittel von den Tafeln aus. Seit dem Frühjahr kommen mehr und mehr Bedürftige zu dieser zentral gelegenen Ausgabestelle. So viele sind es, dass es lange Wartezeiten gibt und die allerersten Gäste, die am Morgen erscheinen, reservieren sich mit den Trolleys ihre Plätze im vorderen Bereich der Schlange, so wie andere mit Handtüchern ihre Sonnenliegen auf gewissen Inseln sichern. Zwischen den Trolleys, Sie ahnen es sicher, sind immer 1,50 Meter Abstand, mit weißen Streifen auf dem Boden ordentlich markiert. 

Man kann das nur ganz kurz so sehen. Dann kommen die Menschen wieder, stellen sich zu ihren Trolleys und warten und rücken auf. Aber man sieht es doch lange genug, um ein Bild davon zu haben. 

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