Fortgeschrittener Fatalismus

Nur kurz, mir fehlt schon wieder die Zeit. Aber ein paar Zeilen gehen doch, ein paar Zeilen gehen ja immer. Ich fand wieder Bestätigung für meine vermutlich nicht mehrheitsfähige Theorie, dass fortgeschrittener Fatalismus zu besseren Ergebnissen in der echten Welt und auch zu belastbarer Resilienz führt. Erwarte das Schlimmste, dann kommt es besser, es ist im Grunde doch verlockend einfach und wahr. Wenn ich das nämlich einmal kurz nicht beachte, wie gestern etwa, wenn ich also unbedacht, in ungewöhnlich entspannter Haltung und versehentlich sogar fröhlich pfeifend zum Briefkasten gehe, dann ist da eine unerwartete Mieterhöhung drin. Und was für eine! So eine, bei der man im Kopf kurz etwas mal zwölf überschlägt und dann „Alter Schwede“ sagt. Oder etwas in der Art. Eine wesentlich vulgärere Formulierung wäre nicht abwegig gewesen, to say the least.

Okay. Das war eine Art Anfängerfehler. Es war ein Rückfall, ich weiß es doch eigentlich besser, und lange schon weiß ich es. Rechtlich geht das Ansinnen des Vermieters vermutlich glatt durch, soweit ich es verstehe. Aber ich habe, wie soll ich sagen, solche furchtbaren Systemschmerzen in allen Marktsituationen, in denen jemand die Leistung verschlechtern und gleichzeitig die Preise erhöhen kann, es geht mir so dermaßen gegen den Strich. Beim Wohnungsmarkt in Großstädten ist das bekanntlich so, niemand muss da mehr irgendeinen Service bieten, modernisieren, warten, pflegen oder irgendwas, das ist alles komplett egal. Mieterinnen gibt es eh, und wie es die gibt. Schlange stehen die und jeden Preis zahlen sie. Weswegen man seit einigen Jahren auch Wohnungen ohne irgendwas vermieten kann, wir haben solche besichtigt. Ohne Fußboden, ohne Küche, ohne Türen zu den Zimmern – kann sich ja jeder selbst einbauen! Also wenn er da unbedingt wohnen will. Es ärgert mich erheblich. Es ist ein Ärger, der allerdings zu nichts führt, denn ich ziehe hier dennoch noch nicht weg. Wegziehen würde ja nur Spaß machen, wenn man wüsste, also diese Bude, die werden die jetzt nie mehr los, das haben sie jetzt davon. Das wird ihnen noch leidtun! Nur das wäre doch ein feiner Abgang.

Egal. Am Nachmittag gehe ich in die Bücherei. Ich gebe Bücher ab, das geschieht hier mittels eines Automaten, in den man die Romane etc. schiebt. Eine große Sortieranlage verdaut die Werke dann, wobei man durch eine Scheibe zusehen kann. Kinder stehen da manchmal lange und sehen Büchern zu, die auf Schienen herumfahren. Eltern stehen daneben und sehen auf die Uhr. Die Frau neben mir am Automaten legt sich einen Bücherstapel zurecht, den sie abgeben will. Und dann blättert sie die alle, es sind sicher über zehn Bände, sorgsam durch, geradezu aufreizend langsam macht sie das. Und sie guckt tantenhaft genau, ob da nicht noch etwas drin ist. Ein Lesezeichen oder so, was weiß ich. Was in Büchern eben stecken kann.

Ach guck, denke ich, denn ich bin eher schlecht gelaunt durch die Post am Vormittag, das ist doch wieder so eine dämliche Alltagsbelehrung, vorgeführt durch besonders bedachte Mitmenschen, das kann ich ja ab. Seht her, so geht es richtig, liebe Kinder, man muss immer alles durchsehen! Ich sehe natürlich nie alles durch. Ich bin viel zu hektisch für so etwas, zu ungeduldig. Ich habe keine Zeit und keine Muße für so etwas, und es hat auch viel zu geringe Erfolgsaussichten. Was soll man denn da schon finden? Lesezeichen, das sind bei mir alte Einkaufszettel, was soll ich damit, das lohnt sich doch alles nicht. Ich ziehe aber immerhin kurz in Erwägung, etwas über diese Situation zu schreiben, das dann doch, siehe hier, bitte sehr, bitte gleich. Ich nehme zu diesem Zweck also eines meiner Bücher, ich blättere es durch. Quasi method writing, immer alles nachmachen. Und was ist da drin? Ein Zehneuroschein.

Also gut. Wir haben da einerseits diese gewaltige Mieterhöhung. Aber wenn ich andererseits ab jetzt immer alle Bücher ganz sorgsam durchsehe …. Nein, es kommt wohl nicht hin. Schade.

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Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel. Merci!

 

Links am frühen Nachmittag

Diese Rezension klang interessant.

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Mit diesem Buch angefangen und die erste Geschichte war schon einmal gut, auch wenn man bei dem Thema denkt, dass nicht viel herauszuholen ist. Die Leiche einer Frau in einer Gletscherspalte taucht durch Tauwetter Jahrzehnte nach einem Unfall wieder auf, der Mann, der sie vor langer Zeit geliebt hat und sich damals in den Bergen als ihr Ehemann ausgegeben hat, erhält einen Brief der Behörden … So ein Setting, es kommt einem bekannt vor. Aber kann man etwas draus machen. David Constantine: Wie es ist und wie es war. Deutsch von Dirk van Gunsteren.

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Das ist ja mal ein interessantes …. nun, Ding.

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Schmetterlingsflieder. Gründlich.

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Stand here for dance party. Via Newsletter der Krautreporter.

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Über E-Scooter in Großstädten. In Hamburg sind sie allen, die in irgendeiner Form Aufsicht haben, vollkommen egal. Man kann zu dritt und auf dem Fußweg an Ordnungshütern vorbeifahren, das macht hier alles nichts (ich bin verkehrsregelkonservativ, ich blinke auch noch beim Abbiegen).

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New York nach der Pandemie. Die 62%, die dort erwähnt werden, das ist die Zahl, die mich interessiert. Der Anteil der Büromenschen, die wieder in die Büros gehen. Nur eine Schätzung, versteht sich. Aber entspricht auch meinem Gefühl. So um 60, 70 Prozent. Doch vielleicht 80? Oder sagen wir so, ein Viertel bis ein Drittel werden dauerhaft, nein, auch das nicht, sondern: werden pro Tag jeweils eher nicht mehr da sein. Was auch heißen wird: Nicht in der Stadt sein, nicht im Büroviertel. In meinem Fall: Nicht in Hammerbrooklyn, wie die damit beauftragten Werbemenschen das olle Hammerbrook gerne nennen. Das wird sich also gewaltig ändern dort und am Ende ist es wieder ein Wohnviertel, wie vor dem Krieg. Darauf schon wetten? 

Und übrigens auch interessant: Home-Office in der Industrie,

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Ich habe es auch drüben auf Instagram gerade noch einmal empfohlen, es war hier auch schon einmal im Blog, aber bestimmt haben es ein paar nicht gesehen: Dieser Account bei Instagram. Es geht um Bilder der Irish Traveller und es ist ein Account wie ein guter Fotoband, so einer, den man bis zum Ende durchblättert.

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