Für den Freundeskreis Insel – ein Interview mit dem Herrn, der von St. Peter-Ording nach Helgoland geschwommen ist. Ich würde vermutlich 200 Meter weit kommen und dann von den Wellen der auflaufenden Flut wieder an den Strand geklatscht werden, wie eine Robbe mit Burn-Out.

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Mittagessen im Home-Office: Rahmpfifferlinge mit Bandnudeln, in etwa nach diesem Rezept. Gute Sache, gerne wieder.

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Hier, der letzte Satz. So ist es wohl.

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Ich höre weiter “Die  Geschichte von Kat und Easy” von Susann Pásztor als Hörbuch, gelesen von Anne Weber, Nina Petri und Anna Thalbach. Es wird da nebenbei ein R4 erwähnt, das Auto. Ich habe beim Hören den beeindruckendsten Erinnerungsflash seit längerer Zeit. Meine Mutter fuhr damals in Travemünde einen R4, ein grasgrünes Exemplar. Ich sehe ihn auf einmal unfassbar deutlich von innen, das karierte Muster auf den Sitzen, die Türverschalung, das Lenkrad, die Revolverschaltung. Ich kann das alles auch fühlen und riechen, ich weiß, wie sich die Sitze anfühlen. Es ist in einer Art überdeutlich präsent, die an Drogenkonsum denken lässt, aber ich sitze nur wieder vor dem üblichen Kaffee. Ich rieche das neugekaufte Auto und die staubige Garage, ich sehe auf einmal auch die schwarz aufgemalte Nummer des Stellplatzes an der Wand, nie hätte ich geahnt, die noch parat zu haben. Ich mache die Augen zu und bleibe im Bild. Ich kann mich da sogar umsehen, in der halbdunklen Garage, da stehen noch andere Autos, Modelle aus den Achtzigern. Da baumelt die Kette von der Decke, mit der man von innen das Garagentor öffnet, man muss im Vorbeifahren daran ziehen. Ich sehe sie in einer so präzisen Wiedergabe, ich könnte die rotweißen Glieder der Kette zählen und während ich das denke, habe ich sie in der Hand. Da hinten die Tür zu den Kellerräumen, da muss ich mein Fahrrad hinschieben und zwar in den Keller Nummer … dann werde ich gestört. Aber ich hätte, das weiß ich, noch weiter gehen können und ich bin nicht sicher, ob ich es beruhigend oder hochgradig verstörend finden soll, dass das alles noch da ist, dass da also, wenn ich in so einem Erinnerungsmoment aus dem Keller und rauf in die Wohnung gehen würde, vielleicht immer noch etwas passieren würde und zwangsweise, wirklich zwangsweise muss ich hier den abgedroschenen Faulkner-Satz wiedergeben, weil er nun einmal so etwas von stimmt: “Das Vergangene ist nicht tot. Es ist nicht einmal vergangen.” Ja. Wie tröstlich und wie furchtbar ist das.

Falls Sie ein jüngerer Mensch sind, das ist etwas, worauf Sie sich freuen und wovor Sie auch vollkommen berechtigt Angst haben können, diese Erinnerungsblitze. Ich hatte vorher von ihnen gehört, ich habe Berichte darüber gelesen, ich hätte dennoch nie gedacht, wie unfassbar real man in Momente zurück kann. Das mit der Madeleine und der auferstehenden Welt, das versteht man irgendwann so dermaßen gut. Ein Wort, ein Gebäck, ein Geruch, ein Geräusch – und das Tor geht auf, man tritt ein und staunt wie ein Kind. 

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem sehr alten Menschen, es ist viele Jahre her. Der sagte unvermittelt auf einmal eine Zahl, die überhaupt nicht in unseren Dialog passte. “Das war damals eine Hausnummer in Amsterdam”, sagte er, “es fällt mir gerade ein”, und dann sah er eine lange Weile lächelnd ins Leere und in die Dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts und nickte ab und zu wortlos. Ich verstehe es jetzt erst ganz. 

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Es gibt eine neue Version von Ben Caplans Drift Apart. Mag ich.

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