Sandwich und Cola

Freitag, der 2.6. Ich habe für das Goethe-Institut wieder etwas zur Lage geschrieben.

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Die Saison der Schulsommerfestdiskussionen beginnt ansonsten, sehe ich am Morgen. Längliche, ausufernde Waffeleisendiskussionsstränge im Mailpostfach, es ist alles durchritualisiert. Vielleicht ist es beruhigend, dass es so erwartbar ist, aber ich werde dem andererseits nicht hinterhertrauern, wenn wir damit durch sein werden, so viel steht fest. Ich war ernsthaft bemüht, ich gönne auch allen den Spaß, die dergleichen mögen, sollen sie da fröhlich feiern, aber Schulsommerfeste sind nicht recht mein Ding.

Nun, ein paar Jahre haben wir weiterhin vor uns. Macht man für Abiturienten auch noch Waffeln? Vermutlich. Die Sommerfeste der Unis oder der Ausbildungsbetriebe darf ich dann später wohl ignorieren. Man hofft so vor sich hin. Abwarten und Waffeln essen. Und am Ende blickt man doch nostalgisch zurück und findet auf einmal, dass es ganz nett war, ich weiß.

Sonnabend, der 3.6. Ich habe spontan in der Laube geschlafen, weil ein Sohn am Freitagabend so überaus dringenden Bedarf an einer Gartenübernachtung hatte, was tut man nicht alles. Jedenfalls manchmal. Fünf Grad sind es dann nur am Morgen. Sommer geht definitiv anders, denke ich klappernd auf der Bettkante. Aber draußen Sonne auf sich gerade öffnenden Pfingstrosen in unfassbarem Prachtlila, das immerhin. Ich versuche, mich warm zu schreiben, das muss heute also etwas sportlicher als sonst ausfallen. Eine Hand am heißen Kaffeebecher lassen, mit der anderen einfingrig und möglichst schnell weitertippen. Das Improtheater der Morgennotizen.

Nebenbei Toast machen, in so einem Sandwichmaker. Den benutzen wir nur im Garten. Ich würde gar nicht daraufkommen, den in der Wohnung zu benutzen, da gehört er nicht hin. Dieser heiße Käseschinkentoast ist definitiv ein Gartengericht und ausschließlich hier richtig und angebracht. So wie ich auch nur während längerer Autofahrten Cola trinke, sonst nie. Ich käme nicht darauf, im Alltag so etwas zu kaufen oder zu trinken. Autobahn ohne Cola, das wäre aber richtig komisch, da fehlte dann etwas, das gehört so nicht. Man hat schon seltsame Gewohnheiten, nicht wahr. Also ich jedenfalls. Was weiß ich, was Sie so haben, Sie leben vielleicht ohne klare Essen-Raum-Zuordnungen. Andere Menschen bekanntlich immer seltsam.

Ich höre weite den Hans Rosling, Wie ich lernte, die Welt zu verstehen. Es gibt da einen Abschnitt über medizinisch-ethische Entscheidungen in besonderen, eher unlösbaren Situationen, also wem hilft man wann und wie, mit welchem Einsatz und mit welchem wahrscheinlichen Ergebnis. Er versucht, es logisch herunterzubrechen und sachlich richtige Lösungen für seine Handlungen und seinen Einsatz zu finden, die, und das kann dann nicht anders sein, daher nicht für jeden betroffenen Menschen die richtigen Lösungen sein können. Das fand ich interessant. Man kann das ansatzweise auch auf andere Berufe übertragen, sogar auf seinen Alltag, wie gewichte ich eigentlich, worum ich mich zuerst kümmere, wie ist die Logik an sich, wie ist meine Logik, habe ich da überhaupt eine. Es kann wohl aufschlussreich sein, darüber nachzudenken. Auch oder gerade, wenn man schon lange in Routinen steckt.

Ich habe bei Michael Bordt (ich fand seine Bücher damals ansprechend, weil er, ich kann es nicht besser ausdrücken, angenehm ruhig denkt) einmal etwas von den fünf Prioritäten der Jesuiten gelesen, eine Art Ranking, um Aufgaben und Handlungen im Alltag zu gewichten.

An erster Stelle stand da, und das fand ich überraschend, der Schlaf. Es wird logisch, wenn man etwas darüber nachdenkt, ohne den Schlaf geht immerhin gar nichts und alles wird deutlich schlechter, wenn man nicht genug schläft. Dann die körperliche Gesundheit, also auch Essen etc. (Rosling kommt übrigens für sich als Arzt zu gleichen Schlüssen.) Dann das Gebet, was man als nichtreligiöser Mensch vielleicht mit Besinnung übersetzen kann. Danach Beziehungen zu anderen Menschen, ausdrücklich inklusive der Klärung von Konflikten. Und dann erst die Arbeit, die restlichen Pflichten, die To-Dos und Termine. Da mal drüber nachdenken! Habe ich jedenfalls vor einer Weile gemacht, fand ich gut. Ich lege viel Wert auf meinen Schlaf, ich fühlte mich bestätigt, ich ging dann zu Bett.

Er sagte dann noch, der Herr Bordt, dass es Phasen gibt, in denen das alles so nicht gehe, etwa bei jungen Eltern, die gar nicht genug Schlaf bekommen können, aber im Prinzip – doch, das ist alles so, das gilt so. Alte Regeln und Vorgaben, lange durchdacht, sehr lange.

Jetzt Frühstück. Eines nach dem anderen, die Top Five abarbeiten.

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3 Kommentare

  1. zu Ihrer Frage aus dem Text des Goehteinstitutes:

    aus meiner sicht liegt der Bruch in der Verwaltung, an der Stelle wo alles und jedes schriftlich fixiert ist, was wann, und wo, und in welcher reihenfolge, zu passieren hat, in Region A.
    Während die Region B darauf warten muß dass A alles nach Vorgabe erledigt.
    Und weil die reale Aufgabenstellung der Region A häufig nicht mit der Fiktion der Vorschriften übereinstimmt, Lösungshandlungen nicht angeboten werden, geht es gleich an der Anlaufstelle schief.
    Die handelnden trauen sich meistens ihrerseits dann aber keine eigenen Entscheidungen zu. So fängt das Desaster an und schaukelt sich dann auf.

    Die Flutkatastrophe im Ahrtal ist ein trauriges Paradebeispiel dafür.

  2. Ebenfalls zum Text des Goetheinstituts: aus Erfahrung kann ich sagen, dass in so einem Verein auch (fast) alle Verantwortung übernehmen und verantwortlich handeln, basierend auf Erfahrung und gesundem Menschenverstand. Da ist nicht die Frage „ wann habe ich Feierabend?“ oder „Wer ist dafür zuständig?“. Man kennt sich, die Stärken und Schwächen und es geht um das Ergebnis, nicht unbedingt den korrekten Prozess.

  3. ich blase ins gleiche horn: niemand fällt spontan eine entscheidung oder macht etwas, ohne es tausendmal abzusichern durch lesen der vorschriften, oder gesetze, oder beachtung der hierarchie. vielleicht gibt es eine beraterfirma, oder es muss ein ausschuss gegründet werden, terminfindung ist schwer…
    und dann gibt es noch feierabend, oder urlaub, oder andere wissen ohnehin alles besser oder sind höher eingruppiert in der besoldung – es fehlt das eine gemeinsame ziel, ohne wenn und aber.

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