In mindestens vier der von mir gelesenen Blogs wurde der Herbst in den letzten Einträgen erwähnt. Mehrfach kam er in dieser Woche auch auf Mastodon und Bluesky vor. Ich gehe also nicht mehr vor und bin gefühlt wieder im Mainstream der Saisonwahrnehmung. Es dürfte eine wenigstens vorübergehende Normalisierung sein.
Das erste Lebkuchenbild sah ich selbstverständlich auch bereits, es versteht sich fast von selbst, jährliche Rituale. Aber da klingt bei mir noch nichts an, da mache ich emotional nicht mit.
Das Licht wurde anders, so schrieb man in den Blogs, oder es fehlte zu gewissen Tageszeiten ganz. Die Temperatur ging außerdem runter, besonders nachts fiel es auf. Man zog mehr und andere Kleidung an, und irgendwas in der Stimmung war auch auf einmal anders, auf eine grundsätzliche Art. So hieß es da, in den diversen sozialen Medien.
Wenn ich vom Fenster aus auf den Spielplatz hinuntersehe, fallen die paar Blätter auf, die im Gebüsch am Rande des Platzes gelbe Markierungen darstellen. Nur wenige sind es. Aber so leuchtend im Farbton, dass man als Betrachter nicht eben dezent auf das Ende des Sommers hingewiesen wird und die Regieanweisung für den Kulissenbau vorstellbar wird: „Frühherbst muss klar erkennbar sein.“
Na, meinetwegen gerne.
Nach alter Tradition singt hier jedenfalls John Prine einen Song von seinem letzten Album, wenn der Sommer endet, denn das gehört so. Im todtraurigen Video, wenn Sie es vielleicht noch nicht kennen, wird Bezug auf Drogenkonsum und Drogentod genommen. Das passt in diesem Stadtteil ohnehin immer und ist keineswegs weit weg.
Der nächste Mensch, der in diesem Kontext mitgedacht werden kann, wird vielmehr jetzt gerade, und ich schreibe es ohne jede Übertreibung, in einem Umkreis von 100, vielleicht 200 Metern da draußen irgendwo auf der Straße herumliegen und auf eine sehr andere Art als ich über kälter werdende Nächte nachdenken.
Mehr zum Song hier.
Der junge Mann, der sich da im Video neben ihnsetzt und mitspielt, ist sein Sohn.
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Frau Novemberregen schreibt hier über nervige Technik und landet gedanklich auch bei: „Ich hatte immer gehofft, Technik wird einfacher. Dass man alles immer mehr verkomplizieren muss, wegen Sicherheit, finde ich außerordentlich misslich. Vielleicht werde ich irgendwann in Frührente gehen, weil ich mich nicht mehr dazu aufraffen kann, auf die Dinge zuzugreifen und dabei an verschiedene Spielchen wie Passwörter, Codes, Captchas, PINs etc teilzunehmen.“
Das kann ich gut nachvollziehen, sehe aber auch, wenn man es nur ein wenig mehr ins Private verschiebt, dass dies einer der möglichen Wege ist, wie auch unsere Generation irgendwann nicht mehr am aktuellen Technikgeschehen teilnehmen und irgendwann fast unweigerlich die Enkel fragen wird, wie das denn geht heutzutage, wie man wo reinkommt und was wie zu tun ist …
Es wird sich mit großer Selbstverständlichkeit so ergeben, nehme ich an. Schon damit auch unsere Enkel die Köpfe schütteln können und zu Weihnachten unsere Hardware justieren dürfen.
Und wir werden daneben sitzen, ihnen eine Weile zusehen und uns dabei mit mildem Erstaunen an die Erhabenheit erinnern, mit der wir das neulich noch bei unseren Eltern gemacht haben und leise murmeln: „Well, that escalated quickly.“
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bestes Herbstanfangstrack mMn „Heimkehrerlied“ von Peter Licht: https://www.youtube.com/watch?v=d4JE2pGThYg
Ja, das ist in der Tat auch schön.