Das Thema KI und Schreiben behalten wir im Auge. Nach und nach werden sich mehr Autorinnen äußern, hier schreibt Johannes Franzen in seinem Newsletter darüber. Man findet da auch weitere Links zum Thema.
Eine Vorhersage finde ich nicht allzu schwer. Es wird eine moralisch gewichtige Fraktion geben, nach der man das Teufelszeug auf keinen Fall auch nur berühren, ach was, nicht einmal ansehen darf. Es wird eine pragmatischere Gruppe geben, die damit recherchieren und auch Handlungsverläufe sowie Ideen diskutieren optimieren etc. wird.
Und es wird in nicht allzu ferner Zukunft einen Fall geben, sicher bei einem Bestseller, bei dem, und es wird dann ein prächtiger Skandal in den Feuilletons und Talkshows sein, erst nach den jubelnden Rezensionen herauskommen wird, dass zwanzig, dreißig oder mehr Prozent des Textes von einem LLM kommen. Und vielleicht wird sich diese Sensation dann nach langer Prüfung als falsch und ungerechtfertigt erweisen. Nur um kurz darauf durch einen eindeutig echten Fall ergänzt zu werden, worüber dann in der Gesamtschau drei, vier Sachbücher erscheinen werden.
Es ist im Grunde so langweilig erwartbar, man möchte nicht einmal auf etwas wetten.
Währenddessen sah ich in einem Instagrambeitrag von Alke Martens, Professorin für angewandte Informatik in Rostock, die ich mit ihren Statements zu „AI, Ethik und andere Welten“ übrigens empfehle, dass in den USA auf Büchern, die von Menschen, und nur von Menschen, geschrieben wurden, nun das Label „Human authored“ klebt.
Sie weist berechtigt darauf hin, dass „AI Authored“ der deutlich sinnigere Hinweis wäre. Man möchte schon wieder etwas von Zeiten und Sitten knurren.
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Ich habe als stets sprachinteressierter Mensch eine Weile mit einem Jugendwort ein merkwürdiges Problem gehabt. Und zwar mit dem so häufig zu hörenden „lowkey“. Die Schwierigkeiten lagen zum einen daran, dass die Erklärungen zu diesem Begriff, die ich in den Medien fand und nachlas, sich einerseits manchmal seltsam unterschieden und andererseits auch nicht immer zu dem zu passen schienen, was ich bei den Söhnen und ihren Freunden zu hören bekam. Sie bauten ihre Sätze in etlichen Fällen etwas anders, als es dort stand. Ich wurde zuerst nicht recht schlau daraus. Es war mir alles zu uneinheitlich, und die ewig unzuverlässigen jungen Menschen schienen es auch nicht alle gleich zu verwenden. Das regellose Volk.
Weswegen ich es einigermaßen erheiternd fand, was mir gestern eher zufällig auffiel, als ich Fontanes „Frau Jenny Treibel“ weiterhörte: In den Berliner Dialogen von 1892, die er da im Roman schildert, verwenden die Figuren das Wort „beiläufig“ auf eine sowohl häufige als auch heute aus der Mode gekommene Weise. Wie überhaupt dieses Wort wohl nicht mehr im regen Gebrauch ist. Aber ich habe es nun eine ganze Weile beachtet, also abgehört, und es ist definitiv so: Das nach der Art von Fontane in den Dialogen platzierte „beiläufig“ kann in jedem Fall gegen das „lowkey“ der Söhne getauscht werden.
Die Sätze behalten stets ihren Sinn und ihre Aussage. Und so eine Erkenntnis ist dann beiläufig auch eine kleine Freude.
Apropos Sätze, ich habe hier einen sehr gemocht: „Walken durch fremde Städte und Parks immer so ein Gefühl wie ein Gang durch die Welt einer Kinderzeichnung, wo alles flächig gemalt ist und einfache, unhintergehbare Namen trägt: Baum, Haus, Auto, Katze, Frau, Mann.“
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